FRAUENFELD: Zwischen Park- und Sitzplatz

Die Freie-Strasse-Petition einer Gruppe bürgerlicher Gemeinderäte ist beantwortet. Parkplätze sollen nur geopfert werden, wenn es für das Gewerbe einen Mehrwert gibt, schreibt der Stadtrat in seiner Stellungnahme.

Mathias Frei
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Die Freie Strasse soll ein Teil der heute schon bestehenden Begegnungszone werden. (Bild: Reto Martin)

Die Freie Strasse soll ein Teil der heute schon bestehenden Begegnungszone werden. (Bild: Reto Martin)

Mathias Frei

mathias.frei

@thurgauerzeitung.ch

Diesen Frühling kamen 637 Un­terschriften zusammen. Eine Gruppe bürgerlicher Gemeinderäte um Andreas Elliker (SVP) und Stefan Geiges (CVP) hatte eine Petition lanciert zur Freie Strasse. Ihre Anliegen: Erhalt der Parkplätze, keine Beschränkung der Zufahrt und keine fixen baulichen Installationen. Jetzt liegt die Antwort des Stadtrats vor – und stellt die Petitionäre nicht zufrieden. «Die Stellungnahme des Stadtrats sagt nicht viel aus», moniert Elliker. Sie hätten aber gar nichts anderes erwartet. «Deshalb sind wir von der Antwort des Stadtrats auch nicht enttäuscht.» Der Stadtrat gehe einfach seinen Weg weiter, sagt Elliker.

Der Stadtrat sieht sich laut Petitionsantwort in den Plänen betreffend Innenstadtentwicklung bestätigt. Die Begegnungszone, im Sommer 2016 definitiv eingeführt, habe zu einer Verkehrsberuhigung und Aufwertung geführt. Die Kunden­frequenzen liessen sich halten. Verschiedene Veranstaltungen trugen zur Belebung der Altstadt bei. Anwohner und Gewerbler wünschten deshalb weitere Aufwertungsmassnahmen, etwa für die Freie Strasse. Sie soll Teil der Begegnungszone werden. Ein Planungskredit für eine Umgestaltung der Freie Strasse kam im Budget 2017 durch. Es fanden Umfragen statt, öffentliche Mitwirkung war möglich. Ziel ist es, die Strasse 2019 umzugestalten.

Parkplätze sollen vermehrt unter den Boden

«Es besteht auch seitens des Stadtrats nicht das Interesse, das Gewerbe einzuschränken», heisst es in der Antwort auf die Petition. Die Erweiterung der Begegnungszone um die Freie Strasse «hat gegenüber heute nur dann eine Reduktion der Parkplätze zur Folge, wenn an deren Stelle attraktive Nutzungen für das Gewerbe und die Bevölkerung ermöglicht werden können». Der Stadtrat stellt fest, dass grundsätzlich ausreichend innerstädtische Parkplätze vorhanden sind – in einer Gehdistanz von 150 Metern zur Altstadt gibt es 600 öffentliche Parkplätze. Diese sollten aber vermehrt in den Untergrund verlagert werden. Verwiesen wird auf das Parkhaus Altstadt. Weitere Tiefgaragenplätze seien bei der Erweiterung des Regierungsgebäudes geplant.

Der Stadtrat spricht sich für eine gewisse Flexibilität bei der Neugestaltung der Freie Strasse aus. Dem Gewerbe soll der erforderliche Spielraum zugestanden werden, etwa für Auslagen und Aussenwirtschaften. «Wo morgen ein Parkplatz ist, kann übermorgen für einen neu anzusiedelnden Gastronomiebetrieb die Möglichkeit eines Strassenrestaurants angeboten werden.» Dies soll aber mit «möglichst wenig fixen Installationen» bewerkstelligt werden.

Es ist laut Stadtrat nicht vorgesehen, in der Freie Strasse das Verkehrsregime gegenüber heute zu verändern. Veranstaltungen sollten aber weiterhin möglich sein – unter Einhaltung der Sicherheitsanforderungen. Zur Forderung der Petitionäre, die Neugestaltung der Freie Strasse auf die in Aussicht gestellte Projektierung einer Umfahrungsstrasse abzustimmen, schreibt der Stadtrat: «Die Abhängigkeit mit einer Umfahrungsstrasse besteht nicht.» Die Freie Strasse sei eine Gemeindestrasse, welche keinen Durchgangsverkehr aufzunehmen hat. Die Machbarkeitsprüfung für eine zentrumsnahe Stadtentlastung habe innert acht Monaten abgeschlossen werden können. Übermorgen Mittwoch wird sie dem Gemeinderat präsentiert, später auch der Öffentlichkeit.

Auf die Frage, ob die Petitionäre nun mit Vorstössen im Gemeinderat zum Thema Freie Strasse nachhaken wollen, meint Elliker viel sagend: «Wir haben mit der Petition über 600 Unterschriften gesammelt, für eine Referendumsabstimmung braucht es 500 Stimmberechtigte.»