FRAUENFELD: Zirkus um den Circus

Dieses Wochenende spielt Stey auf dem Frauenfelder Marktplatz. Nur zwei Wochen später gastiert Royal – aber auf der Allmend. Das ärgert den Direktor: Der Konkurrent hat das frühere Datum und den besseren Platz.

Ida Sandl
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Der Marktplatz von Frauenfeld gestern. Die Tafel mit dem Parkierverbot steht bereits. Der Zirkus Stey fehlt noch. (Bild: Reto Martin)

Der Marktplatz von Frauenfeld gestern. Die Tafel mit dem Parkierverbot steht bereits. Der Zirkus Stey fehlt noch. (Bild: Reto Martin)

FRAUENFELD. Der Direktor befürchtet das Schlimmste. «Hätte ich gewusst, dass Stey dieses Wochenende in Frauenfeld ist, hätten wir die Tournée anders geplant», sagt Oliver Skreinig, Chef des Circus Royal. Aber das geht jetzt nicht mehr. Der Plan ist fixiert, die Plakate sind gedruckt, die Flyer versandt. Skreinig fühlt sich von der Stadt benachteiligt.

Eine Manege mitten in der Stadt ist attraktiver

Konkret geht es darum, dass der Zirkus Stey Freitag, Samstag und Sonntag auf dem Frauenfelder Marktplatz spielt. Zwei Wochen später (25. und 26. Oktober) schlägt der Circus Royal seine Zelte auf der Allmend auf. Die Pause dazwischen sei viel zu kurz. «So schnell gehen die Leute nicht wieder in einen Zirkus», sagt Skreinig. Noch dazu sei es viel schwieriger, Publikum auf die Allmend zu locken. Eine Manege mitten in der Stadt ziehe mehr Besucher an.

Was Skreinig am meisten empört: Der Circus Royal hat bereits im Mai 2015, also vor eineinhalb Jahren, bei der Stadt wegen eines Gastspiels Ende Oktober angefragt. Fünf Monate später sei die Antwort eingetroffen. Es wird erklärt, dass sich das Provisorium der Hauptpost wegen des Umbaus auf dem Marktplatz befinde. Wörtlich heisst es: «Auf Grund dessen steht der Marktplatz in Frauenfeld von 2015 bis 2018 für Zirkus-Gastspiele nicht zur Verfügung.» «Und jetzt spielt der Zirkus Stey auf dem Marktplatz», ärgert sich Skreinig.

Markus Graf, der Chef des Werkhofes, kann das erklären. «Der Stey ist ein kleiner Zirkus.» Dafür reiche auch der reduzierte Marktplatz noch aus. «Für einen grossen Zirkus wie Royal ist der Platz aber momentan zu klein.»

Das sei so nicht im Brief gestanden, sagt Skreinig. Die Stadt hätte schreiben sollen, der Marktplatz stehe nur eingeschränkt zur Verfügung. Oder – noch besser – wie viel Platz sie dem Zirkus konkret anbieten könne. «Dann hätten wir vielleicht ein kleineres Zelt aufgebaut.» So aber habe das Royal-Management nicht weiter nachgehakt und sich stattdessen um einen Platz auf der Allmend bemüht. «Sie hätten das Online-Formular ausfüllen müssen», sagt Graf. «Dann hätten wir genau gesehen, wie viel Platz sie brauchen.»

Der Platz ist das eine. Die zweite Panne sind die kurz aufeinanderfolgenden Termine. Die Stadt habe davon nichts gewusst, sagt Graf. Die Auftrittsdaten für den Zirkus Stey habe man letzten November bewilligt. «Wir behandeln alle gleich.». Das Versäumnis liege beim Verteidigungsdepartement, dem VBS. Dieses würde die Stadt normalerweise über die Gastspiele informieren. «Das hat diesmal nicht geklappt», sagt Graf.

Markus Neuweiler, beim VBS für die zivile Nutzung der Allmend zuständig, schüttelt den Kopf: «Das machen wir schon lange nicht mehr». Vor mindestens drei Jahren habe man aufgehört, Rundmails zu verschicken, und dies allen Beteiligten mitgeteilt. Die Termine stünden auf der Homepage. Dass jetzt das VBS den schwarzen Peter zugeschoben bekommt, findet Neuweiler «irritierend». «Wir schaffen sonst gut mit der Stadt zusammen.»

Die Fixkosten sind da, auch ohne Publikum

Der Zirkus Stey ist verwundert ob der Misstöne rund um seinen Auftritt. Direktor Martin Stey sagt: «Davon habe ich überhaupt nichts gewusst.»

Das Nachsehen hat nun der Circus Royal. Ob mit oder ohne Publikum: Die Fixkosten bleiben. «Ich habe 110 Mitarbeiter», sagt Skreinig. Er hofft, dass das Gastspiel in Frauenfeld nicht zum finanziellen Desaster wird. «Wir Zirkusse kämpfen ja ohnehin ums Überleben.»