FRAUENFELD/LAUSANNE: Thurgauer muss wegen Vergewaltigung fünf Jahre ins Gefängnis

Ein 35-jähriger Mann war im Januar 2016 vom Thurgauer Obergericht – im Gegensatz zur Vorinstanz – wegen Vergewaltigung verurteilt worden. Das Bundesgericht hat nun die Beschwerde des Mannes abgewiesen und den Schuldspruch sowie das Strafmass von fünf Jahren bestätigt.

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Vom Bezirksgericht wurde der 35-jährige Angeklagte noch freigesprochen. Nun verurteilte ihn das Bundesgericht in Lausanne als letzte Instanz. (Bild: Keystone)

Vom Bezirksgericht wurde der 35-jährige Angeklagte noch freigesprochen. Nun verurteilte ihn das Bundesgericht in Lausanne als letzte Instanz. (Bild: Keystone)

Der Angeklagte hatte das Handy seiner Freundin kontrolliert und dabei eine ihm unbekannte Nummer entdeckt. Er stellte sie zur Rede, zerstörte das Handy und schloss sich mit ihr zusammen in der Küche ein. Er schlug sie, hielt ihr ein Küchenmesser an den Hals und drohte, sie umzubringen, wenn sie nicht sage, wem die Nummer gehöre, wie das Obergericht in seiner Mitteilung weiter schreibt. Die Frau erlitt eine Gehirnerschütterung und einen Kieferbruch.

Nachdem der Angeklagte die Küchentüre nach mehreren Stunden wieder aufgeschlossen hatte, kam es − so die Staatsanwaltschaft − im Gang gegen den Willen der Freundin zum Geschlechtsverkehr. Zudem war der Mann wegen weiterer Drohungen, Körperverletzungen und Vermögensdelikten angeklagt.

Das Bezirksgericht Kreuzlingen hielt den Tatbestand der Vergewaltigung «im Zweifel für den Angeklagten» für nicht erwiesen und sprach ihn von diesem Vorwurf frei. Das Obergericht gelangte hingegen zur Auffassung, aufgrund der unmittelbar vorangegangenen mehrstündigen Auseinandersetzung in der Küche habe der Angeklagte nicht damit rechnen dürfen, seine Freundin sei mit dem Geschlechtsverkehr einverstanden.
Deshalb verurteilte das Obergericht den Angeklagten nicht nur wegen Freiheitsberaubung, Drohung und einfacher Körperverletzung, sondern auch wegen Vergewaltigung und erhöhte die Freiheitsstrafe von dreieinhalb auf fünf Jahre. Zusätzlich sprach das Gericht eine unbedingte Geldstrafe von 210 Tagessätzen à 100 Franken aus. Der Angeklagte gelangte an das Bundesgericht und beharrte auf einem Freispruch vom Vorwurf der Vergewaltigung, Freiheitsberaubung und Drohung zum Nachteil der Freundin. (Urteil 6B–591/2016 vom 21.12. 2016) (SDA-ATS/gn/ka)