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FRAUENFELD «: Zu Besuch bei der alten Dame

Marie» hat fast hundert Jahre auf dem Buckel. Dass die einstige Rangierlokomotive der Papierfabrik Cham noch wöchentlich auf Schienen unterwegs ist, hat sie einem hiesigen Unternehmer zu verdanken.
Raphael Biermayer/
«Marie» auf Schienen unterwegs im Industriequartier. (Bild: Stefan Hilzinger)

«Marie» auf Schienen unterwegs im Industriequartier. (Bild: Stefan Hilzinger)

Raphael Biermayer/

Stefan Hilzinger

Das gelbe «Papieribähnli» Marie ist im Juli 2014 aus dem Zugerland ausgezogen. Man könnte auch sagen in den Thurgau verbannt worden. Denn als die Papierfabrik Cham nach rund 94 Jahren keine Verwendung mehr hatte, verschenkte sie den einzigartigen Zeitzeugen der Technikgeschichte an die Museumsbahn Etzwilen-Singen. Doch in deren Auftrag ist sie nie gefahren. Die Recherche nach dem weiteren Schicksal von «Marie» führt nach Frauenfeld zu Jürg Stauffer. Auf dem Areal seiner Firma, die im Unterhalt und Service von Schienenfahrzeugen tätig ist, steht die gelbe Lokomotive.

Einst eine neue Bremsanlage eingebaut

Firmenchef Stauffer verbindet eine besondere Geschichte mit «Marie». Die begann, lange bevor er in Frauenfeld seine Firma gründete. Stauffer baute als junger Werkstattleiter einer Spezialfirma eine neue Druckluftbremsanlage in die Lokomotive ein.

Das muss Mitte der 1990er- Jahre gewesen sein. Diese Arbeiten seien nachts ausgeführt worden, damit die Lokomotive tagsüber im Betrieb eingesetzt werden konnte. «Wir waren jung und haben damals nachts zum gleichen Tarif wie am Tag gearbeitet», sagt Stauffer. Später lernte er seine Frau kennen, die, so wollte es der Zufall, für die Papierfabrik Cham arbeitete. «Somit war ich wieder öfter in Cham und habe die Fabrik und die Lok ab und zu gesehen.»

Nach der Übernahme der Lok durch die Museumsbahn Etzwilen-Singen im Jahr 2014 hat Stauffer die neuen Eigentümer auf die Besonderheiten und das Gefahrenpotenzial dieses Fahrzeugs aufmerksam gemacht, das mit 340-Volt-Gleichstrom betrieben wird. Die Batterien bedürften besonderer Pflege, «damit sie nicht irreparable Schäden erleiden». Doch nötige Installationen hätten gefehlt, um das Original-Batterie-Ladegerät zu betreiben. Deren Anschaffung sei für die Museumsbahn zu teuer gewesen.

Angst, dass die Batterien einfrieren

Kurz vor Wintereinbruch 2014 erhielt Stauffer dann eine Nachricht von Beat Joos, dem damaligen Präsidenten der Museumsbahn. Er hat darum gebeten, die Lok so rasch wie möglich zu holen, da sonst die Gefahr bestünde, dass die Batterien einfrieren. Ausserdem hätten noch die Originalinstallationen im Depot in Cham abmontiert und weggeschafft werden müssen. «Das Ladegerät allein war so gross wie ein Lieferwagen», sagt Stauffer.

Elektrisch rangieren statt mit Dieseltraktoren

So kam es, dass «Marie» seit jenem Schicksalswinter in Frauenfeld steht, wo sie nach Instandstellung durch Stauffer als Werklokomotive dient und noch mehrmals pro Woche auf den Industriegleisen im Langfeld zum Einsatz kommt. «Die Nachbarn in den benachbarten Wohnhäusern sind froh, wenn wir für Rangierfahrten nicht den Diesel anwerfen müssen, sondern elektrisch und damit emissionsfrei fahren», sagt Stauffer. Weil viele Häuser mittlerweile mit Passivlüftungen ausgestattet seien, komme es gerade in nebligen Tagen vor, dass Abgase in die Wohnungen gesogen werden.

Stauffer macht keinen Hehl daraus, dass er die Lokomotive am liebsten an einem Platz sehen würde, wo sie würdig und vernünftig eingesetzt werden könnte. Was ihm vorschwebt? «Aus meiner Sicht gehört sie am ehesten nach Cham, wo sie, allenfalls in ein Projekt integriert, als Industriezeuge oder Denkmal fungieren kann.» Allerdings, so lässt er bei einer kurzen Rangierfahrt über die Langfeldstrsse durchblicken: «Mir ist es eigentlich lieber, wenn das höchst interessante und starke Fahrzeug in Betrieb ist, als irgendwo auf einem Sockel zu stehen.»

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