Freie Hebammen streiten um Lohn

Die freiberuflichen Hebammen im Thurgau werden ohne Tarifvertrag ins 2013 starten. Sie stören sich an den aktuell gültigen Tarifen, die 16 Jahre alt sind. Deshalb muss der Regierungsrat die Hebammen-Tarife festlegen.

Mathias Frei
Drucken
Teilen

FRAUENFELD. Die Tarifverhandlungen zwischen der Ostschweizer Sektion des Hebammenverbands und Tarifsuisse als grösstem Verhandlungspartner der Schweizer Kranken-Grundversicherer ist gescheitert. «Es ist nur noch eine Formsache», sagt Madeleine Grüninger, Präsidentin der Ostschweizer Sektion des Hebammenverbands. Von Tarifsuisse wird dies bestätigt. Der Hebammenverband werde voraussichtlich Anfang 2013 ein Tariffestsetzungsverfahren (siehe Kasten) beim Regierungsrat beantragen, erklärt Grüninger. Dieser entscheidet dann, ob die zur Zeit gültigen Tarife aus dem Jahr 1996 angepasst werden.

Teuerung als Teil der Tarife

Der zuständige Regierungsrat Bernhard Koch vom Departement für Finanzen und Soziales hatte den 47 freiberuflichen Hebammen im Thurgau vergangenen Mittwoch im Grossen Rat Hoffnung gemacht. In der Diskussion einer Interpellation zur «Sicherstellung der ambulanten Grundversorgung bei Neugeborenen und Müttern» von Edith Wohlfender (SP, Kreuzlingen) waren die Lohnunterschiede zwischen freien Hebammen und Pflegefachfrauen ein Thema. Der Regierungsrat sei überzeugt, dass die Tarife zu tief seien, hatte Koch damals erklärt. Nun bestätigt er auf Anfrage: «Bei einer gewissen Teuerung muss man sich schon Gedanken über die Tarife machen.» Diese neue Tarifsetzung könne aber nicht aus der Luft heraus geschehen. Der Hebammenverband müsse stichhaltig belegen, wieso eine Tariferhöhung notwendig sei. Und schliesslich habe auch der Preisüberwacher ein Wort mitzureden.

Für die Ostschweizer Hebammenverbandspräsidentin Grüninger ist klar, dass der aktuell gültige Taxpunktwert von 1,10 Franken aus dem Jahr 1996 auf 1,32 Franken hochgerechnet werden müsste. Hebammen würden so pro Wochenbett-Konsultation (nicht pro Stunde) statt 86 neu 103 Franken verdienen.

Spätestens mit der Anpassung der Spitallöhne seien auch die Löhne der freischaffenden Hebammen ein Thema geworden, sagt Grüninger. Weil freie Pflegefachfrauen über die neue Pflegefinanzierung abgegolten würden, seien sie gegenüber den Hebammen lohnmässig bessergestellt. Grüninger rechnet vor, dass eine Hebamme heute trotz Materialpauschale und Kilometerentschädigung für fünf durchschnittliche Konsultationen nur 488 Franken verdient, im Gegensatz zu den über 650 Franken der Pflegefachfrau, welche von der Restfinanzierung profitiert.

Hebammen «unproduktiv»

Von Tarifsuisse heisst es, man sei nicht der Meinung, dass die Tarife zu tief seien. Wenn bei Vergleichen zwischen Hebammen und Pflegefachfrauen Gleiches mit Gleichem vergolten werde, sei die Entgeltung bei Hebammen höher. So erhielten diese eine Fahrkostenentschädigung, welche freischaffende Pflegefachfrauen nicht separat abrechnen könnten. Der Tarif von 1996 sei damals sehr gut gewesen. Zudem bemängelt Tarifsuisse auch die Auslastung der Hebammen als zu tief.

Aktuelle Nachrichten