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FRUCHT: Grosses vor mit Mini-Kiwi

Schon länger wird mit Mini-Kiwis experimentiert. Dank des Projekts Regionale Entwicklung will eine neugegründete IG im Thurgau nun richtig loslegen mit der Förderung und Vermarktung der exotischen Frucht.
Ruth Bossert
Mini-Kiwi der Sorte «Ambrosia Grande». (Bilder: Ruth Bossert)

Mini-Kiwi der Sorte «Ambrosia Grande». (Bilder: Ruth Bossert)

Ruth Bossert

thurgau@thurgauerzeitung.ch

Mini-Kiwis sind zwei bis vier Zentimeter grosse Kiwibeeren, die unter der Schale stark der herkömmlichen Kiwi ähneln. Seit einiger Zeit wachsen Mini-Kiwis auf bäuerlichen Familienbetrieben entlang des Bodensees. Auch wenn sich die Anzahl der Produzenten in den vergangenen Jahren auf ungefähr 20 erhöht hat, und im Durchschnitt der vergangenen Jahre ungefähr 23 Tonnen der süssen Früchte geerntet wurden, ist die Frucht noch nicht allen Schweizer Konsumentinnen und Konsumenten bekannt.

Das will eine neugegründete Interessengemeinschaft (IG) ändern. Ihre Zielsetzung: Die Wirtschaftlichkeit fördern, die Wertschöpfung in der Region behalten und den ökologischen und ökonomischen Anbau und die Vermarktung fördern und koordinieren.

Allen voran die beiden Mini-Kiwi-Produzenten Urs Wehrle und Andreas Eberle sowie Florian Sandrini von der Landi Hüttwilen und Umgebung. Sie sind vom Potenzial der süssen Frucht überzeugt. Zum einen belebe sie mit ihrem hohen Vitamin-C-Gehalt, dem intensiven Aroma und dem praktischen von-der-Hand-in-den-Mund-Essen den Beerenkonsum am Ende der Saison. Zum anderen sei die Kultur für die Produzenten zwar arbeitsintensiv, doch fallen die meisten Arbeitsschritte auf den Betrieben an und damit bleibt die Wertschöpfung in der Landwirtschaft, was die Kultur für die Produzenten interessant macht.

Transparenz als wichtiger Pfeiler

Die Mini-Kiwi-Produzenten um Initiant Urs Wehrle und die Landi Hüttwilen gründeten im Rahmen des Projekts Regionale Entwicklung (PRE) den Verein IG Mini-Kiwi. Man wollte sich damit verbindlich vereinen und führte gemeinsam eine Solidarhaftung in Bezug auf Nachernteverluste verzehrfertiger Früchte ein. «Risiken hat man immer», sagt Urs Wehrle, der das Amt des Präsidenten bekleidet. Deshalb setze man auf Transparenz und übernehme die Produktrisiken von der Ernte bis zum Verkauf solidarisch. «Durch das gemeinsam getragene Risiko bieten wir allen Produzenten gleiche und gerechte Voraussetzungen», sagt Wehrle.

«Die IG Mini-Kiwi organisiert auch Sortenversuche und Diskussionplattformen für die Produzenten, damit alle ihr Wissen austauschen und Fragestellungen aus unterschiedlichen Blickwinkeln betrachten können», ergänzt Sandrini. Er war früher als Berater für Beerenbau beim BBZ Arenenberg tätig. In dieser Funktion begleitete er das PRE Mini-Kiwi zuerst als Berater, bevor er zum Vermarkter der Mini-Kiwi wechselte, wo er das Projekt weiter forciert. Die Anforderungen waren hoch und die Arbeit intensiv. «Nach den ersten Vorabklärungen mussten wir uns einig werden, wohin der Weg führen soll», sagt Wehrle und schildert die verschiedenen Etappen, die man in den vergangenen vier Jahren gemeinsam zu meistern hatte. Als zentral erachten die Produzenten ein Aufbereitungs- und Vermarktungszentrum. «Es nützt uns nichts, hervorragende Früchte zu produzieren, wenn die Lagerung, die Konfektionierung und die Vermarktung nicht optimal funktionieren», sagt Andreas Eberle. Zudem strebe man eine Zusammenarbeit mit Thurgau Tourismus an, um die exotische Frucht und damit die Landwirtschaft bei der Bevölkerung erlebbar zu machen und mit Emotionen zu besetzen.

Bund und Kanton unterstützen das Projekt

Die Freude war gross, als die IG vor ein paar Monaten den positiven Entscheid des Bundes erhalten hat. Bund und Kanton anerkennen das eingereichte Projekt der IG als erstes PRE im Kanton und beteiligen sich mit einem Beitrag von 24 Prozent an den budgetierten Gesamtkosten von 760 000 Franken. Sämtliche Bewilligungen seitens der Behörden wurden erteilt und die Umsetzung läuft nun auf verschiedenen Ebenen. Urs Wehrle baut in Freidorf ein Aufbereitungszentrum, in das die Mini-Kiwi nach der Ernte für die Vermarktung an den Handel vorbereitet wird. Denn: Ohne professionelle Aufbereitung sei es unmöglich, Mini-Kiwis in einwandfreier Qualität für den Markt aufzubereiten. Die Früchte werden im festen Zustand geerntet, konfektioniert und können dann zwischen null und zwei Grad, bis zu sechs Wochen gelagert werden. Dies wiederum ermöglicht, den Verkauf während drei bis vier Monate. Wehrle ist überzeugt, dass auf die neue Saison hin die Räumlichkeiten zur Verfügung stehen.

Apfelweg mit Mini-Kiwis ergänzen

Bei Andreas Eberle in Altnau am Bodensee soll neu ein regionales Vermarktungszentrum der IG Mini-Kiwi in die betriebseigene Infrastruktur eines Neubaus mit Hofladen integriert werden. Der Bau ist bereits in vollem Gang. Der Betrieb liegt am Altnauer Apfelweg. Für die IG bietet es sich daher an, am gleichen Standort eine Mini-Kiwi-Erlebniswelt zu schaffen. Damit ermöglicht man für das interessierte Publikum einen einfachen Zugang zur Frucht.

Für eine erfolgreiche Umsetzung darf man auf Moni Brauchle, Tourismusverantwortliche in Altnau, zählen. So plant Eberle auch, mit Betriebsführungen den späteren Konsumentinnen und Konsumenten die fremdländische Frucht näherzubringen. Zudem sei es wichtig, national wie auch international mit Produzenten von Mini-Kiwis den Austausch zu pflegen, um gegenseitig von den Erfahrungen zu profitieren. «Wir haben viele Trümpfe in der Hand», sagt Sandrini. «Packen wir’s an und sorgen wir dafür, dass wir wettbewerbsfähig bleiben und die Wertschöpfung in der Region bleibt.»

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