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FRAUENFELD: Wettbewerb um beste Sparidee

Mit Sparideen der Kantonsmitarbeiter kann die Kantonskasse wirkungsvoll entlastet werden. Dennoch reagiert der Regierungsrat zurückhaltend auf einen Vorstoss für ein institutionalisiertes Ideenmanagement nach Bina-Vorbild.
Thomas Wunderlin
Das Strassenverkehrsamt kann dank einer zündenden Idee die Departementsrechnung um 150 000 Franken pro Jahr entlasten: Fahrzeugkontrolle. (Bild: Reto Martin)

Das Strassenverkehrsamt kann dank einer zündenden Idee die Departementsrechnung um 150 000 Franken pro Jahr entlasten: Fahrzeugkontrolle. (Bild: Reto Martin)

FRAUENFELD. Seit dem 1. August verschickt die Thurgauer Kantonsverwaltung ihre Sendungen grundsätzlich per A-Post Plus statt eingeschrieben. Damit werden jährlich rund 20 000 Franken gespart. Das Strassenverkehrsamt liefert Halterdaten aus dem vom Thurgau aufgebauten E-Auto-Index an andere Kantone zu einem günstigeren Tarif, als das Bundesamt für Strassen für diese Dienstleistung verrechnet. Die Rechnung des Departements für Justiz und Sicherheit wird dadurch jährlich um circa 150 000 Franken entlastet. Der Regierungsrat erwähnt die Beispiele in seiner Antwort auf eine Interpellation für ein Ideenmanagement in der Kantonsverwaltung. Sie zeigen, dass in der Kantonsverwaltung bereits jetzt zündende Sparideen umgesetzt werden. Insgesamt reagiert der Regierungsrat zurückhaltend: Ein flächendeckendes systematisches Ideenmanagement will er nur zur «Ablaufoptimierung» prüfen.

Eine Sparidee der Bina

Die Interpellation, die der Grosse Rat am Mittwoch traktandiert hat, ist selber eine Sparidee. Eingereicht wurde sie von Jürg Wiesli im Anschluss an die Leistungsüberprüfung (LÜP) der Kantonsverwaltung. Der Dozwiler SVP-Kantonsrat hatte die Idee von seiner Arbeitgeberin, der Bischofszeller Nahrungsmittel AG (Bina), die seit 1999 ein Ideenmanagement betreibt.

Im Unterschied zu einer privaten Firma ist die Kantonsverwaltung ein unübersichtliches Gebilde, das sich gemäss Regierungsrat «aus fünf Departementen, der Staatskanzlei und aus circa 70 verschiedenen Ämtern und Betrieben mit sehr unterschiedlichen Aufgaben zusammensetzt, welche zum Teil keine oder nur wenige Berührungspunkte aufweisen».

Der Staat müsse hoheitliche Aufgaben erfüllen und sei an Gesetze und Verordnungen gebunden. Die Verwaltung könne nicht selber wählen, welche Aufgaben sie erbringen wolle. Ihr Ziel sei «nicht die Gewinnmaximierung, sondern die gesetzeskonforme Aufgabenerfüllung». 2008 hatte eine Arbeitsgruppe des Finanzdepartements ein zentrales Vorschlagswesen für die Kantonsverwaltung geprüft. Gestützt auf Erfahrungen der Kantone Solothurn und Basel-Stadt kam sie zum Schluss, dass der Aufwand den Nutzen nicht rechtfertigt.

Doch einzelne Teile der Kantonsverwaltung wie das BBZ Arenenberg und das Tiefbauamt betreiben ein institutionalisiertes Vorschlagswesen. Bei der Betrachtung der vom Regierungsrat aufgelisteten Beispiele fragt man sich, weshalb ein zentrales Vorschlagswesen nicht möglich sein soll. So hat auch das Strassenverkehrsamt vor einigen Jahren ein Ideenmanagement eingeführt. 2014 Jahr gingen neun Vorschläge ein. Laut Amtschef Ernst Anderwert werden die besten Ideen jährlich an einem Informationsabend mit Reka-Gutscheinen im Wert von 10 bis 50 Franken belohnt. Das Amt für Berufsbildung und Berufsberatung hat in den letzten drei Jahren vier Verbesserungsvorschläge im Wert von bis zu drei durchschnittlichen Monatslöhnen umgesetzt. Die Abteilung Energie hat seit 2013 diverse Einsparungen von insgesamt rund 165 000 Franken erzielt. Wie weit sie auf konkrete Mitarbeitervorschläge zurückzuführen seien, lässt sich laut Regierungsrat nicht eruieren. Das Amt für Informatik betreibt ein Qualitätsmanagementsystem, zu dem auch ein Verbesserungssystem gehört. 2014 gingen 48 Vorschläge ein, von denen 23 abgeschlossen sind. Sie tragen hauptsächlich dazu bei, die Qualität und die Sicherheit zu steigern und das Arbeitsumfeld zu optimieren. Auch die Steuerverwaltung hatte ein Vorschlagssystem, das aber wieder eingeschlafen ist.

Ideenmanager erforderlich

Damit das nicht passiert, braucht es einen Ideenmanager. Bei der Bina wird er Ombudsmann genannt und verfügt über eine 50-Prozent-Stelle.

Bei ihm gehen jährlich rund 1000 Sparvorschläge ein, die Einsparungen von 300 000 Franken bis 500 000 Franken pro Jahr bringen. 10 Prozent einer jährlichen Einsparung gehen als Belohnung an den Einreicher der Sparidee. Dazu kommen regelmässige Prämienverlosungen unter allen Einreichern von Sparideen.

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