Früher oder später schmilzt das Eis

FRAUENFELD. Eigentlich ging es an der Januarsitzung des Frauenfelder Gemeinderats um die Abwärmenutzung der Kunsteisbahn. Aus einem Energieprojekt erwuchs aber eine Grundsatzdiskussion über das städtische Freizeitangebot. Am härtesten übte die Fraktion CH/Grüne/GLP Kritik.

Mathias Frei
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An der Frauenfelder Eissportwoche in den Sportferien ist jeweils keiner zu klein, um Eishockeyspieler mit Stock und Helm zu sein. (Archivbild: Reto Martin)

An der Frauenfelder Eissportwoche in den Sportferien ist jeweils keiner zu klein, um Eishockeyspieler mit Stock und Helm zu sein. (Archivbild: Reto Martin)

Gestern ging die Aktivsportwoche in der Badi und auf der Kunsteisbahn zu Ende. Mehrere hundert Kinder vergnügten sich mit einem Fünf-Franken-Wochenpass auf den städtischen Freizeitanlagen.

Vergangen, aber noch nicht vergessen ist die kürzliche Sitzung des Frauenfelder Stadtparlaments. Diskutiert wurde ein Projekt zur Abwärmenutzung der Kunsteisbahn. Am wenigsten als Freunde des Eissports war die Fraktion CH/Grüne/GLP auszumachen. «Um Eishockey zu spielen oder Schlittschuh zu laufen, musste man früher warten, bis Weiher oder Seen zufroren. Die Kunsteisbahn Frauenfeld macht es möglich, bei hochsommerlichen Temperaturen von August bis Frühlingsbeginn im März künstliches Eis herzustellen», stellte der GLP-Gemeinderat Stefan Leuthold als Fraktionssprecher fest. Eine Verkürzung der Eissaison sei ökologisch sinnvoll.

Nicht gegen Freizeitspass

Im Nachgang der Gemeinderatssitzung sagt Leuthold, er sei keineswegs eine Spassbremse, aber der Energiebedarf für die Eisproduktion sei im Sommer nun einmal am grössten. Als ungleich bessere Lösung sieht er den Sportneubau in Wil. Dort werde die Abwärme der Eishalle für das Hallenbad nebenan genutzt. CH-Gemeinderat Benjamin Stricker wiederum bezeichnete in der Ratsdebatte die Kunsteisbahn als «energetischen Sündenpfuhl». Später meint er dazu: «Die Eisbahn braucht per se viel fossile Betriebsenergie, wie das auch andere Freizeitanlagen tun. Dank tiefer Energiepreise können wir uns das leisten.» Ob man deswegen ein schlechtes Gewissen haben müsse, solle jeder für sich entscheiden. «Letztlich verbrauchen wir alle mit unseren Freizeitaktivitäten Energie», stellt Stricker fest.

Lebensfreude versus Umwelt

Stadtrat Ruedi Huber als zuständiger Departementsvorsteher reagierte im Gemeinderat auf Leuthold: «Unser Energieproblem könnte rasch, kostengünstig und ohne viel Denkaufwand gelöst werden, wenn wir konsequent auf alle energiefressenden Freizeitaktivitäten verzichten.» Und er stellte fest: «Unsere Freizeitanlagen machen Spass. Und sie helfen mit, unsere Lebensfreude, Leistungsbereitschaft und Motivation zu stärken. Das ist mindestens so wichtig wie die Umwelt.» Es sei eine Freude, den Jungen auf der Kunsteisbahn zuzusehen, wie sie dank der vielen Trainings zu Leistungsträgern in Wirtschaft und Gesellschaft heranwachsen würden.

Sechs Monate Eis festgelegt

Bei der Abstimmung über die neue Eishalle, die 1995 aufging, wurden jährlich sechs Monate Eiszeit festgelegt. «Daran halten wir uns auch heute», sagt Fabrizio Hugentobler, Amtsleiter Freizeitanlagen und Sport. Je nach Sommerferienende und sportlichem Abschneiden des EHC Frauenfeld waren es bisher höchstens 27 Wochen pro Jahr, bis Anfang, Mitte März.

Das Eis zwischen Sommerferienende und Anfang September nutzen der EHC und die Sportschule Frauenfeld vollumfänglich. «Eis in dieser Zeitspanne ist der Beitrag der Stadt an die Sportschule», erklärt Hugentobler und stellt klar: «Wir haben kein Sommereis. Denn das würde einen ganzjährigen Eisbetrieb bedeuten.» Sommereis gibt es etwa in Weinfelden, Herisau oder Wetzikon. Frauenfeld sei in dieser Hinsicht eher zurückhaltend. Halleneis ab September sei mittlerweile überall Standard. Ausseneis gebe es in Frauenfeld erst ab den Herbstferien. Und bei Föhnwetter im November sei der Energieverbrauch des Aussenfelds höher als im August in der Halle. «Aber natürlich: Unsere Halle ist 20 Jahre alt. Die thermische Isolation ist nicht auf dem heutigen Stand von Minergie. Wir machen, was wir mit den zur Verfügung stehenden Mitteln machen können», sagt Hugentobler.

Vereine brauchen das Eis

Der EHC Frauenfeld als Hauptnutzer sei auf die Eiszeit ab den Sommerferien angewiesen, sagt die EHC-Finanzchefin Monika Weber. «Es ist ja jetzt schon knapp mit dem Eis.» Die EHC-Senioren zum Beispiel trainieren bis nachts um 23 Uhr. Würde die Saison verkürzt, müssten die Jüngsten in Bäretswil im Zürcher Oberland trainieren, die etwas Älteren in Oberstaufen im Allgäu. «Das ist nicht sinnvoll. Wenn die Junioren mit dem Auto gefahren werden, braucht das doch auch Benzin», findet Weber.

Der EHC halte den Breitensport hoch mit einer grossen Nachwuchsabteilung, sagt die EHC-Finanzchefin. Damit würden Sportvereine auch eine Art Jugendarbeit betreiben.