FRAUENFELD: Titelhoffnung für Berner Young Boys

Sophie Wirth ist eine von elf Kandidatinnen zur Toggenburger Bierprinzessin und mittlerweile schweizweit bekannt. Grund dafür ist eine Aktion eines Fussball-Fanclubs aus der Bundeshauptstadt.

Florian Beer
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Die Frauenfelderin Sophie Wirth möchte am 6. Mai zur Toggenburger Bierprinzessin gewählt werden. (Bild: Donato Caspari)

Die Frauenfelderin Sophie Wirth möchte am 6. Mai zur Toggenburger Bierprinzessin gewählt werden. (Bild: Donato Caspari)

«Die Aktion ist echt lustig.» Die Frauenfelderin Sophie Wirth ist sichtlich amüsiert über ihre gestiegene Bekanntheit und aussichtsreichen Chancen bei der Wahl zur Toggenburger Bierprinzessin, die der Fanclub des Fussballvereins Young Boys Bern ausgelöst hat. Seit gut einer Woche wird im Fanforum www.1898.ch nicht über die aktuelle Verfassung der Spieler, Transfergerüchte oder Saisonziele diskutiert, sondern über die angehende Hebamme aus dem Thurgau. Auf der Webseite der Bierbrauerei St. Johann, die die Wahl organisiert, ist der Support der Anhänger zu sehen: Sophie Wirth führt mit 4000 Stimmen vor der Zweitplatzierten, die 650 Stimmen aufzuweisen hat (Stand: Freitagmittag). «Das ist natürlich eine Ehre. Es würde mich sehr freuen, Bierprinzessin zu werden, um so den Young Boys endlich mal wieder einen Titel zu bescheren», meint Wirth lachend. Auch der eine oder andere Harass Bier, der der Gewinnerin für zwei Jahre jeden Monat winkt, wird aus Dank sicher den Weg in die Bundeshauptstadt finden.

Freundinnen haben sich zusammen beworben

Sophie Wirth hat 2015 die Matura an der Kantonsschule Frauenfeld abgeschlossen und anschliessend ein Zwischenjahr eingelegt. Nach einem Praktikum im Spital Winterthur, das für ein Studium an der Zürcher Hochschule für angewandte Wissenschaften (ZHAW) eine Voraussetzung ist, hat sie drei Monate lang in Südafrika im sozialen Bereich mit Kindern gearbeitet. Jetzt ist sie im zweiten Semester im Hebammenstudium an der ZHAW. «Der Beruf der Hebamme ist eine perfekte Mischung von zweien meiner Interessen: Der sozialen sowie der biologischen und gesundheitlichen Tätigkeit», sagt Wirth. Es sei ihr zudem eine grosse Ehre, eine werdende Mutter und ihr Kind in dieser besonderen Lebensphase begleiten zu dürfen. Die Aufnahme und das Studium seien anspruchsvoll, nur gut die Hälfte aller Bewerber werde genommen. In ihrer Freizeit geht sie gerne ins Kino, liest viel, reist bei vorhandener Zeit und unternimmt etwas mit Freunden. So kam auch die Idee, sich als Toggenburger Bierprinzessin zu bewerben. Die Mutter einer Freundin habe davon gehört und es ihrer Tochter vorgeschlagen. «Wir haben uns daraufhin aus Spass zusammen beworben.» Durch die Mitgliedschaft in der Mittelschulverbindung «Licornia» seien die Freundinnen zum Biertrinken gekommen. In der zweijährigen Amtszeit als Bierprinzessin repräsentiert man die Brauerei St. Johann an Veranstaltungen und erhält im Gegenzug monatlich einen Harass Bier sowie einen BMW für ein Jahr. Wegen der nunmehr unerwartet hohen Chancen mache sie sich durchaus Gedanken zur Wahl. «Ich würde mich sehr über die Auszeichnung freuen, aber gönne es selbstverständlich jeder anderen Kandidatin», gibt sich Sophie Wirth sportlich. Zudem unterstütze sie gerne kleine, lokale Unternehmen wie die Brauerei St. Johann. Am Wahlanlass werden die Kandidatinnen im Dirndl vorgestellt, müssen sich einem Quiz unterziehen und werden dann aus den Stimmen vom Online-Voting und denen an der Veranstaltung gekrönt. «Man sollte sicherlich Bier mögen, Freude daran und an der Region haben», meint Wirth. Ihre einzige Verbindung zum Toggenburg sei, dass sie dort das Skifahren erlernt habe, meint sie lachend.

YB-Delegation hat sich angemeldet

Warum die Fans der Young Boys ausgerechnet sie in diesem Masse unterstützen, kann sich Sophie Wirth nicht erklären. «Ich habe keinen Bezug zum Fussball, bin aber natürlich ab sofort Fan von YB.» Vermutlich wird sie sich auch mal ein Spiel im Stade de Suisse anschauen, um so ihren Dank auszudrücken. Von der Aktion habe sie durch die Brauerei erfahren, nachdem «20 Minuten» bereits ihre Tante angerufen hatte und nach einem Interview mit Sophie gefragt hat. Es folgten weitere Anfragen von «FM1-Today» und «Tele Ostschweiz». «Ins Fernsehen habe ich mich aber nicht getraut.» Auf der Strasse wird sie auf den Rummel um ihre Person nicht angesprochen. «Dafür ist es das Lieblingsthema meiner Freunde.» Ihre drei Kolleginnen, die sich mit ihr beworben haben, gönnen ihr die Unterstützung. «Das Ziel ist ja zu ­gewinnen und anschliessend gemeinsam darauf anstossen zu können.» Die Chance dafür stünden gut. Wie die Brauerei St. Johann auf Anfrage bestätigt, wird eine YB-Delegation am 6. Mai vor Ort sein und ihre noch einzige ­Titelhoffnung in dieser Saison unterstützen. Vielleicht kann Sophie Wirth dann mit ihren neugewonnenen Fans auf den Titel zur Toggenburger Bierprinzessin anstossen.

Weitere Informationen: www.bierprinzessin.ch