Frist hält Veterinäramt auf Trab

Ab Montag gilt für alle Stallbauten zwingend die neue Bundes-Tierschutzverordnung. Das Ende der fünfjährigen Übergangsfrist bedeutet für das Veterinäramt einen Mehraufwand, ausgelöst durch Gesuche für Ausnahmebewilligungen.

Mathias Frei
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Immer öfters wird das Milchvieh in tierfreundlichen Laufställen (im Bild ein Stall in Märwil) gehalten. (Bild: Donato Caspari)

Immer öfters wird das Milchvieh in tierfreundlichen Laufställen (im Bild ein Stall in Märwil) gehalten. (Bild: Donato Caspari)

FRAUENFELD. Schon seit fünf Jahren ist es bekannt: Die Übergangsfrist für einzelne Vorschriften der neuen Tierschutzverordnung des Bundes läuft am 1.September ab. «Die Verordnung von 2008 trägt den natürlichen Bedürfnissen der Tiere mehr Rechnung», erklärt Kantonstierarzt Paul Witzig. Was also dem Tierwohl zugute kommt, sorgt zugleich beim Veterinäramt kurz vor dem Fristende für viel Mehrarbeit.

Tierhalter kennen Vorschriften

«Wir gehen davon aus, dass alle Tierhalter die Vorschriften kennen», sagt Kantonsveterinär Witzig. Es sei ja auch viel informiert worden in der landwirtschaftlichen Presse. Gleichwohl stelle er fest, dass sich gewisse Tierhalter unwissend geben würden. Zudem werde es noch ein paar wenige geben, die es darauf ankommen liessen, erwischt zu werden.

«Jetzt geben vor allem jene Tierhalter viel zu tun, welche die baulichen Anpassungen nicht bis Fristende umsetzen können», sagt Witzig. Diese Tierhalter können ein Gesuch um eine Ausnahmebewilligung stellen. Wie Witzig sagt, sei die Handhabe bei diesen Gesuchen sehr restriktiv. In jedem Fall finde eine Lagebeurteilung auf dem Betrieb statt. Aufwendig sei in erster Linie, dass die meisten der rund 40 bewilligten Gesuche erst in den letzten Wochen gestellt wurden. Da hätten wohl ein paar Tierhalter noch kalte Füsse bekommen.

Ein paar Unverbesserliche

Ähnlich schätzt Jürg Fatzer, Geschäftsführer des Verbands Thurgauer Landwirtschaft, die Lage ein. Es gebe halt immer noch ein paar wenige, die erst kurz vor Fristende merken würden, dass sie in der Pflicht seien.

Bei den Ausnahmebewilligungen des Veterinäramtes stehen einfache und kostengünstige Lösungen zugunsten der Tiere im Vordergrund. So werde als Kompensation zum Beispiel mehr Auslauf angeordnet, erklärt der Kantonstierarzt. Das sei zwar mit Arbeit für den Tierhalter verbunden, aber im Sinne des Tierwohls absolut vertretbar. In den vergangenen Jahren seien die Kühe durch die Leistungszucht immer grösser geworden. «Deshalb ist es offensichtlich, dass die Tiere heute mehr Platz brauchen», stellt Witzig fest.

Nicht mehr Baugesuche

Mehr Platz ist nicht gleichbedeutend mit einem Aus- oder Neubau. Weniger Tiere auf der gleichen Fläche ist die einfachere Lösung. Für Baubewilligungen ausserhalb der Bauzone ist das Amt für Raumplanung zuständig.

2012 gingen rund 25 Gesuche zu Um- und Neubauten von Laufställen ein, weiss Matthias Gredig, Abteilungsleiter Ortsplanung beim Raumplanungsamt. Zusammen mit den Baugesuchen in der Bauzone sei die Zahl noch einiges höher. Am häufigsten seien dabei Neubauten. Im ersten Halbjahr 2013 bewilligte das Raumplanungsamt bisher ein Dutzend Gesuche. «Die Zahlen liegen im normalen Rahmen», sagt Gredig. Die auslaufende Übergangsfrist habe also zu keinem merkbaren Mehraufwand geführt. Im übrigen sei die Möglichkeit von Schnellverfahren nicht gegeben.