Frischer Klang nach der Kur

Für einige Monate war die fast 450jährige Glocke «Jesus Maria Hilf» nicht im Turm der Martinskapelle in Oberwangen. Sie erhielt in Bayern einen neuen Henkel. Am Sonntag segnete der Pfarrer nun die aufgefrischte Glocke.

Christoph Heer
Drucken
Teilen
Pfarrer Walter Rieser segnet mit Ministrantin Lara Schafflützel die reparierte «Jesus Maria Hilf»-Glocke in der Martinskapelle. (Bild: Christoph Heer)

Pfarrer Walter Rieser segnet mit Ministrantin Lara Schafflützel die reparierte «Jesus Maria Hilf»-Glocke in der Martinskapelle. (Bild: Christoph Heer)

OBERWANGEN. Stolz stand sie vor dem Altar und verlieh der heimeligen Martinskapelle einen ganz speziellen Glanz: die aus dem Jahre 1568 stammende «Jesus Maria Hilf»-Glocke. Nachdem sie 445 Jahre lang ihrer Arbeit tadellos nachgekommen ist und dem Dorf viele tausend Glockenschläge geschenkt hatte, wurde sie im vergangenen April von ihrem angestammten Platz im Glockenturm in die Reparatur nach Bayern gebracht.

«In Nördlingen reparierten Spezialisten das Tragelement, also den Henkel. Dieser war nach so vielen Jahren eingerissen, und so war es höchste Zeit, dass man die gut 50 Kilogramm schwere Glocke repariert hat, auch um weitere, verheerendere Schäden zu vermeiden», erklärte Hans Jürg Gnehm.

Gnehm ist Sachverständiger für Glocken beim Bund und war beim gestrigen Gottesdienst in Oberwangen anwesend. Auch bei der zweiten, der etwas grösseren Glocke seien ein neues Joch und im Glockenturm neue Tragbalken aus Holz montiert worden, erklärte er weiter.

Die Freude des Pfarrers

Die Martinskapelle thront majestätisch auf einer Anhöhe wunderschön über dem Dorf. Sie liegt am Jakobsweg und ruft mit ihrem Glockenklang zum Gebet, an Hochzeiten und Gottesdiensten. Für Pfarrer Walter Rieser war gestern ein Freudentag. «Kommen wir nicht gerne in die Martinskapelle? An diesem einzigartigen Platz, erhöht und daher etwas näher am Himmel. Für uns ist es ein ganz besonderer Freudentag, denn nun sind beide Glocken wieder da, wo sie hingehören, und erfreuen uns wieder mit ihrem reinen und stimmigen Klang.» Mit ebenso reinem und stimmigem Klang umrahmte das Kinderjodelchörli Tannzapfenland unter der Leitung von Irma Schatt mit Jodelgesang den Gottesdienst samt Segnung der Glocke.

Die Martinskapelle füllte sich bis auf den letzten Platz und mehr. So wurden kurzerhand noch einige Bänke aufgestellt, damit die letzten Ankömmlinge auch sitzen konnten. Für Pfarrer Walter Rieser ein Höhepunkt in seiner 17jährigen Tätigkeit in der Gemeinde. «So viele Leute kamen noch nie, seit ich hier tätig bin. Das freut mich natürlich riesig.»

Kosten werden aufgeteilt

Auch für Caroline Stäbler, die Präsidentin der katholischen Kirchgemeinde, war es ein Freudentag. Sie erklärte beim nachfolgenden Apéro, welcher von der Kirchenvorsteherschaft gesponsert wurde, dass die Reparatur der Glocken etwa 17 000 Franken ausgemacht habe. «Dieser Betrag wird von diversen Gremien, der politischen Gemeinde, der Denkmalpflege und anderen getragen», sagte sie. Wichtig sei, dass die Glocken nun wieder ihren unverkennbaren Klang verbreiteten.