Freiheit für den Bach

Turmspatz

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«Was treiben die da?», fragt mich der Steckborner Turmspatz, als wir über dem Geisslibach kreisen. «Etwas Politisches», tschilpe ich, zwischen den Anwesenden habe ich den Gemeindepräsidenten von Basadingen-Schlattingen entdeckt. Ein Mann von auswärts erklärt den Einheimischen, dass der Bach früher einmal in weiten Kurven durchs Land mäandert sei.

«Damals war der Boden sumpfig», brummt ein Bauer, der an einem Zigarillo herumkaut, «die Ernte war mittelmässig, und die grossen Familien hatten wenig zu lachen.» «Eine harte Zeit, da stimme ich Ihnen zu», sagt der Experte. «Heute ist der Boden fruchtbarer und wird bewässert, so können wir dem Bach gut etwas zurückgeben.» «Und», ergänzt der Gemeindepräsident, «das ganze Pilotprojekt wird zu 80 Prozent von Bund und Kanton bezahlt.» «Sind unsere zwanzig Prozent nicht etwas viel für das bisschen Wasser?», fragt eine Frau.

«Sie vergessen die Pflanzen.» Der Experte zeigt hinüber ins Naturschutzgebiet Sürch. «So üppig könnte das hier mal aussehen.» «Wollen wir das?», mault ein pensionierter Beamter, der für seinen gepflegten Rasen bekannt ist. «Natur ist doch bloss Unordnung.» «Aber ein idealer Lebensraum für den Biber», sagt der Gemeindepräsident. «Und wir Bauern werden von den Nagern verdrängt», brummt der Zigarillopaffer, «was macht ihr, wenn der Biber in euren Gärten die Bäume umlegt?» «Bleiben wir sachlich.» Der Experte wischt sich den Schweiss von der Stirn. „Wir geben der Natur bloss, was wir ihr vor Jahren genommen haben.» «Von mir aus kann man gut zurück zur alten Zeit», sagt eine Frau. «Nur den Storch will ich nicht mehr sehen im Dorf, auf die Jahre mit unzähligen hungrigen Kindern am Rockzipfel kann ich gut verzichten.»

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