FRAUENFELD: Weniger Streifen, mehr Sicherheit

Die Bodensignalisation in der Vorstadt ist entfernt. Die Idee: Autofahrer sind ohne Mittelstreifen vorsichtiger, der Verkehr wird verlangsamt. Die IG Vorstadt zeigt sich ob der Massnahme «vorsichtig optimistisch».

Mathias Frei
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Auf Höhe «Flühlingslolle» endet in der Vorstadt die Bodensignalisation. (Bild: Andrea Stalder)

Auf Höhe «Flühlingslolle» endet in der Vorstadt die Bodensignalisation. (Bild: Andrea Stalder)

Mathias Frei

mathias.frei@thurgauerzeitung.ch

Der Mittelstreifen in der Vorstadt ist Geschichte. Das ist ein Schritt. Dass die Richtung stimmt, darüber sind sich der Stadtrat und die Interessengemeinschaft Vorstadt einig. Dass aber noch mehr passieren muss, ist zumindest für IG-Vorstadt-Präsident Patrick Wirth so sicher wie das Amen in der Kirche. Und wenn es nach der Stadt geht, folgen noch weitere Aufwertungsmassnahmen. Aber weil die Zürcherstrasse Kantonsstrasse ist, hat der Kanton ein gewichtiges Wort mitzureden. «Wir würden gerne schneller vorwärtsmachen», sagt denn auch Stadtrat Urs Müller, Vorsteher des Departements Bau und Verkehr. In der Vergangenheit sagte der Kanton schon Nein zu einem geplanten Versuch eines Tempo-30-Regimes.

Zwischen Kurve und Fussgängerstreifen

Vor etwa drei Wochen ist der Mittelstreifen auf der Zürcherstrasse im Bereich von der Kurve beim Regierungsgebäude bis zum Touring entfernt worden. Der Fussgängerstreifen beim «Löwen» darf nicht tangiert werden. Und in der Kurve braucht es die Signalisation als Einmündungshilfe. Die Massnahme soll die Verkehrssicherheit erhöhen. Dadurch wird der Verkehr zwar nicht weniger, aber langsamer. Das hat einen positiven Einfluss auf die Aufenthaltsqualität in der Vorstadt. Die Entfernung der Bodensignalisation ist eine vorgezogene Massnahme für ein zu erarbeitendes Betriebs- und Gestaltungskonzept. «Das Konzept soll nicht nur die Strasse beplanen, sondern den gesamten Raum zwischen den Fassaden», erklärt Stadtrat Müller. «Verschiedene Nutzer sollen einbezogen werden und Inputs geben können.» Die Umgestaltung und Aufwertung stünden im Vordergrund. Der Perimeter der Aufwertung umfasst die Vorstadt und die Promenade. Übergeordnet reiht sich die Massnahme ins städtische Mobilitätskonzept 2030 ein.

Für den Autofahrer ergebe sich ohne Mittelstreifen ein anderer Eindruck, sagt Stadtrat Müller. «Mit Bodensignalisation weiss man: Bis hierhin kann ich gehen.» Ohne Mittelstreifen sei der Strassenraum nicht mehr klar in Nutzerräume unterteilt. Als Automobilist fahre man deshalb vorsichtiger. Das habe zum Beispiel konkret Einfluss, wenn es darum gehe, als Autofahrer ein Velo zu überholen. Das heisst: Man überholt erst dann, wenn man sicher ist. «Der Verkehr wird verlangsamt», erklärt Stadtrat Urs Müller.

Der Mittelstreifen ist weg. Velostreifen gibt es aber nicht. Denn das würde wieder neue Nutzerräume auf der Strasse definieren. Zudem sei die Zürcherstrasse in der Vorstadt mit sechs Metern schlicht zu schmal, sagt Stadtingenieur Thomas Müller. Denn für eine Strasse dieser Grösse muss die Breite der Kernfahrbahn mindestens 4,5 Meter betragen. Velostreifen müssen mindestens 1,25, besser 1,5 Meter breit sein.

Eigentlich wollte sich der Stadtrat zudem an einem aktuellen Forschungsprojekt beteiligen. Dieses wurde vom Bundesamt für Strassen (Astra) verfügt und von der Vereinigung der Schweizer Verkehrsingenieure und Verkehrsexperten (SVI) ausgeschrieben. Schweizweit soll untersucht werden, wie sich Geschwindigkeitsreduktionsmassnahmen auf Hauptachsen auswirken. Dem Plan der Stadt erteilte der Kanton aber eine Absage.

Die Aufwertung und Umgestaltung des Strassenraums treibt der Stadtrat gleichwohl voran – zusammen mit dem Kanton. Bis Ende Jahr sollen Resultate aus einem Studienauftrag vorliegen, sagt Stadtrat Urs Müller. Darüber werden dann die Direktbetroffenen und die Öffentlichkeit informiert.

Auffällige visuelle Massnahme erwünscht

Betroffen ist Patrick Wirth als IG-Vorstadt-Präsident. «Danke. Das ist ein erster Schritt zur Verkehrsberuhigung. Lieber wäre uns aber natürlich Tempo 30», sagt er. Was die Entfernung des Mittelstreifens mittelfristig bewirkt, so zeigt er sich darob «vorsichtig optimistisch». Bislang habe er noch keine markante Verkehrsverlangsamung wahrgenommen. Wirth denkt, dass eine auffälligere visuelle Massnahme mehr bewirke. «Wo der Mittelstreifen weg ist, müsste man die Fahrbahn einfärben. So merken die Autofahrer, dass etwas anders ist.»