Fünf SP-Frauen und ein Mann

Drei Nationalrätinnen, eine Stadträtin und ein umtriebiger Literat waren sich am festlichen Wahlauftakt zu den Gemeinderatswahlen schnell einig: Ein Ja für Frauenfeld und ein Ja zur SP.

Ruth Bossert
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Michael Stauffer mit Jacqueline Fehr (v. l.), Susanne Oberholzer, Edith Graf-Litscher, Hildegard Fässler und Christa Thorner. (Bild: Ruth Bossert)

Michael Stauffer mit Jacqueline Fehr (v. l.), Susanne Oberholzer, Edith Graf-Litscher, Hildegard Fässler und Christa Thorner. (Bild: Ruth Bossert)

Frauenfeld. Susanne Oberholzer, die ehemalige SP-Kantonsrätin hatte als Moderatorin des Polit-Talks am Wahlauftaktfest der SP Frauenfeld im Eisenwerk ein leichtes Spiel. Die drei Nationalrätinnen Hildegard Fässler, Jacqueline Fehr und Edith Graf-Litscher wie auch Stadträtin Christa Thorner äusserten sich weder aggressiv noch gehässig, schmeichelten sich gegenseitig mit netten Worten und fanden bei allen Themen einen gemeinsamen Nenner – logisch, man war unter sich.

Das Salz in der Suppe brachte eindeutig Michael Stauffer, der in Frauenfeld aufgewachsene Autor, der heute in Biel lebt und sich gerne, aber auch provokant an seine Heimatstadt Frauenfeld zurückerinnert. «Ich führe mit Frauenfeld sozusagen eine Fernbeziehung», sagte er und erntete bereits zu Beginn des Gesprächs die ersten Lacher der gegen 60 Anwesenden.

Ein Feld voller Frauen

Zur Frage, welche Beziehung die beiden Auswärtigen zu Frauenfeld hätten, erzählte Jacqueline Fehr von ihrer kindlichen Vorstellung, Frauenfeld sei ein ganzes Feld voller Frauen. Später sei ihr der traditionelle Chlausmarkt in Erinnerung geblieben und die Geburten ihrer Kinder im Kantonsspital. Hildegard Fässler wuchs in Steckborn auf und hatte jeweils die Sommerferien in Frauenfeld verbringen müssen, was ihr nicht sonderlich gefiel.

Heute lebe sie noch weiter ostwärts, getraue sich hingegen immer noch den Dialekt ihrer Kindheit zu pflegen.

Zum Wahlkampfthema Kinderbetreuung und Generationenpolitik meinte Christa Thorner, dass in Frauenfeld der Bedarf an Kinderbetreuungsplätzen noch nicht gedeckt sei. Auch hier werde bereits jedes fünfte Kind fremdbetreut. Für Fehr machte die SP immer schon Generationenpolitik. Das Miteinander stehe auch heute im Zentrum und sei der Kern der Sozialdemokratie.

Edith Graf-Litscher rühmte die Zusammenarbeit zwischen der Politik und der Schule in Frauenfeld. Sie sei stolz, dass sich die SP an vorderster Front für ausserfamiliäre Betreuungsangebote einsetze. Michael Stauffer definiert das Thema Familie auf seine Art: «Zwei Personen teilen sich die anfallenden Arbeiten, oder aber sie machen gar nichts und delegieren die Arbeit an die Sozialpädagogen.» Hier sei wohl ein Mittelweg erstrebenswert, meinte er und schaute rundum in zustimmende Gesichter.

Zur Kultur in Frauenfeld pochte Graf-Litscher auf die Vielfältigkeit. «Es darf nicht sein, dass einzelne definieren, was Kultur ist.» Für Fässler darf Kultur auch mal elitär sein.

Bodenpolitik im Auge behalten

Bei der Wohnbauproblematik waren sich alle Anwesenden einig. Genossenschaftliches Wohnen soll gefördert werden. Stauffer rät, Sorge zu tragen mit dem steten Wachstum und die Bodenpolitik im Auge zu behalten.

«Weshalb soll die SP nicht auch mal der verpönte Bremsklotz sein?» Für Christa Thorner ist die SP die Partei, die Probleme auch benennt. «Doch wir müssen auch mal den Mut haben, nicht immer eine Lösung zur Hand zu haben.»