Friede, Freude, Gemüsebeet

Die Stadt und der Verein «Offenes Gärtnern in Frauenfeld» haben sich doch noch gefunden. Das unbewilligt erstellte Hochbeet am Kanalweg ist weg. Dafür gibt es nun Salat aus dem Burstelpark.

Mathias Frei
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Begiessen das erste Hochbeet im Burstelpark: Fiona Käppeli (Verein OGiF), Stadtrat Urs Müller und Werkhofchef Markus Graf. (Bild: Mathias Frei)

Begiessen das erste Hochbeet im Burstelpark: Fiona Käppeli (Verein OGiF), Stadtrat Urs Müller und Werkhofchef Markus Graf. (Bild: Mathias Frei)

Mathias Frei

mathias.frei@thurgauerzeitung.ch

Am Anfang gab es leichte atmosphärische Störungen. Im Mittelpunkt stand ein ohne Bewilligung auf öffentlichem Grund erstelltes Gemüse-Hochbeet am Kanalweg. Mittlerweile hat sich alles zum Guten gewendet. Am ­Samstag sind im Burstelpark vier Hochbeete eingeweiht worden. Vier weitere Standorte in Frauenfeld sollen kommenden Frühling folgen. Jetzt ist alles gut zwischen den Gärtnerinnen und Gärtnern des Vereins «Offenes Gärtnern in Frauenfeld» (OGiF) und dem Stadtrat.

Mitarbeiter des Beschäftigungsprogramms vom Werkhof bauten die Hochbeete aus ein­fachen Holzpalettrahmen. Die Stadtgärtnerei lieferte die Erde. Der Verein OGiF hat angesät und gesetzt, von mediterranen Kräutern über Zwiebeln bis zu Winterblumenkohl und Wintersalaten. Ab März werde man Salat ernten können, ab Mai gebe es Blumenkohl, sagt Fiona Käppeli. Sie ist OGiF-Kassierin und hat im ­Verein den Bereich des urbanen Gärtnerns mitinitiiert. «Es darf gepflückt werden, gratis», ist auf einem Schild zu lesen. Und daneben ist das Ampelsystem erklärt. Eine grüne Tafel bedeutet Erntezeit. Orange: Bald kann geerntet werden. Die Farbe Rot meint: Die Pflanze braucht noch Zeit.

Drei Patinnen für den Burstelpark

Jetzt ist alles offiziell. Der Verein und die Stadt haben sich gefunden. Wie Werkhofchef Markus Graf erklärt, gibt es auf dem Stadtgebiet eine Vielzahl von kleinen Restparzellen. Aufgrund von Vorschlägen seitens OGiF schlug die Stadt neun geeignete Standorte vor. Bei der Auswahl schaute man auf einen Wasserzugang und eine verhältnismässig zentrale Lage. «Anfangen wollen wir mit maximal fünf Plätzen», sagt Fiona Käppeli. Nebst den Beeten im Burstelpark, die von drei Vereinsmitgliedern betreut werden, sind schon weitere Standorte definiert, unter anderem im Bereich der Schlossmühlestrasse und beim Kappelerspielplatz. Für Stadtrat Urs Müller, Departementsvorsteher Bau und Verkehr, ist wichtig, dass das urbane Gärtnern im öffentlichen Raum einen offiziellen Rahmen hat. Er findet die Idee gut, dass die Hochbeete von Patinnen und Paten betreut werden. Zudem wurde für jeden Standort ein kleiner Vertrag erstellt. Der Verein zahlt ein einmaliges Depot sowie jährlich für die Gebrauchsleihe 20 Franken pro Beet.

Käppeli freut sich ausserordentlich über die gute und unbürokratische Zusammenarbeit mit der Stadt. «Alles ging so schnell, und alle beteiligten Stellen waren sehr hilfsbereit.» Werkhofchef Graf meint dazu schmunzelnd: «Und wenn ihr mehr Standorte braucht, kauft die Stadt vielleicht noch Land dazu.»

Urbanes Gärtnern in Frauenfeld wurde vergangenes Jahr zum Thema, als OGiF-Mitglied Judith Degen ohne Bewilligung ein Hochbeet am Kanalweg erstellte. Das sorgte für leichten Unmut bei der Stadt. Alt Gemeinderat Peter Wildberger von den Grünen brachte die Thematik mit einer Einfachen Anfrage dann aufs politische Parkett. Degens Hochbeet ist mittlerweile wieder abgebaut. Und statt nur an einem Ort wächst ab nächstem Jahr an fünf Standorten Gemüse.