FRAUENFELD: Viele Panaschierstimmen für SVP und FDP

Die Mehrheit der Wählerinnen und Wähler legte an den Grossratswahlen 2016 einen veränderten Wahlzettel ein. Überdurchschnittlich viele Panaschierstimmen holten die SVP und die FDP. Der SVP gelang es überdies, den Abfluss von Panaschierstimmen in engen Grenzen zu halten.

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Der Thurgauer Grosse Rat wurde neu besetzt - jetzt liegt die Panaschier-Auswertung vor. (Bild: Reto Martin)

Der Thurgauer Grosse Rat wurde neu besetzt - jetzt liegt die Panaschier-Auswertung vor. (Bild: Reto Martin)

FRAUENFELD. Bei den Grossratswahlen 2016 haben sich die Thurgauerinnen und Thurgauer ihren Wahlzettel mehrheitlich individuell zusammengestellt. Das teilt die Thurgauer Staatskanzlei mit. Wie häufig ein vorgedruckter Wahlzettel unverändert eingelegt wurde, unterscheidet sich je nach Liste beziehungsweise Partei deutlich. Mit Abstand am häufigsten wurden Wahlzettel der EDU unverändert eingelegt (sechs von zehn). Am anderen Ende des Spektrums finden sich die Wahlzettel der CVP. Wer einen CVP-Wahlzettel verwendete, brachte in sieben von zehn Fällen Änderungen an.

FDP mit überparteilich attraktiven Listen
"Der FDP gelang es an den Grossratswahlen 2016 besonders gut, Persönlichkeiten auf ihre Listen zu setzen, denen auch Wählerinnen und Wähler anderer Couleur ihre Stimme gaben", schreibt die Staatskanzlei in ihrem Communiqué. Gemessen an der Zahl der Panaschierstimmen, die jeder Kandidierende im Mittel pro 1000 parteifremden Wahlzetteln holte, schnitt die FDP in drei Bezirken (Arbon, Frauenfeld und Münchwilen) am besten ab. Die SVP erreichte im Bezirk Weinfelden bezüglich überparteilicher Attraktivität ihrer Kandidierenden den Spitzenplatz. In weiteren drei Bezirken gehörte sie zu den Top 3. In den Bezirken Kreuzlingen und Münchwilen punktete die CVP mit einer überparteilich besonders attraktiven Gruppe von Kandidierenden.

Bei der SVP und der EDU flossen gemäss der Mitteilung am wenigsten Panaschierstimmen ab. Die SVP und die EDU waren jene Parteien, die von ihren eigenen Wahlzetteln den geringsten Abfluss von Panaschierstimmen an andere Parteien zu verkraften hatten. "Einzige Ausnahme war der Bezirk Frauenfeld, wo die SP bezüglich Panaschierstimmenabfluss das zweitbeste Ergebnis erzielte und die EDU auf Platz drei verdrängte", so die Staatskanzlei.

SVP profitiert am meisten
Die SVP schnitt im Panaschierstimmentausch per saldo am besten ab. Sie erhielt in allen Bezirken überdurchschnittlich viele Panaschierstimmen. Gleichzeitig musste sie verhältnismässig wenige Panaschierstimmen an andere Parteien abgeben. "Die FDP erhielt zwar ebenfalls in allen Wahlkreisen überdurchschnittlich viele Panaschierstimmen. Von ihren Wahlzetteln flossen jedoch auch überdurchschnittlich viele Panaschierstimmen ab", so die Staatskanzlei. Das gleiche gilt für die CVP. Einzig im Bezirk Münchwilen gelang es ihr, sowohl überdurchschnittlich viele Panaschierstimmen von anderen Parteien anzuziehen als auch den Panaschierstimmenabfluss von den eigenen Wahlzetteln moderat zu halten. Ein gute Panaschierbilanz gelang in einigen Bezirken auch der SP.

Panaschierstimmenflüsse zwischen Parteien
Die Wählerschaft der SVP panaschierte insgesamt recht wenig. Wenn panaschiert wurde, dann am ehesten in Richtung FDP und CVP, wie die Staatskanzlei weiter schreibt. Von den Wahlzetteln der FDP flossen Panaschierstimmen oft an die SVP und an die CVP ab, in einzelnen Bezirken auch an die glp und an die BDP. CVP-Wählerinnen und -Wähler setzten besonders häufig Kandidierende der FDP auf ihren Wahlzettel.

Panaschiert wurde jedoch je nach Bezirk auch in andere Richtungen. Die SP-Wählerschaft panaschierte bevorzugt in Richtung GP. Umgekehrt kamen Panaschierstimmen von GP-Wahlzetteln am häufigsten der SP zugute, im Bezirk Kreuzlingen auch der glp. Die glp musste in den meisten Bezirken verhältnismässig hohe Panaschierstimmenabflüsse verkraften. Davon profitierte ein breites Spektrum an Parteien, vor allem die FDP und die GP. Einer Vielzahl von Parteien kamen auch die Panaschierstimmen von EVP- und von BDP-Wahlzetteln zugute. Wenn die EDU-Wählerschaft panaschierte, wanderten diese Stimmen meist zur SVP oder zur EVP.

CVP, FDP und glp stellen die Panaschierkönige
Im Bezirk Arbon war Norbert Senn (CVP) der überparteilich beliebteste Kandidat. Er holte am meisten Panaschierstimmen pro 1000 parteifremden Wahlzetteln. Auf den Plätzen zwei und drei folgen Diana Gutjahr (SVP) und Viktor Gschwend (FDP). Anders Stokholm (FDP) sammelte im Bezirk Frauenfeld am meisten Panaschierstimmen pro 1000 parteifremden Wahlzetteln, gefolgt von Carlo Parolari (FDP) und Christa Thorner (SP). Der Panaschierkönig im Bezirk Kreuzlingen heisst laut der Staatskanzlei Klemenz Somm (glp). Er holte pro 1000 parteifremden Wahlzetteln mehr Panaschierstimmen als die nächstplatzierten Barbara Kern (SP) und Peter Dransfeld (SP). Im Bezirk Münchwilen schnitt Josef Gemperle (CVP) bezüglich überparteilicher Attraktivität am besten ab, gefolgt von Alex Frei (CVP) und Hansjörg Brunner (FDP). Max Vögeli (FDP) schwang im Bezirk Weinfelden obenaus, vor Ueli Fisch (glp) und Andreas Guhl (BDP). (pd/red.)

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