Frodo und die feschen Fräulein

Ein bisschen Mittelerde will sie im Mittelthurgau schaffen: Romy Rohner hat ihre Kuhstallbar im Stil des Films «Herr der Ringe» geschmückt. Gandalf, Gollum und Frodo sind den Gästen aber egal. Für Atmosphäre sorgen die Bardamen im Négligé. Eine Reportage von Marc Engelhard.

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Sie sind nicht zugeknöpft wie Elben: Die Bardamen der Kuhstallbar schenken den Gästen die Getränke im Négligé aus. (Bild: Stefan Beusch)

Sie sind nicht zugeknöpft wie Elben: Die Bardamen der Kuhstallbar schenken den Gästen die Getränke im Négligé aus. (Bild: Stefan Beusch)

MÄRWIL. Bruno gibt an der Bar noch eine Runde aus, Marco kippt ein grosses Bier, und Monika würfelt mit Renato, Pius und Nöggi um die Wette. Alle sind bestens gelaunt in der Kuhstallbar, bis auf den finsteren Sauron. Der durchbohrt die Gäste von einem Plakat aus mit seinem brennenden Auge. Herr der Ringe ist das Thema, nach dem Romy Rohner ihre Bar in Märwil dekoriert hat.

So hängen überall an den Wänden der Kuhstallbar Filmplakate – mal mit dem weisen Gandalf, mal mit dem weinerlichen Frodo. Neben dem Hobbit hängt ein roter Dämon mit Hörnern, gegenüber von Sauron versteckt sich ein Werwolf hinter Spinnweben. Von der Decke schimmert goldige Alufolie, die Wände sind rot eingefasst. Hinter der Bar hetzt Romy Rohner mit Kollegin Nina Ferraro hin und her, schenkt Getränk um Getränk aus. Nicht etwa im anmutigen Elbenkostüm, sondern im Négligé.

Lea Steinbacher und Melanie Fuchs finden komisch, dass die Bardamen nicht verkleidet, sondern eher entkleidet sind. Die beiden brünetten Frauen sind von Bettwiesen hergefahren, weil ihre Freundin bald hier arbeiten wird. Eigentlich müsste doch ein Kostüm über den Körper. «Zum Beispiel eins als Gollum.» Da aber die Aufmachung der Bardamen im Rahmen sei, stört es die zwei auch nicht weiter. Für Rohner gehört es dazu, dass ihre Bardamen sich aufreizend anziehen. Heisse Elben eben. Das komme gut an bei den Gästen, die einen Aufpreis zahlen während der Fasnacht.

Spass, Schalk und Schunkeln

Die zwei Frauen aus Bettwiesen kommen eh nicht wegen der Fasnacht. Das sei gar nicht ihr Ding, sagt die 20jährige Melanie Fuchs. Ihre drei Jahre ältere Kollegin Lea erträgt die Narrenzeit, solange niemand mit Konfetti nach ihr wirft. Die Kuhstallbar sei aber gemütlich und die Deko toll. Für die hat sich Rohner ins Zeug gelegt: Einen Tag hat sie mit fünf Kollegen die Bar fasnächtlich eingekleidet. Rohner liebt Fasnacht. Der Spass, der Schalk, das Schunkeln zur Narrenzeit begeistern die 40-Jährige. Die Leute seien einfach gut drauf. Für die Deko verbindet Rohner Fasnacht und Film. Sie guckt, was im Kino gut ankommt, und schmückt ihre Bar dann so. Mal war es Alice im Wunderland, mal Pirates of the Caribbean.

«Kuhstallbar ist Kult»

Jeder Barhocker ist nun besetzt, das Publikum durchmischt. Am Ende der Bar stehen Renato, Pius, Nöggi und Monika um ein Würfelbrett. Renato wirft drei Würfel hinein, Tschigg heisst das Spiel. «Die Kuhstallbar ist Kult», sagt Pius Bartholdi aus Leutenegg. Genauso wie die Würfler ist auch Marco Stammgast der Kuhstallbar. Er sitzt in der Mitte der Bar und unterhält sich mit einem Kollegen. Es geht um grosse Spinnen, eine solche aus Gummi liegt nämlich vor ihnen auf dem Tresen – genauso wie ein Totenschädel und Aschenbecher. Der stämmige Marco hat ein grünes Käppi auf, trägt ein oranges T-Shirt und zieht an einer Zigarette. Es sei gut, dass es die Kuhstallbar gebe im abgelegenen Märwil. Er sei das ganze Jahr über hier. Der Fasnachtszeit kann der Ganterschwiler vor allem etwas abgewinnen: Nun könne er im Übergwändli in die Bar sitzen – und falle nicht auf.

Erst Stammgast, dann Bardame

Dass die Bardamen ihm leicht bekleidet das Bier zapfen, ist Marco nicht wichtig. Sein Bier ist leer, Nina Ferraro bringt ihm ein neues. Es mache ihr nichts aus, im Négligé die Gäste zu bedienen, sagt die 31-Jährige. Solange sie sich wohl fühle. Seit sieben Jahren arbeitet sie hier, davor war die Märwilerin Stammgast der Kuhstallbar. Fünf Frauen arbeiten insgesamt hinter der Bar: Romy, Nina, Wycki und zwei Vanessas.

Dass ein Gast die freizügigen Bardamen begrabsche, komme fast nie vor. Höchst selten vergreife sich einer, meist im Suff, sagt Rohner. Dann reiche es aber, den Übeltäter zurechtzuweisen. Rohner ist stolz auf die heitere Stimmung in ihrer Bar. Sie braucht keinen Türsteher, es hat noch nie eine Schlägerei gegeben, und die Stammgäste vertragen sich bestens mit neuen Kunden. Junge und alte Menschen feiern in der Kuhstallbar, Männer und Frauen treffen sich hier. «Vom Toggenburg, aus Kreuzlingen oder Frauenfeld kommen die Leute zu uns», erzählt Rohner. Aber auch die Sportler vom Märwiler Turnverein, von der Männerriege und dem Schützenverein freuen sich über die dekorierte Kuhstallbar.

Kein Bock auf nackte Mädchen

Trotz der Négligés und der Pol-Stange in der Mitte der Kuhstallbar, bei einer Sache ist Rohner strikt: Stripperinnen räkeln sich keine in ihrem Lokal. Das könne man das ganze Jahr woanders haben. Nicht aber in ihrer Bar in Märwil, im grünen Auenland des Thurgaus. Wo während sechs Wochen zwar keine Hobbits ein und aus gehen, dafür aber Guggen und angeheiterte Gäste.

Romy Rohner bedient mit Kollegin Vanessa die Gäste hinter der Bar. (BIld: Stefan Beusch)

Romy Rohner bedient mit Kollegin Vanessa die Gäste hinter der Bar. (BIld: Stefan Beusch)

Wundern sich über die Négligés: Lea Steinbacher und Melanie Fuchs. (Bild: Marc Engelhard)

Wundern sich über die Négligés: Lea Steinbacher und Melanie Fuchs. (Bild: Marc Engelhard)

Drei Einsen müssen her: Vier Stammgäste spielen Tschigg an der Bar. (Bild: Marc Engelhard)

Drei Einsen müssen her: Vier Stammgäste spielen Tschigg an der Bar. (Bild: Marc Engelhard)

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