FRAUENFELD: Tier gesund, Mensch dankbar

Wenn das Büsi oder der Wauwau zum Tierarzt muss, aber das Geld dafür fehlt: Was tun? Seit 20 Jahren springt in solchen Notfällen die Stiftung Thurgauer Tierfreunde ein und übernimmt die Rechnung.

Mathias Frei
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Kurt Sieber, Geschäftsführer der Stiftung, mit den Stiftungsrätinnen Brigitte Hänni und Jrène Sieber sowie Rösi Sprenger, die für die Backwaren verantwortlich ist, welche die Stiftung verkauft. (Bild: PD)

Kurt Sieber, Geschäftsführer der Stiftung, mit den Stiftungsrätinnen Brigitte Hänni und Jrène Sieber sowie Rösi Sprenger, die für die Backwaren verantwortlich ist, welche die Stiftung verkauft. (Bild: PD)

Mathias Frei

mathias.frei@thurgauerzeitung.ch

Glück ist, wenn es dem Hund gut geht oder der Katze oder dem Kaninchen, das man gern hat. Die Stiftung Thurgauer Tierfreunde hilft dem Glück im Notfall auf die Sprünge – und das seit nunmehr 20 Jahren.

Wenn der Hund der IV-Rentnerin eine schlimme Entzündung hat und eine Behandlung dringend nötig ist. Wenn man Sozialhilfe bezieht, das Büsi aber nicht mehr isst und die Medikamente viel zu teuer sind. Oder wenn das Zwergkaninchen der Tochter leidet, man jedoch unter dem Existenzminimum lebt, so dass ein Tierarztbesuch nicht bezahlbar ist. Mit solchen Fällen hat Kurt Sieber immer wieder zu tun. Er ist Geschäftsführer der Stiftung Thurgauer Tierfreunde. Die Frauenfelder Institution ist seit Anfang 1997 aktiv, mittlerweile in der ganzen Deutschschweiz. «Es ist brutal, wenn man Tiere leiden sehen muss», sagt der umtriebige Frauenfelder Pensionär. Und leider gebe es immer mehr solche tragischen Beispiele. Grad für sozial schwächere Menschen, die finanziell nicht auf Rosen gebettet sind, können Tiere zum einzigen Sozialkontakt im Alltag werden. «Tiere können einem so viel geben», sagt Sieber.

Kurt Sieber, Geschäftsführer der Stiftung, mit den Stiftungsrätinnen Brigitte Hänni und Jrène Sieber sowie Rösi Sprenger, die für die Backwaren verantwortlich ist, welche die Stiftung verkauft. (Bild: PD)

Kurt Sieber, Geschäftsführer der Stiftung, mit den Stiftungsrätinnen Brigitte Hänni und Jrène Sieber sowie Rösi Sprenger, die für die Backwaren verantwortlich ist, welche die Stiftung verkauft. (Bild: PD)

Frauenfelder Tierschutz auf Vordermann gebracht

Alt Gemeinderatspräsident Sieber ist auf dem Land aufgewachsen. Jeder Haushalt hatte damals mindestens ein Büsi. Seine Frau Jrène, die im Stiftungsrat der Thurgauer Tiefreunde ist, und er hielten lange Zeit einen Hund. «Tiere sind ehrliche Freunde», sagt er. Und so war es naheliegend, dass sich Sieber Mitte der 1990er-Jahre auch im Frauenfelder Tierschutzverein engagierte. Sieber war sehr gut befreundet mit der mittlerweile verstorbenen Dagmar Senn. Sie wurde Vereinspräsidentin, er übernahm das Aktuariat. Ihnen war zu verdanken, dass der Frauenfelder Tierschutz finanziell wieder gesundete. Sieber wurde klar, dass Tierschutzarbeit zwar extrem wertvoll ist, ihm aber die Komponente Mensch fehlte. Wenn sich eben ein Halter nicht mehr um sein geliebtes Tier kümmern konnte, weil das Geld für den Tierarzt fehlte. Er gründete mit Dagmar Senn also die Stiftung Thurgauer Tierfreunde. Das Motto heisst «Für Mensch und Tier».

Die Initiative war offensichtlich nötig. In den vergangenen zwei Jahrzehnten hat die Stiftung Unterstützungsbeiträge in Höhe von knapp 186000 Franken gesprochen – jährlich also im Schnitt über 9000 Franken. Die Verwaltungskosten der vergangenen 20 Jahre betragen rund 7800 Franken, keine 400 Franken im Jahr. «Das Geld soll denen zugute kommen, die es nötig haben», ist Sieber wichtig. Mit dieser Haltung begründet der Stiftungsgeschäftsführer den Umstand, dass das 20-Jahr-Jubiläum nicht gefeiert wird. Denn das würde nur kosten.

Stiftung übernimmt Arztrechnungen

Die meisten Unterstützungsbeiträge liegen zwischen 100 und 1500 Franken. «Für eine Person, die sich das Tierfutter vom eigenen Essen abspart, sind 100 Franken eine Menge», sagt Sieber. Jedoch wird kein Geld direkt ausbezahlt, sondern die Stiftung übernimmt die Arztrechnung. Ab und zu komme auch ein Tierarzt der Stiftung entgegen und stelle weniger als üblich in Rechnung. Jedes Gesuch klärt Sieber sauber ab. Wer unterstützt werden will, muss Angaben zur eigenen Person und zu den finanziellen Umständen machen. Auch mit dem zuständigen Veterinär nimmt Sieber Kontakt auf, damit sicher ist, dass eine Behandlung auch nachhaltig und verhältnismässig ist. Denn für Luxusmedizin will die Stiftung kein Geld ausgeben. Nicht selten kommt es vor, dass Sieber zusätzlich einen Augenschein beim Tierhalter daheim nimmt. Den Entscheid über ein Gesuch fällt der Stiftungsrat schnell und unkompliziert.

Sieber sieht viele Tränen. Wenn alles vorüber ist, sind es dann aber Freudentränen. «Es ist ein gutes Gefühl, helfen zu können.» Und die Leute seien auch dankbar. Es gab schon Fälle, da haben Gesuchsteller Geld zurückgezahlt. Ob es dann 20 oder 200 Franken sind, spielt Sieber keine Rolle. «Für den einen sind 20 Franken mehr Geld als 200 Franken für einen anderen.» Die Geste zählt.

Für Spenden und Legate: www.tierfreunde.ch

Spenden und Backwaren

Die Stiftung Thurgauer Tierfreunde untersteht der Stiftungsaufsicht. Den Stiftungsrat bilden Kurt Siebers Ehefrau Jrène Sieber sowie die Frauenfelderin Brigitte Hänni. Daneben helfen viele Freunde mit, die backen oder basteln und diese Erzeugnisse dann für die Stiftung auf Märkten in der Region verkaufen. In der Hauptsache geschieht die Stiftungsfinanzierung aber über Spenden und Legate. (ma)

Auch Junghunde müssen manchmal zum Tierarzt - prekär wird es, wenn dem Besitzer das nötige Kleingeld fehlt. (Bild: SIMONE ZIMMERLI (KEYSTONE))

Auch Junghunde müssen manchmal zum Tierarzt - prekär wird es, wenn dem Besitzer das nötige Kleingeld fehlt. (Bild: SIMONE ZIMMERLI (KEYSTONE))