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Früher Kühe, heute ein Wohnhaus

Für ihre Maturaarbeit hat sich Katharina Bredel auf historische Spurensuche in Wilen gemacht. Dabei durchforstete sie das Dorfarchiv und sprach mit Zeitzeugen. Ihre Arbeit fliesst in das Projekt «20 Jahre Politische Gemeinde Wilen» ein.
Chris Gilb
Katharina Bredel im Gemeindezentrum mit Archivmaterial über Wilen aus der Zeit, als es noch ein Dorf und keine eigene Gemeinde war. (Bild: Chris Gilb)

Katharina Bredel im Gemeindezentrum mit Archivmaterial über Wilen aus der Zeit, als es noch ein Dorf und keine eigene Gemeinde war. (Bild: Chris Gilb)

WILEN «Es war toll, wie viele der Besucher mich gefragt haben, ob sie die fertige Arbeit dann einmal lesen dürften», sagt Katharina Bredel. Sie spricht über die jüngste Wilener Gemeindeversammlung, an der sie und ihr Vater Klaus Bredel eingebürgert wurden. An diesem Abend wurde auch kurz ihre Maturaarbeit vorgestellt, die den Titel trägt: «Wilen – eine Geschichte aufgrund von alten Quellen und <Oral History> als Beitrag zum Projekt <20 Jahre Politische Gemeinde Wilen>». Während sie von ihrer Arbeit erzählt, steht die 18-Jährige vor dem Dorfarchiv, einem Aktenschrank in einem kleinen Raum im Gemeindezentrum. «Alles, was ich aus dem Archiv brauchen konnte, habe ich abfotografiert und zuhause studiert.» Der Raum wird auch als Abstellkammer genutzt.

Anderer Blick auf die Heimat

Bis 1998 war Wilen noch Teil der Munizipalgemeinde Rickenbach. Dann wurden die Munizipalgemeinden aufgelöst. Im Gegensatz zu Wilen stimmte Rickenbach gegen eine Fusion der Dörfer zu einer Gemeinde. So wurde Wilen eigenständig. Die Zeit seit der Gemeindegründung ist Inhalt des Projektes «20 Jahre Politische Gemeinde Wilen». 2018 soll mit dem zusammengetragenen Material ein Buch erscheinen. Auch ein Teil von Bredels 61seitiger Arbeit fliesst in dieses ein. «Die Verantwortlichen haben meine Lehrerin angefragt, ob ein Schüler oder eine Schülerin mit der Maturaarbeit am Projekt mitwirken wolle, mir fehlte noch das richtige Thema für meine Arbeit, also übernahm ich das», erinnert sich Bredel. Seitdem laufe sie anders durch ihre Heimatgemeinde. Sie sehe nicht nur Gebäude, sondern auch gleichzeitig deren Geschichte, etwa beim Haus, in dem früher die Post war. «Über das Grundstück, auf dem heute unser Haus steht, sind vor einigen Jahrzehnten noch Kühe gelaufen, das ist heute unvorstellbar.» Bredels Arbeit, die mit der Note 5,5 benotet wurde, trägt den Begriff «Oral History» im Titel, das heisst erzählte Geschichte. «Bei <Oral History> lässt man Zeitzeugen eher frei reden, anstatt sie zu interviewen.» Die Zeitzeugen hat sie sich passend zu den Themen gesucht, die in den schriftlichen Quellen am häufigsten Erwähnung fanden; zur Geschichte der Post etwa, der Schule oder der politischen Entwicklung. Dazu liess sie unter anderem den ehemaligen Gemeindeammann Martin Giger oder ihren ehemaligen Lehrer Ewald Iseli sprechen. «Überrascht hat mich die Freundlichkeit der Zeitzeugen und ihre Mitteilsamkeit», sagt Bredel.

Wilen, ein Schlafdorf

Als Gedankenanstösse habe sie doch einige Fragen vorbereitet, die meisten Personen hätten aber problemlos draufloserzählt. Einer der Zeitzeugen, der ehemalige Pöstler Alois Wiesli, der schon 80 Jahre in Wilen lebt, beobachtet manche Entwicklung kritisch, so sei Wilen etwa zum Schlafdorf verkommen. Damit meint er, dass die Menschen dort wohnen, ihr Sozial- und Arbeitsleben aber woanders stattfindet. Auch Katharina Bredel wohnt seit ihrer Geburt in Wilen: «Ja, das stimmt vielleicht schon, je mehr Einwohner Wilen hat, desto grösser ist auch die Anonymität geworden, doch auch ich bin auf die Nähe zu Wil angewiesen, und gleichzeitig benötigt eine Gemeinde wie Wilen eben auch Wachstum.»

Bei der Erforschung der Geschichte hat ihr eine Dorfchronik von Gottfried Peter geholfen. Diese hat es aber zugleich auch schwierig gemacht: «Peter starb und hinterliess die Chronik unfertig.» In ihrem Studium will Bredel zukünftig fremde Kulturen statt die Geschichte von Gemeinden erforschen. Bredel hat sich dazu entschieden, nach der Kanti ein Ethnologiestudium aufzunehmen.

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