Frischer Fisch aus Fischingen

Als Schuljunge fing Hans Meile aus Zeitvertreib im Bach nahe dem Elternhaus Forellen. Heute betreibt der 67-Jährige eine professionelle Zucht. «Es war immer mein Traum, zwei grosse, betonierte Teiche anzulegen», sagt der Dussnanger.

Ruth Bossert
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Fischzüchter Hans Meile entnimmt dem Brunnen ein Muttertier, um dessen Laich abzustreifen. (Bilder: Ruth Bossert)

Fischzüchter Hans Meile entnimmt dem Brunnen ein Muttertier, um dessen Laich abzustreifen. (Bilder: Ruth Bossert)

DUSSNANG. Die kleinen, rosaroten Fischeier liegen dicht beieinander. Der Wintertag ist kalt, das Quellwasser, das den Brunnen speist, hat weniger als zehn Grad. Die Einrichtung steht auf einer Holzkonstruktion, die zwei Gefässe mit den Lochböden hängen so im Chromstahlbecken, dass das Brunnenwasser den Inhalt umspült und auf der anderen Seite abfliesst.

«Die Forelleneier bleiben so 40 Tage im Wasser», sagt der 67jährige Hans Meile und strahlt. 2000 Eier von seinen Rognern (Weibchen) hat er mit dem Samen der Milchner (Männchen) zusammengebracht und in die Gefässe verteilt. Der Fischzüchter weiss, dass die kalten Temperaturen für Eier und die anschliessende Kinderstube der Fische ideal sind. Noch geht es ein paar Wochen, bis man sieht, ob die Befruchtung geklappt hat. «Wenn man die Augen sieht, ist die halbe Brutzeit vorbei», sagt Meile.

30 Zentimeter, 300 Gramm

Meile erzählt während der Fahrt zu den Fischteichen am Schärlebach, dass er von den 2000 Fischeiern fast ebenso viele kleine Fische nachziehen kann – dies gelinge ihm zu 90 Prozent. In knapp einem Monat müssten die Fischlein dann schlüpfen.

Das Areal am Schärlebach misst zweieinhalb Aren. 1996 hatte Meile die Möglichkeit, dort Landwirtschaftsland für die Zucht zu kaufen. Er schildert die langwierigen Verhandlungen mit Ämtern für Landschafts- und Gewässerschutz. «Es war mein Traum, zwei so grosse betonierte Teiche anzulegen.»

In einem Trog tummeln sich Hunderte von jungen Fischen. In einem anderen Becken warten die grossen Exemplare auf ihre weitere Verwendung. In den betonierten Becken schwimmen derzeit die Herbstjungen, sagt der Fischspezialist. «Diese Forellen sind im Herbst vor einem Jahr geschlüpft und haben bis Ostern das richtige Gewicht zum Verzehr.»

In der Regel seien die Fangfische um 30 Zentimeter lang und 300 Gramm schwer, sagt Meile, nimmt den Feumer zur Hand und taucht ihn ins runde Becken. Zum Vorschein kommen zwei prächtige silbrige Regenbogenforellen mit schwarzen Punkten.

Der Schärlebach – dank guter Wasserqualität ideal für die Speisung der Fischbecken, durch Zu- und Abflussrohre – liefert 200 Liter pro Minute. «Der Bachlauf durfte nicht unterbrochen werden», sagt Meile. Die Ämter hätten das während des Baus kontrolliert. Ebenso den Vogelschutz, damit die Fischreiher keine Fische greifen können. Zudem musste Meile ein Durchfahrtsrecht beantragen und das Elektrische zuführen. So habe ihn die Fischzucht eine stattliche Summe gekostet.

Geräuchte Fische sind beliebt

Einige hundert Meter weiter zeigt Meile seine ersten Fischbecken, nahe seinem ehemaligen Elternhaus. Den Landwirtschaftsbetrieb bewirtschaftet heute sein jüngerer Bruder. Verschiedene kleinere Fischbecken lassen vermuten, wie Meile vor 36 Jahren bescheiden mit der Fischzucht anfing. Hier leben aber auch noch seine vierjährigen Muttertiere, denen er eben in diesen Wochen Laich abstreifte für die Zucht der nächsten Generation.

Meile fischt ein paar von ihnen mit dem Feumer aus dem Wasser und versucht den Laich abzustreifen. Es gelingt mehr schlecht als recht, der Zeitpunkt ist ungünstig und die Eier sind unbrauchbar.

Neben den Becken steht der Räucherofen, den er für seine Forellen braucht. «Die geräuchten Fische lassen sich gut verkaufen», sagt Meile und erklärt, dass die Forellen bei 90 Grad während einer Stunde geräucht werden, nachdem sie drei bis vier Stunden im Salzwasser gelegen haben. Anschliessend werden sie filetiert, verpackt und vakuumiert. Meile verkauft sie an Restaurants, Detailhändler und Private aus der Region.

Schon sein Hobby in der Schule

Während er zu Hause die beiden Forellen mit geübten Handgriffen putzt und filetiert, sagt der einstige Käser, der später an einer Drehmaschine in der Industrie arbeitete, dass er sich mit der Fischzüchterei ein Hobby erfüllt hat. Schon als kleiner Schuljunge habe er mit seinen Brüdern im nahegelegenen Bach von Hand Forellen gefischt.

Heute muss er sich beim Fischen nicht mehr verstecken. Hans Meile darf ganz legal Fische züchten und verkaufen und kann sich damit erst noch ein Zubrot zur Altersrente verdienen.

Meile filetiert eine Forelle aus seiner privaten Zucht.

Meile filetiert eine Forelle aus seiner privaten Zucht.

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