FRAUENFELD: Weisse Nächte dauern

In der Nacht von Montag auf Dienstag bot der städtische Winterdienstchef Peter Lang erstmals diesen Winter zum Volleinsatz auf. 28 Mann standen bereit und machten mit ihren Fahrzeugen die Strassen wieder befahrbar.

Mathias Frei
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3.45 Uhr: Fahrer Ralph Sauter besteigt auf dem Unteren Mätteli sein Fahrzeug. (Bilder: Mathias Frei)

3.45 Uhr: Fahrer Ralph Sauter besteigt auf dem Unteren Mätteli sein Fahrzeug. (Bilder: Mathias Frei)

Mathias Frei

mathias.frei@thurgauerzeitung.ch

Die Luft schmeckt rein. 2.57 Uhr. Der Wetterbericht lag diese Nacht grad doppelt daneben. Es hat deutlich mehr geschneit als prognostiziert. Dafür ist es weniger kalt, als Peter Lang angenommen hat. Die Temperaturanzeige im roten Pick-up zeigt ein halbes Grad unter null an. Langs 36. Winterdienstsaison hat am Montagnachmittag richtig begonnen. Er ist die Erfahrung in Person, Chef des städtischen Winterdienstes. Mit zwei Kollegen teilt er sich im Dreiwochenrhythmus die Einsatzleitung. In der nebligen Zeit vor Weihnachten musste er ein paarmal zum Salzen schicken. Kleine Einsätze. Aber nun habe es richtig was hingeworfen, sagt er. Der Winter, jetzt ist er da.

Lang fährt seine Runde. Schaut, was vom Abendeinsatz geblieben ist, wie das Salz gewirkt hat, wo es wieder Schnee hingeworfen hat, wo es glatt werden könnte. Es geht Richtung Grosse Allmend. Im Radio läuft von Sido «Astronaut». Leise trällert der Refrain: «Ich heb’ ab». Lang konzentriert sich auf die Strasse, damit später im morgendlichen Berufsverkehr eben grad niemand abhebt.

Dunkelste Nacht, minus zwei Grad

«Über den Stählibuck muss ich heute nicht fahren», sagt Lang. Bei diesen Verhältnissen in der Stadt besteht kein Zweifel, dass ein Lastwagen mit Pfadschlitten und Salzstreuer über den Stählibuck fahren muss. «Es nützt wenig, in den Schnee zu salzen, wenn kein Verkehr ist.» Übers Langdorf und das Plättli fährt Lang weiter Richtung Oberherten. Es ist dunkelste Nacht. Aussentemperatur: minus zwei Grad. Nach dem Einsatz am Abend kam Lang um 22.30 Uhr ins Bett. Vier Stunden später hat schon wieder der Wecker geklingelt. Lang fährt durch den Wald ins Obholz hinunter. «Man sieht, dass hier am Abend noch einer durch ist.» Einer mit Pfadschlitten und Salzstreuer. Gestern Abend seien viele im Schnee spazieren gegangen, erzählt Lang.

Dass der Winter nun da ist, passt Lang. «Gut, dass er erst nach den Festtagen gekommen ist. Gut, dass er da ist. Sonst verliert man irgendwann das Ziel vor Augen.» Jeweils von Anfang November bis Ende März ist Winterdienst. Jeden Freitag kontrollieren die Werkhofmitarbeiter ihre Fahrzeuge und Gerätschaften. Sie sind parat, mussten aber bis jetzt warten. «Im Optimalfall haben wir Ende November den ersten Volleinsatz. Dann weiss man, ob alles klappt.» Dass es auch Anfang Januar funktioniert, sieht Lang jetzt. Im Obholz hat es acht Zentimeter geschneit. Die Fahrt geht zurück in die Stadt hinunter. Im Radio läuft ein Lied von Amy Winehouse. Wahrscheinlich läuft das Radio immer.

In normalen Wintern verbraucht der Werkhof bis zu 300 Tonnen Salz. Im letzten Winter waren es nur halb so viele Tonnen. «Aber es gab auch schon 200-Tonnen-Wochen. Man kann sich nie sicher sein, trotz der Erfahrung.» 150 Kilometer Strassen und ebenso viele Kilometer Trottoir gilt es zu bewirtschaften. «Bis 6 Uhr morgens soll an jeder Hauptverkehrsachse zum Bahnhof ein Trottoir frei sein, das ist unser Ziel», sagt Lang. Für die Strassen stehen 16 Grossfahrzeuge im Einsatz, fünf Kleinfahrzeuge hat es für die Trottoirs.

Ein kurzer Schlenker an den Talbachkreisel. Um 3.19 Uhr biegt Lang auf den Werkhof ein. Jetzt muss er die Fahrer aufbieten. Früher musste er jede Nummer einzeln eintippen, heute macht das der Computer. «Einmal habe ich aus Versehen einen in Genf geweckt.» Lang schmunzelt und schnäuzt sich die Nase. Komme davon, wenn man während der Festtage Ferien habe, meint er.

Wenn einer nicht abnimmt, springt man

Bei keinem der Angerufenen läutet es mehr als fünfmal. «Alle nehmen schnell ab», sagt Lang. Jedem Einzelnen wünscht der Winterdienstchef «es guez Nois». Das gehört sich so, auch nachts um halb vier. Und wenn mal einer nicht abnimmt, «dann springst du». Komme aber selten vor. Zwanzig Minuten später zieht sich in der Garderobe ein Mitarbeiter um. Andere haben ihr Fahrzeug daheim, fahren von dort los.

Auf dem Schreibtisch liegt ein Ragusa. Zwischenverpflegung für den Kopf. Mittlerweile ist es kurz vor vier. Wenn der Winter will, dauert Langs Arbeitstag noch bis 22 Uhr. «Dann muss man einfach hoffen, dass nicht die ganze Woche so wird.»

3.20 Uhr: Einsatzleiter Peter Lang ist nach seiner Kontrolltour zurück im Büro und ruft nun die Chauffeure an.

3.20 Uhr: Einsatzleiter Peter Lang ist nach seiner Kontrolltour zurück im Büro und ruft nun die Chauffeure an.