FRAUENFELD: «Zum Streiten fehlte die Zeit»

Doris und Peter Kolb haben sich heute vor 60 Jahren in der Stadtkirche Frauenfeld das Ja-Wort gegeben. Das Paar blickt auf eine friedvolle, erfüllende Ehe zurück.

Désirée Wenger
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Doris und Peter Kolb im Garten vor ihrem Haus, wo sie sich zum ersten Mal ansahen. (Bilder: Andrea Stalder)

Doris und Peter Kolb im Garten vor ihrem Haus, wo sie sich zum ersten Mal ansahen. (Bilder: Andrea Stalder)

Désirée Wenger

desiree.wenger@thurgauerzeitung.ch

Kennen gelernt haben sie sich in der Stube, in der sie auch heute sitzen. Es ist das gemütliche Elternhaus von Doris Kolb, welches das Paar vor rund 50 Jahren kaufte. Hier hatte Peter seine Doris das erste Mal so richtig wahrgenommen. Es war das Jahr 1948, damals war Doris 15, Peter 17 Jahre jung. «Da sass Doris’ ältere Schwester, mit der ich zur Schule ging, und ihre Zwillingsschwester. Beide waren schon vergeben. Ich sah Doris und dachte: Da ist ja noch jemand! Da haben wir uns zum ersten Mal so schüchtern angeschaut», erzählt der heute 86-Jährige.

Es folgten gemeinsame Ausflüge und Velotouren mit Freunden und Geschwistern. Auch durch die «Junge Kirche» und das «Cevi» kamen sie sich näher. Ein erstes Rendezvous im eigentlichen Sinne gab es aber nicht. Stattdessen sei einfach klar gewesen, dass sie beide zusammengehören.

Hochzeit, Familiengründung und ferne Länder

Wie war denn der erste Kuss? Eine Stille tritt ein, beide überlegen angestrengt. «Da wurde reklamiert», erinnert sich Peter Kolb plötzlich. «Ja, von meiner Haushaltslehrerin. Ich war gerade 17 und im Hauswirtschaftsjahr, da hat sie uns gesehen», fügt Doris Kolb an. Und: «Als mein Vater sagte, Doris sei nicht die Richtige für mich, wusste ich, dass sie es ist», meint Herr Kolb schmunzelnd. Nach und nach wurde es aber ernster, wie die heute 84-Jährige erzählt: «Wir haben unsere Berufspläne gemeinsam besprochen. Ich ging ans Lehrersemi, und bald darauf ging Peter nach Finnland. Dort arbeitete er für anderthalb Jahre als Bauzeichner. Aber immer war klar, dass wir an unserer Beziehung festhalten. Ich habe nie gedacht, dass es da noch andere gäbe, die zu mir passen könnten.» Auch für ihn gab es keine andere als seine Doris.

Das Berufsleben von Peter Kolb führte das Paar in ferne Länder. Nachdem er das Technikum, die damalige Winterthurer Ingenieurschule, absolviert hatte, heirateten die beiden. Die Flitter­wochen verbrachten sie in ihrer neuen Heimat, in Ecuador. Dort blieben sie für ein halbes Jahr, das erste Kind kam dann in der Schweiz zur Welt. Auch zurück nach Finnland und nach Tunesien führte der Weg des jungen Paares. In dieser Zeit war Frau Kolb Hausfrau und Mutter und hatte mit ihren vier Kindern und der Anpassung an die fremden Kulturen genug zu tun. «Es war immer sehr interessant, mir hat es gut gefallen. Die Arbeit vermisste ich nicht. In Finnland kochte ich immer abwechselnd mit meiner Nachbarin für unsere Kinder, so lernte ich die finnische, sie die Schweizer Esskultur kennen», sagt sie. Der Kulturschock nach dem Umzug von Finnland nach Tunesien war dementsprechend gross. «Auf den Märkten musste man um den Preis feilschen, da musste ich mich erst dran gewöhnen. Dafür waren die Leute so offen.»Nach vier Jahren kam die Familie in die Schweiz zurück. «Da ist uns aufgefallen, dass hier die Menschen einfach engstirniger ist», erzählt Peter Kolb. Das fünfte Kind kam zur Welt, und danach arbeitete Doris Kolb für acht Jahre als Handarbeitslehrerin. Trotzdem war das Geld knapp, und so lebten sie zu siebt in dem schönen, aber kleinen 4-Zimmer-Häuschen, welches das Paar bis heute bewohnt.

Selbstständigkeit, Gesundheit und Respekt

Trotz der engen Raumverhältnisse bewahrte das Paar immer eine gewisse Distanz. «Man muss sich selbst treu bleiben und eine eigenständige Person sein», erklärt Frau Kolb. Was braucht es denn sonst noch, damit eine Ehe über 60 Jahre gelingt? «Zwei, die wollen, und die nötige Gesundheit, so lange zu leben», findet sie. «Ja, und Geduld ist auch wichtig. Auch der Glaube hat uns verbunden, da wir dieselben Werte im Leben teilen», ergänzt Herr Kolb. Streitigkeiten hätte es nie wirklich gegeben, dazu fehlte die Zeit. Ausserdem waren sie mit fünf Kindern und wenig Geld auch auf einander angewiesen. Jeder habe den anderen geschätzt, respektiert und ihm seinen Freiraum gelassen. Ein Rezept für eine gelungene Partnerschaft gäbe es allerdings nicht, findet Doris Kolb, da jedes Paar anders sei.

Keiner der beiden könne sich vorstellen, ohne den anderen zu sein. Zu eng sind die beiden Leben miteinander verwebt, zu gross ist die gegenseitige, tiefe Freundschaft, die aus der Verliebtheit wachsen konnte. «Zusammenfassend kann ich sagen, dass bei uns eine gute Gemeinschaft gewachsen und gelieben ist», schliesst Peter zufrieden.

Gefeiert wird die Diamanthochzeit mit ihren fünf Kindern und deren Partnern, den 16 Enkelkindern und der Urenkelin.