Freispruch, weil Täuschung nicht bewiesen ist

FRAUENFELD. Ein Ehepaar soll eine Frau dazu gebracht haben, einen Vertrag zu unterzeichnen, in dem sie sich verpflichtet, dem Ehepaar 530 000 Franken zu bezahlen.

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FRAUENFELD. Ein Ehepaar soll eine Frau dazu gebracht haben, einen Vertrag zu unterzeichnen, in dem sie sich verpflichtet, dem Ehepaar 530 000 Franken zu bezahlen. Mit diesem Geld sollte das Ehepaar für sie von einem auf Sardinien gelegenen Grundstück sieben Hektaren erwerben, heisst es in einer gestern veröffentlichten Mitteilung des Thurgauer Obergerichts.

Mit verschiedenen Handlungen hätten die Angeklagten zuvor das Vertrauen der Geschädigten erworben. Die Ehefrau habe sich mehrfach mit ihr getroffen, sich von der Geschädigten ein Darlehen über 20 000 Franken geben lassen und dieses hernach rechtzeitig zurückbezahlt. Ferner habe das Ehepaar ihr versprochen, 150 000 Franken würden an den Kaufpreis angerechnet; diesen Betrag hatte die Geschädigte den Angeklagten in einem anderen Zusammenhang zu einem früheren Zeitpunkt gegeben und nie zurückerhalten. Schliesslich habe das Ehepaar der Geschädigten einen Kontakt zu einer Familie vermittelt, die über die Angeklagten vorgängig Land auf Sardinien erworben habe. Neben dem zu verrechnenden Betrag von 150 000 Franken überwies die Frau dem Ehepaar 380 000 Franken.

Im Zweifel für den Angeklagten

Wegen Betrugs verurteilte das Bezirksgericht Kreuzlingen die Ehefrau zu einer bedingten Freiheitsstrafe von zwölf Monaten und den Ehemann zu 18 Monaten bedingt. Das Obergericht bezweifelt hingegen, ob die Angeklagten tatsächlich bei Vertragsschluss schon die Absicht hatten, den Vertrag nicht zu erfüllen. Hauptzweck des Vertrags sei nicht der Erwerb eines Grundstücks in Sardinien für die Geldgeberin gewesen. Vielmehr hätte das Grundstück überbaut und die Häuser mit Gewinn verkauft werden sollen. Es sei gerichtsnotorisch, dass es bei solchen Projekten zu Verzögerungen und Streitigkeiten komme. Daher entstünden fast zwangsläufig Differenzen zwischen den Vertragsparteien, ohne dass der einen Seite eine Täuschungsabsicht unterstellt werden könne. Deshalb sprach das Obergericht das Ehepaar gemäss dem Grundsatz «im Zweifel für den Angeklagten» vom Vorwurf des Betrugs frei. (red.)