Freiwillig heisst unentgeltlich

Das Freiwilligenzentrum Benevol distanziert sich von bezahlter Freiwilligenarbeit. Die Leiterin der Dachorganisation warnt vor den Folgen.

Kurt Peter
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WEINFELDEN. Spass, Freude, Wissen und Erfahrung einbringen, anderen Menschen helfen – dies sind die Beweggründe für freiwilliges Engagement, wie Benevol-Schweiz-Geschäftsführerin Elsbeth Fischer anlässlich des Partnerforums im katholischen Pfarreizentrum erläuterte. Eine Studie zeige nicht nur auf, was die Gründe für freiwillige Arbeit seien, sondern auch, was engagierte Menschen in diesem Bereich abschrecke. «Sie wollen nicht übermässig viel Zeit einsetzen und nicht immer mehr aufgebürdet bekommen. Diese beiden Ursachen sind die Hauptgründe dafür, dass Freiwillige aussteigen», erklärte Fischer.

Nicht selber Spesen zahlen

Aber auch so genannte Handlangerdienste seien unbeliebt. «Und was gar nicht geht ist, wenn Freiwillige in das eigene Portemonnaie greifen und Spesen selber bezahlen müssen.»

Deshalb riet Elsbeth Fischer den Organisationen, ein Spesenreglement zu erarbeiten, das für alle Freiwillige gelte. Mehr aber auch nicht: «Freiwillige Arbeit ist unentgeltliches Engagement.» So laute die Haltung von Benevol. Bezahlung oder Teilbezahlung von Freiwilligen ziehe einige Konsequenzen nach sich. Dadurch werde das Ehrenamt erstens zur Konkurrenz des ersten Arbeitsmarktes und zweitens müssten Steuererklärungen ausgefüllt sowie Sozial- und Unfallversicherungen bezahlt werden.

Es gebe auch ethische Fragen im Zusammenhang mit Bezahlung. «Mache ich minderwertige Arbeit?» sei eine Problemstellung, meinte Elsbeth Fischer.

Und es gebe die nicht erwünschte Tatsache, dass Leute beschäftigt würden, die eigentlich eine gut bezahlte Arbeit für ihren Lebensunterhalt brauchten. Die Benevol-Präsidentin sah auch die Qualität der Freiwilligenarbeit in Gefahr: «Es kann sein, dass durch Bezahlung Freiwillige mit anderer Motivation angezogen werden.» Denn ein wichtiges Anliegen der typischen Freiwilligen sei die Freude an der Arbeit, Bezahlung werde vielfach als Abwertung ausgelegt.

Textbausteine für Beurteilung

Am Partnerforum wurde auch der Dossier-Generator vorgestellt. Dieser dient dazu, den Freiwilligen eine klare und nicht zu ausführliche Beurteilung ihres Einsatzes abgeben zu können. «Ein solcher Nachweis hat den Charakter eines Empfehlungsschreibens», erklärte Fischer. Um den Organisationen, Vereinen und Betrieben eine möglichst einfache Handhabe zu bieten, wurden Textbausteine erarbeitet, die der Dossier-Generator im Internet anbietet.

Fischer empfahl, den Nachweis «von einem möglichst hohen Mitglied der Geschäftsleitung oder vom Vereinspräsidenten» unterschreiben zu lassen. So habe er mehr Gewicht.