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FRAUENFELD: «Wir haben nichts zu verbergen»

Im nächsten Sommer will die Islamische Gemeinschaft in ihre neue Moschee umziehen. In der Öffentlichkeit gibt es viel Misstrauen, Furcht vor Radikalismus und offene Fragen. Die Mitglieder bemühen sich um grösstmögliche Transparenz.
Samuel Koch
Die «Moschee des Lichts» nimmt Formen an. Der Rohbau steht, aktuell werden die Fenster montiert und im Innern die Böden verlegt. (Bild: Reto Martin)

Die «Moschee des Lichts» nimmt Formen an. Der Rohbau steht, aktuell werden die Fenster montiert und im Innern die Böden verlegt. (Bild: Reto Martin)

Samuel Koch

samuel.koch@thurgauerzeitung.ch

Die Vorwürfe reissen nicht ab. In wöchentlichen Dosen schwappen Wellen der Angst und Skepsis aus der Öffentlichkeit über die in der Schweiz lebenden Muslime – so auch über die Islamische Gemeinschaft Frauenfeld. Bücher mit fingerzeigenden Anschuldigungen, Zeitungsartikel mit Warnungen und auch an der kürzlichen Fragestunde im Gemeinderat kam erneut der Bau der 1,6-Millionen-Franken-Moschee im Westen der Stadt zur Sprache. «Gegen Misstrauen in der Öffentlichkeit hilft nur Transparenz», sagt Xhelil Ramadani. Der 50-jährige Familienvater präsidiert seit knapp drei Jahren die Islamische Gemeinschaft Frauenfeld. Wer sich interessiert, dem öffnet Ramadani seine Türen – seien es jene zu den Räumlichkeiten, in der die Muslime jetzt in Richtung Mekka beten, oder jene, wenige Hundert Meter westlich zur neuen «Mesxhidi Nur», der Moschee des Lichts.

Die Aussagen von Saïda Keller-Messahli in ihrem Buch «Islamistische Drehscheibe Schweiz» bedeuten Öl ins Feuer von Islam-Kritikern. Geht es nach der tunesisch-schweizerischen Romanistin und islamischen Menschenrechtsaktivistin steht auch die Finanzierung des Baus der Frauenfelder Moschee im Zwielicht. So soll etwa die Union Albanischer Imame in der Schweiz (UAIS) Gelder über den Balkan in Bauten von hiesigen Moscheen schleusen oder immer wieder radikal predigende Imame finanzieren und in Schweizer Moscheen einladen. Die Union «erlässt Fatwas – islamische Rechtsgutachten –, nach denen sich die Moscheebesucher zu richten haben», schreibt Keller-Messahli. Kürzlich sagte Terrorismus-Experte Kurt Pelda in einem TZ-Interview, dass es im Thurgau Verbindungen zur Dschihadisten-Szene gibt. «Es gibt im Thurgau auffällige Leute», meint Pelda. Bei der Bundesanwaltschaft würden entsprechende Verfahren laufen. Und auch die Frauenfelder Gemeinderäte Robert Zahnd (SVP) und Félicie Haueter (SP) versuchten an den vergangenen zwei Fragerunden, mehr über den Bau der Moschee sowie den Kontakt der Stadt mit dem Islamischen Verein in Erfahrung zu bringen.

Zurückgewiesene Vorwürfe und detailliert aufgelistete Spenden

Die UAIS hat zu den Vorwürfen von Keller-Messahli bereits Stellung bezogen. «Wir haben es etliche Male wiederholt, dass die UAIS selber niemals Imame oder Prediger aus unseren Heimatländern eingeladen hat, um Vorträge zu halten», teilt sie mit. Die Vorwürfe stempelt sie als Verleumdungen und Halbwahrheiten ab, «die gefährlicher als Lügen sind». Derselben Meinung ist Xhelil Ramadani, und er nimmt den Kritikern Wind aus den Segeln. «Wir haben nichts zu verbergen», sagt er. Niemals sei Geld aus dem Ausland an seinen Verein geflossen. «Wieso sollten wir das annehmen? Jetzt sind wir doch alleine schon so weit gekommen.» Dass der von Keller-Messahli als umstritten bezeichnete Aarburger Imam Nehat Ismaili – er soll zu radikal neigenden Gruppierungen Kontakt haben – beim Spatenstich der Frauenfelder Moschee anwesend war, bestreitet Ramadani nicht. «Viele Gäste beehrten uns, auch Ismaili.» Unter dem multiethnischen Dachverband UAIS seien die meisten Imame albanischer Moscheen in der Schweiz registriert, wie der Wiler Imam Bekim Alimi erklärt. Die UAIS wiederum untersteht der Föderation Islamischer Dachorganisationen Schweiz. Bekim Alimi präsidiert deren Ostschweizer Ableger und wehrt sich ebenfalls gegen die Vorwürfe von Keller-Messahli. «Sie hat viel Staub aufgewirbelt.» Sie habe aber weder Argumente für ihre Anschuldigungen noch habe sie je mit einem der an den Pranger gestellten Imame Kontakt gehabt. «Es ist kein ausländisches Geld für den Bau der Moschee geflossen, und nie haben hier ausländische Imame gepredigt», sagt Alimi.

Zur UAIS gehört auch der Frauenfelder Imam Sami Misimi. Bekim Alimi schätzt ihn: «Er ist ein albanischer Imam der ersten Generation.» Weil er Schwierigkeiten mit der deutschen Sprache hat, engagiere er sich primär innerhalb der Islamischen Gemeinde. «Dort dafür umso mehr», meint Alimi. So wie Misimi bei der UAIS registriert ist, sind in Frauenfeld alle Spender erfasst, die der Gemeinschaft Geld gespendet haben. In Schaukästen im Eingangsbereich zum heutigen Gebetsraum an der Gewerbestrasse 3 sind alle Spenden detailliert aufgelistet. Von der ersten Spende im Jahr 2000 bis heute sind alle eingetragen. Einzelne Mitglieder hätten immer wieder Geld gegeben, andere einmalig, «und sogar Kinder haben teilweise drei Franken gespendet». Ramadani predigt nicht nur Offenheit. Er gebe jedermann Einsicht in die Buchhaltung des Vereins. «Wir wollen nichts verstecken», meint er. Erst kürzlich habe wieder jemand 3000 Franken gespendet, womit im Erdgeschoss der neuen Moschee der Unterlagsboden finanziert werde. Seit Ramadani sich der Frauenfelder Gemeinschaft angeschlossen hat, spendete er bereits 13000 Franken. «Es geht zwar nur Stück für Stück vorwärts», sagt er. Aber wir wollen sehen, wer wie viel gegeben hat – auch wenn bei einzelnen kleineren Beträgen «anonym» steht. Das sei aber normal, bei Kollekten in christlichen Kirchen wisse auch niemand, wer wie viel hineinwirft.

Testgebet im Rohbau und Übertragung in die Heimat

Der Rohbau steht, die meisten Fenster sind montiert, als nächste Schritte kommen in der Cafeteria die Plattenleger zum Einsatz, in den zwei Gebetsräumen verlegen sie Teppiche. In der Rundung wird Imam Misimi in Zukunft seine Predigten halten, direkt unter der Kuppel, die mit der Sure aus dem Koran «Es gibt nur einen Gott» beschriftet wird. Nach dem Spatenstich vor knapp einem Jahr schiesst die Moschee förmlich wie ein Pilz aus dem Boden. «Nebst Spenden sichern uns viele gratis Handwerksarbeiten zu», sagt Ramadani. So arbeiten zwei Mitglieder abends an der Treppe ins Obergeschoss. «Vor allem am Samstag helfen jeweils rund 30 Personen mit», sagt Ramadani. Knapp 800000 Franken sind bisher nebst dem Geld für den Landkauf an Spenden zusammengekommen, «der Rest sind Arbeitszeiten, die uns geschenkt werden». Würde sich die Sonne abends nicht über den Horizont neigen, würden die Mitglieder der Islamischen Gemeinschaft weiterarbeiten. «Wir hoffen, dass wir bis im nächsten Mai fertig sind», sagt Ramadani. Ausziehen von der Gewerbestrasse 3 vis-à-vis müssen sie bereits im Dezember. Dann läuft nämlich der Mietvertrag am alten Standort nach über 15 Jahren aus.

Und die Mitglieder der Gemeinschaft sehnen sich nach dem Umzug ins neue Heim. Obschon bis zur feierlichen Einweihung noch einige Schritte fehlen, beteten die Mitglieder schon einmal probehalber in der neuen Moschee. «Wir wollten am Opferfest Bajram sehen, ob wir alle darin Platz haben», schmunzelt Ramadani darauf angesprochen. Nicht nur das, etwa auch die Installation der Kuppel – sie darf aus statischen Gründen nicht aus Glas sein – orchestrieren die Mitglieder voller Stolz, und zeigen es auf Facebook aller Welt. Dutzenden gefallen die Entwicklungen, etliche kommentieren. Sogar kosovarische und mazedonische Radio- und Fernsehsender übertragen die Bauetappen bis in den Balkan. Einige aus der Heimat werden bei der Einweihung dann wohl auch nach Frauenfeld pilgern, wie der mazedonische Grossmufti Sulejman Redzepi, der bereits beim Spatenstich vor Ort war.

Läuft alles nach Plan, findet die Einweihung der Moschee des Lichts entweder vor dem 15. Mai oder sonst nach dem 14. Juni statt, wie Xhelil Ramadani sagt. «Denn dazwischen liegt der muslimische Fastenmonat Ramadan.»

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