FRAUENFELD: Unter Freunden

Alles andere hätte überrascht. Der Winterthurer Stadtrat beantragt dem Parlament in der Botschaft zur Wärmering-Rettung, auf Forderungen über 1,4 Millionen Franken zu verzichten. Auch Regionalpolitik spielt mit.

Mathias Frei
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Der Eingangsbereich des Winterthurer Rathauses, wo das Stadtparlament tagt. (Bild: Roger Szilagyi/Keystone)

Der Eingangsbereich des Winterthurer Rathauses, wo das Stadtparlament tagt. (Bild: Roger Szilagyi/Keystone)

Mathias Frei

mathias.frei@thurgauerzeitung.ch

Gemeinsame Geschichte verpflichtet. Zwischen den Kyburgerstädten Frauenfeld und Winterthur verkehrt man auch heute noch gutfreundschaftlich. «Die bestehenden guten Beziehungen zwischen den beiden Städten haben auch in der Frage des Wärmerings geholfen, für beide Städte eine faire, akzeptable und politisch opportune Lösung zu finden», heisst es denn auch in der Botschaft, die der Winterthurer Stadtrat dem sogenannten Grossen Gemeinderat, also dem Winterthurer Stadtparlament, unterbreitet.

Gemäss der Redensart «mitgefangen, mitgehangen» wird sich auch die Stadt Winterthur an der Sanierung der Wärme Frauenfeld AG beteiligen (siehe Kasten). Wenn das Winterthurer Parlament zustimmt, bedeutet das einen Verzicht auf offene Forderungen in Höhe von 1,4 Millionen Franken. Die 200000 Franken Aktienkapital von Winterthur an der Wärme Frauenfeld AG (WFAG) gehen ebenfalls verloren, sind aber gemäss der vor kurzem öffentlich gewordenen Botschaft bereits abgeschrieben.

Für beide Städte «die bestmögliche Option»

«Die Städte Frauenfeld und Winterthur sind in verschiedenen Organisationen und Bereichen eng miteinander verbunden und liegen lediglich wenige Kilometer auseinander», heisst es in der Winterthurer Botschaft unter dem Punkt «Regionalpolitische Aspekte». Für beide Städte und auch ihre Werkbetriebe sei die vorliegende Lösung «die bestmögliche Option unter Berücksichtigung der ursprünglichen Ausgangslage im Frühjahr und Sommer 2016». Auf Ebene der Verwaltung und der Politik habe man gemeinsam nach Lösungen gesucht und «sich auf eine für alle Seiten verantwortungsvolle und zukunftsfähige Lösung geeinigt». Und weiter schreibt der Winterthurer Stadtrat: «Dies stärkt die vertrauensvolle regionale Zusammenarbeit mit der Thurgauer Kantonshauptstadt auch in anderen wichtigen regionalpolitischen Fragen (zum Beispiel im Verkehrsbereich).»

Aus Sicht des Winterthurer Stadtrats sprechen auch finanzielle und umweltpolitische Aspekte für die vorliegende Lösung. Man erhalte über die Hälfte der offenen Forderungen von 2,9 Millionen Franken zurück. Im Vergleich zu einem drohenden Konkurs könne der finanzielle Verlust «auf hohem Niveau» begrenzt werden. Die Verteilung der finanziellen Lasten widerspiegle ein fein austariertes Gleichgewicht, das «für alle beteiligten Körperschaften entsprechend ihren Möglichkeiten tragbar beziehungsweise politisch verantwortbar ist». Umweltpolitisch sei es von Bedeutung, dass der Wärmering weiter genutzt werden könne und nicht durch ökologisch schlechtere Systeme verdrängt werde. Denn ökologisch betrachtet sei der Wärmering in Frauenfeld eine optimale und umweltschonende Wärmeversorgung, unabhängig von den bestehenden Finanzproblemen.

Der Rettungsring 2.0 war von einer Taskforce erarbeitet worden. Winterthur war durch den interimistischen Stadtwerk-Direktor vertreten. In der Begleitgruppe hatte die Winterthurer Stadträtin Barbara Günthard-Maier Einsitz. Sie hatte im vergangenen Sommer vom damals noch amtierenden Stadtrat Matthias Gfeller interimistisch die politische Aufsicht über die Werke übernommen.

Wenn die Rettung gelingt, ist Winterthur nicht mehr Mitbesitzerin, sondern nur noch Auftragnehmerin. Stadtwerk Winterthur stellt für den Rest der Vertragslaufzeit von 30 Jahren den Betrieb und Unterhalt der bestehenden neun Heizanlagen sicher. Die Entschädigung der Leistungen ist vertraglich geregelt.