FRUST: Bittere Zeiten für die Zuckerrüben

Die Lage für die Thurgauer Rübenproduzenten spitzt sich zu: Um den Anbau von Zuckerrüben wieder lukrativ zu machen, sind Lösungen gefordert. Doch der politische Wille fehlt.

Sabrina Bächi
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Im Thurgau werden immer weniger Zuckerrüben geerntet: Der Anbau lohnt sich nicht mehr. (Bild: Donato Caspari)

Im Thurgau werden immer weniger Zuckerrüben geerntet: Der Anbau lohnt sich nicht mehr. (Bild: Donato Caspari)

Sabrina Bächi

sabrina.baechi

@thurgauerzeitung.ch

Auf der einen Seite Hoffnung und Zuversicht – auf der anderen Bedenken und Sorgen. Wenn es um die Thurgauer Zuckerrübenzukunft geht, sind sich die Verantwortlichen und Beteiligten nicht ganz einig. Tatsache ist: Immer mehr Landwirte verzichten auf den Rübenanbau – dieser ist nicht mehr lukrativ genug. Die Rübenbranche steht unter Druck, denn es droht eine Schwemme mit billigem Zucker aus der EU. Hinzu kommen zwei Jahre mit schlechter Ernte und zu wenig Ertrag. Mittlerweile muss die Zucker­fabrik in Frauenfeld deutsche ­Rüben verarbeiten, und vermehrt wird Zucker aus dem Ausland importiert. Selbst Bundesgelder gehen zurück. Und: für den Schweizer Zucker gibt es keinen Heimatschutz mit Zollgebühren.

Arenenberg setzt auf Biorüben

Um Landwirten eine Lösung anzubieten, geht das Bildungs- und Beratungszentrum Arenenberg (BBZ) neue Wege. Experten informieren die Rübenproduzenten über neue Techniken, die künftig den Rübenanbau wieder lukrativer machen sollen. Hauptsächlich geht es um das Unkraut. Gegen dieses ist bekanntlich kein Kraut gewachsen, weshalb die Bauern auf Pflanzenschutzmittel zurückgreifen. «Die Verwendung von Herbiziden wird zunehmend eingeschränkt und macht den Anbau risikoreicher und nicht mehr so attraktiv», sagt Martin Huber, Direktor am BBZ.

Deshalb will das Beratungsteam vom Arenenberg alte Methoden neu beleben. Mit dem Hackgerät kann das Rübenfeld zum grössten Teil vom Unkraut befreit und zugleich der Boden gelockert werden. Mittlerweile hat sich die Technik der Maschine dank Steuerungshilfen verbessert. «Einzig ein schmaler Bereich zwischen den Pflanzen muss dann mit Pflanzenschutzmitteln behandelt werden», sagt Huber. Diese Methode soll mit einem Roboter noch verbessert werden. Dieser, so der Plan, kann ganz nah an den Rüben das Unkraut entfernen und würde so das Spritzen von Herbiziden zwischen den Rüben überflüssig ­machen. «Dadurch könnten viel mehr Bauern Rüben in Bioqualität anpflanzen – ein lukrativeres Geschäft als der jetzige konventionelle Anbau», sagt er. Mit dem Jätroboter wären also zwei Fliegen mit einer Klappe geschlagen: Mehr Bauern könnten Biorüben anpflanzen, die einen höheren Gewinn ergeben, wodurch der Rübenanbau wieder lukrativer wird.

Für Silvan Ziegler, Zuckerrübenpflanzer und Vorstandsmitglied im Verband Thurgauer Landwirtschaft, bleibt der Rübenanbau auch in Zukunft kein Zuckerschlecken. «So ein Roboter ist schön und gut, aber ich bin skeptisch, ob er funktioniert und genügend effizient ist», sagt er. Denn dem Unkraut ohne Pflanzenschutzmittel Herr zu werden, sei schwierig. Auch das Argument mit den Biorüben hält er für illusorisch.

Für gleiche Arbeit mehr Geld

Vor ein paar Jahren gab es im Thurgau rund 30 Bauern, die versuchten, Zuckerrüben in Bio­qualität anzubauen. Heute seien davon noch zwei übrig. Nur ein paar weitere Bauern mehr, die Rüben anpflanzen, könnten das Loch auch nicht mehr füllen, das bereits entstanden ist. «Viele haben auf Milchwirtschaft oder den Gemüseanbau gewechselt», sagt Ziegler. Gerade im Gemüseanbau gebe es für die gleiche Arbeit einfach mehr Geld. Für ihn ist deshalb klar: Die Schmerzgrenze ist nun erreicht, der Preis muss rauf. «Der konventionelle Zuckerrübenanbau muss sich wieder lohnen», fordert er.

Die Bemühungen des BBZ Arenenberg führen für ihn deshalb am Ziel vorbei. Mit den Biorüben, ist Ziegler überzeugt, lässt sich die Rübenkrise nicht beheben. «Es ist gut, wenn man forscht, aber die Lage ist langsam dramatisch.» Für die Zukunft des Schweizer Zuckers sieht er schwarz. Die Politik sei gefordert, meint Ziegler. Der Schweizer Zucker muss mit Zollgebühren geschützt werden – die Preise müssen steigen.

«Der politische Wille, den Schweizer Zucker zu retten, fehlt», sagt Nationalrat und Landwirt Markus Hausammann. Die Möglichkeit, den Schweizer Zucker mit Zollgebühren zu schützen, sei vorhanden, ist Hausammann überzeugt. Doch dem Departement von Bundesrat Johann Schneider-Ammann scheint das Zuckerproblem nicht so dringend zu sein. «Wenn EU-Zucker den Schweizer Markt flutet, könnte uns das endgültig das Genick brechen», sagt Silvan Ziegler besorgt.