Friedwald-Idee populär wie nie

Nur ein paar Tage nach dem Donnschtig-Jass sah man gestern schon wieder Ermatingen im Fernsehen. Dort besuchte Sabine Dahinden für die Waldserie in «Schweiz aktuell» einen Friedwald. Die Idee stammt aber aus Mammern.

Gudrun Enders
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Urzelle des Friedwalds: Ueli Sauter sitzt in seinem Wäldchen oberhalb von Mammern. Hier steht die Birke für seine eigene letzte Ruhe. (Bild: Gudrun Enders)

Urzelle des Friedwalds: Ueli Sauter sitzt in seinem Wäldchen oberhalb von Mammern. Hier steht die Birke für seine eigene letzte Ruhe. (Bild: Gudrun Enders)

MAMMERN. Friedwald-Erfinder Ueli Sauter sitzt auf einer Holzbank. Er blickt auf den Untersee und auf seine Birke. Hier ruht sein Sohn. Der 33-Jährige starb an einem Herzstillstand. Auch Sauter will, dass seine Asche an den Wurzeln des Baumes ausgebracht wird. Ebenso soll Hündin Kiki einmal hier ruhen. Doch zurzeit erfreut sich der zwei Jahre alte Golden Retriever seines Lebens und saust durch den Wald. Auch Sauter beschäftigt sich momentan mit den angenehmen Dingen des Lebens. Er ist gerade 70 Jahre alt geworden und will das gebührend feiern. Deshalb klingelt an diesem Vormittag sein Handy, Madame Etoile sagt ihr Kommen zu.

Der letzte Wille eines Hellsehers

Ueli Sauter hat in seinem Leben vor der Friedwald-Erfindung zunächst ein Ingenieurbüro geführt und danach 20 Jahre lang Kurse für Astrologie, Parapsychologie und Heilen organisiert. Damals wurde der Keim – ganz unbemerkt – für den Friedwald gelegt. Denn ein Freund, ein englischer Hellseher, wünschte sich, dass seine Asche in der Nähe von Sauters Akademie verstreut werden sollte. Was dem Hellseher vermutlich verborgen geblieben war: Die Bürokratie widersetzte sich seinem letzten Willen. Deshalb kam Sauter die Idee, Totenbäume auf eine Wiese zu pflanzen. Sauter nannte seine Idee Friedwald und liess sie gleich schützen: «Ich hab's erfunden, die Baumbestattung ist mein Ding.» Doch damit waren die Hürden der Bürokratie längst nicht ausgeräumt. Dazu brauchte es noch Jahre. Inzwischen kann ein Waldbaum als Familiengrab erworben werden, mit Nutzungsrechten auf 99 Jahre zugesichert.

Inzwischen ist der Friedwald populär wie nie: 65 Standorte gibt es in der Schweiz, 14 allein im Thurgau. Sauter beschäftigt mittlerweile einen Förster vollamtlich, eine Sekretärin sowie zwei Leiter in den Aussenstellen in Aarau und im Welschland. Und dann hat er sein Konzept nach Deutschland verkauft, ist mit seiner Lizenz noch pro Baum beteiligt. In Deutschland ist die Idee derart gefragt, dass sich 50 Angestellte und über 100 Förster um die Kunden kümmern.

Verein braucht es nicht mehr

Der Friedwald hat es geschafft. Deshalb braucht es den Verein für Naturbestattung und Friedwald nicht mehr als zusätzliche Unterstützung. Längst stimmte die Generalversammlung der Auflösung zu. «Das ging problemlos», sagt Sauter. Die Liquidation ist nun seit wenigen Tagen auch amtlich.

500 Mitglieder hatte der Verein. «Ihre Privilegien bleiben erhalten», sagt Sauter. Die ehemaligen Mitglieder werden gratis bestattet – entweder an ihrem Baum oder an einem Vereinsbaum. In einem Friedwald, versteht sich.