Frauenfelder Gemeinderat und «Linde»-Wirt prügeln sich

FRAUENFELD. In Frauenfeld ist es zu einem Schlagabtausch gekommen. Darin verwickelt ist Gemeinderat Fredi Marty. Er sagt, er sei Opfer. Kein Täter.

Inge Staub
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Geschlossen: Restaurant Linde in Frauenfeld. Vor dem Lokal hat sich eine Prügelei zugetragen. (Bild: Donato Caspari)

Geschlossen: Restaurant Linde in Frauenfeld. Vor dem Lokal hat sich eine Prügelei zugetragen. (Bild: Donato Caspari)

Die Szene, die sich kürzlich in Frauenfeld abspielte, kennt man vor allem aus Darbietungen von Laientheatern oder dem TV-Schwank «Hannes und der Bürgermeister». Statt eines Bürgermeisters gerät ein Frauenfelder Gemeinderat in eine mysteriöse Lage. Es handelt sich dabei um Fredi Marty, der für die Gruppe «Menschen für Frauenfeld» einen Sitz im Stadtparlament erobert hatte und die Lohn-Initiative «200 000 Franken sind genug» mit auf den Weg gebracht hat.

Gemeinderat Fredi Marty. (Bild: pd)

Gemeinderat Fredi Marty. (Bild: pd)


An der Bar eingeschlafen

Nach Angaben von Fredi Marty hat sich am 15. März folgendes zugetragen: Marty nimmt an einer Beerdigung teil und kehrt anschliessend in seiner Stammkneipe, dem Restaurant Linde, ein. «Ich gebe zu, dass ich am späten Nachmittag einen über den Durst getrunken habe», sagt er. Marty schläft an der Bar ein. «Linde»-Wirt Hansruedi Honegger weckt ihn und will ihn wegschicken.

Der «groben» Aufforderung des Wirtes sei er gefolgt und habe das Restaurant ohne Widerstand verlassen. Er habe Honegger weder beleidigt noch beschimpft. Der Wirt sei ihm gefolgt. Auf dem Vorplatz der «Linde» sei es dann zu einer Rangelei gekommen. «Dabei traf mich Honeggers Faust im Gesicht. Wegen der aufgeplatzten Lippe musste ich eine Ärztin aufsuchen.» Honegger sei ins Lokal zurückkehrt, dabei habe er gedroht: «Dich werde ich fertigmachen.» Diese Aussage habe ihm so zugesetzt, dass er, nachdem er schon zu Hause gewesen sei, eine Stunde später die «Linde» nochmals gemeinsam mit seiner Frau aufgesucht habe. «Ich war doch dort seit neun Jahren Stammgast. Ich wollte den Streit schlichten, Honegger und ich waren doch so was wie Freunde.»

Wie Marty sagt, war sein Versöhnungsversuch erfolglos. Honegger habe gedroht, ihn anzuzeigen. Daraufhin rief der Gemeinderat die Polizei. Ernst Vogelsanger vom Mediendienst der Kantonspolizei Thurgau bestätigt, dass an jenem Abend gegen 19.30 Uhr eine Streife der Kantonspolizei zu einem Restaurant in Frauenfeld ausgerückt sei. «Die Polizei war wegen einer Auseinandersetzung gerufen worden», sagt Vogelsanger.

Wirt Hansruedi Honegger war für eine Stellungnahme nicht zu erreichen. Sein derzeitiger Aufenthaltsort ist nicht bekannt. Das Restaurant ist zu. Auf Plakaten teilt er mit, dass das Restaurant ab 17. März geschlossen sei. Die Familie habe es aus gesundheitlichen Gründen an die Thurgauer Kantonalbank verkauft.

«Marty hat mich verprügelt»

Pech für Fredi Marty: Zwei Tage bevor das Lokal dichtmacht, gerät er mit dem Wirt aneinander. Dieser schildert gegenüber den «Thurgauer Nachrichten» die Geschichte anders. «Marty hat mich verprügelt», wird er in der Gratis-Wochenzeitung zitiert. Nachdem er Marty geweckt habe, hätte dieser ihn «wüst beleidigt». Vor dem Haus habe Marty ihn ins Gesicht geschlagen und ihm ein Knie in den Bauch gerammt. Er habe Bauchschmerzen und Rippenschwellungen davongetragen.

Jetzt muss die Polizei klären, wer wen verprügelt hat. Fredi Marty ist die Sache peinlich: «Das schadet mir als Gemeinderat.»

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