FRAUENFELD: Zukunftsmusik in der Nacht

Die Vernehmlassung zum Stadtbus-Fahrplan 2019 ist abgeschlossen. Ein Vorschlag betrifft den Angebotsausbau in der Nacht. So sollen am Wochenende bis 2 Uhr Rundkurse fahren.

Mathias Frei
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Ein Abend-Rundkurs des Stadtbusses passiert den Postkreisel. (Bild: Donato Caspari)

Ein Abend-Rundkurs des Stadtbusses passiert den Postkreisel. (Bild: Donato Caspari)

Mathias Frei

mathias.frei@thurgauerzeitung.ch

Pech hat, wer im Flurhof, beim Spital oder im Oberwiesen wohnt. Denn wenn man am Wochenende nach 22 Uhr in den Ausgang will, ist der letzte Stadtbus-Abendkurs schon durchgefahren. Dann heisst es: die Füsse in die Hand nehmen, in die Pedale treten oder ein Taxi bestellen. Zwar fährt ab 22.15 Uhr das von der Stadt finanzierte Nachttaxi – aber eben nur vom Bahnhof in die Quartiere, nicht aber umgekehrt.

Wenn es nach dem Quartierverein Kurzdorf geht, soll sich diese Situation verbessern. Denn der Antrag der Kurzdorfer im Vernehmlassungsbericht zum Stadtbus-Fahrplan 2019 lautet: durchgehender Betrieb von Montag bis Samstag von 5.30 bis 24 Uhr, Freitag- und Samstagnacht Betrieb bis 2 Uhr. Im Sommer konnten Privatpersonen, Vereine und Parteien dem Stadtrat im Rahmen einer sechswöchigen Vernehmlassung zum Fahrplan 2019 Ideen und Wünsche mit auf den Weg geben (siehe Kasten).

Guter ÖV als positiver Standortfaktor

André Zobrist ist Vizepräsident des Quartiervereins Kurzdorf. Die Beteiligung an der Stadtbus-Vernehmlassung entstand unter seiner Ägide. Und in Sachen ÖV weiss er, wovon er spricht, leitet er doch den Bahnhof Frauenfeld. «Am Freitag und Samstag verlagert sich die Mobilität vermehrt in die Nachtstunden», sagt Zobrist. Das sehe man auch am Bahnhof Frauenfeld. Um mit dieser Entwicklung mitzugehen, wäre ein Angebotsausbau nötig, findet er. Das Nachttaxi-Angebot sei zwar attraktiv, jedoch nur für Reisende, die am Bahnhof ankommen. Die grosse Menge an normalen Taxis, die am Wochenende spätnachts am Bahnhof warten und Fahrten aus den Quartieren an den Bahnhof machen würden, ist für Zobrist ein Indiz, dass die Nachfrage für ein Nachtbus-Angebot bis 2 Uhr vorhanden ist. «Wenn wir nicht zur Schlafstadt werden wollen, sollten wir etwas unternehmen.» Es sei für ihn klar, dass der ÖV etwas kostet und auch kosten darf. Und letztlich sei ein gut ausgebauter Stadtbusbetrieb auch der Standortattraktivität zuträglich, sagt Zobrist.

Ein Angebotsausbau ist letztlich eine Frage der Kosten und damit des politischen Willens. Der Nachttaxi-Betrieb kostete die Stadt im vergangenen Jahr netto rund 50000 Franken. Laut Urs Ambühl, Leiter Stadtbus, stiegen 2016 genau 8794 Passagiere in ein Nachttaxi ein. Dieses Angebot gibt es jeden Tag bis Mitternacht, Montag bis Samstag ab 22.15 und am Sonntag ab 20.55 Uhr. Ein täglicher Stadtbus-Nachtbetrieb bis Mitternacht würde laut Ambühl netto etwa 184000 Franken kosten. Die Differenz zwischen Nachttaxi und Nachtbus läge finanziell also bei rund 140000 Franken im Jahr. Nicht einberechnet in diesem Mehraufwand ist ein Wochen­end-Busbetrieb bis 2 Uhr.

Im Vernehmlassungsbericht heisst es zum Vorschlag des Quartiervereins Kurzdorf: «Die Forderung wird aufgenommen und der politischen Diskussion gestellt.» Wie Ambühl erklärt, wird derzeit die Botschaft an den Gemeinderat betreffend Stadtbus-Fahrplan 2019 erarbeitet. Ob die Nachtbus-Idee darin Eingang findet, dazu kann Ambühl nichts sagen. Denn die definitive Diskussion im Stadtrat finde erst noch statt. Laut Stadtrat Urs Müller, Vorsteher des Departement für Bau und Verkehr, wurde der Nachtbus auch schon in der Fachkommission Verkehr und Mobilität thematisiert. Dort sei die Stimmung gegenüber einem allfälligen Ausbau aber eher ablehnend gewesen.