Für das Einhalten von Grenzen

Das Thurgauer Komitee gegen die Präimplantationsdiagnostik warnt vor Designerbabies. Die Kirchenvertreter wollen nicht Gott spielen.

Christof Lampart
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Ein Thurgauer Komitee bekämpft die Präimplantationsdiagnostik. (Bild: Christof Lampart)

Ein Thurgauer Komitee bekämpft die Präimplantationsdiagnostik. (Bild: Christof Lampart)

WEINFELDEN. Verena Herzog hält es für nachvollziehbar, dass Eltern einen innigen Kinderwunsch hegen. Ein prinzipielles Recht auf ein Kind bestehe aber nicht, sagte die Thurgauer SVP-Nationalrätin an einer Medienkonferenz des Thurgauer Komitees gegen die Präimplantationsdiagnostik (PID). Ein Ja am 14. Juni würde es nicht nur erblich belasteten Eltern erlauben, die genetische Untersuchung von Keimzellen und Embryonen vornehmen zu lassen. Dies könnten alle Paare tun, die mittels künstlicher Befruchtung ein Kind erhalten möchten. Die Möglichkeit, so viele Embryonen zu entwickeln, wie sie für die medizinisch unterstützte Fortpflanzung notwendig seien, führe zu einer grundlegenden Änderung im Umgang mit dem menschlichen Leben und beschwöre die Gefahr von Designerbabies.

Integrieren statt verhindern

CVP-Nationalrat Christian Lohr bezeichnete es als «Aufgabe der Politik, der Gesellschaft und der Gesetzgebung, Menschen mit Behinderung sozial und wirtschaftlich zu integrieren – nicht sie zu verhindern oder zu eliminieren.» Die Elimination, sagte Bob Weggenmann, Schulleiter in Bürglen, sei ihm und seiner Frau vor der Geburt ihres mittlerweile 15jährigen und lebensfrohen Sohnes, der einen sehr komplexen Herzfehler habe, von Medizinern geraten worden. «<Diese Frucht muss weg!> – Das haben wir mehrfach zu hören bekommen. Ich sage ihnen allen, dass ich unseren Roy mit keinem gesunden Kind würde tauschen wollen.»

Für die Arboner Juristin und ehemalige Kantonsrätin Marlies Näf-Hofmann ist PID «ein Schlag ins Gesicht von Ethik und Rechtsstaat». PID führe zur Menschenauslese und heble die Menschenwürde aus. Sie warnte davor, die Schleuse Embryonen-Selektion zu öffnen, denn «dann können sehr schnell alle Dämme brechen und unser Leben – Entstehung, Entwicklung und die Berechtigung, ein Mensch zu sein – wird nur noch totalitär von Fachleuten bestimmt.» Der Präsident des Katholischen Kirchenrates des Kantons Thurgau, Cyrill Bischof, forderte den Respekt vor dem Leben und das Einhalten selbstgesetzter Grenzen ein. Bei der Vorlage gehe es nicht darum, Krankheiten auszurotten. Vielmehr bedeute die Aussortierung von menschlichem Erbgut für das beginnende Leben Sein oder Nichtsein. «Embryos dürfen nicht zur beliebigen Manipulationsmasse erklärt werden.»

Bührer: Nicht zumutbar

Wilfried Bührer, Präsident des Evangelischen Kirchenrates des Kantons Thurgau, warnte davor, dass die Menschen Gott spielen wollten. «Ich möchte das weder mir noch andern zutrauen oder zumuten – und schon gar nicht einfach so der Forschung.»

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