FRAUENFELD: Thurgauer Ideen für die Steppe

Die Firma Adunic hat für die Expo 2017 in Kasachstan vier Projekte realisiert. Die Logistik war eine grosse Herausforderung. Dafür brachten die Aufträge einen Umsatz von rund 25 Millionen Franken.

Christine Luley
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Eine Arbeit von Adunic an der aktuellen Expo: der «Energy Stream» im «Energy Best Practice»-Pavillon. (Bild: PD)

Eine Arbeit von Adunic an der aktuellen Expo: der «Energy Stream» im «Energy Best Practice»-Pavillon. (Bild: PD)

Christine Luley

frauenfeld@thurgauerzeitung.ch

Das ist Schweizer Qualität in der kasachischen Steppe. «Sphere» heisst die hundert Meter hohe, begehbare Glaskugel. Sie ist das architektonische Wahrzeichen auf dem Expo-Gelände in Astana. Das Innenleben des Bauwerks hat die Adunic AG realisiert. Nach der Weltausstellung in Mailand hat die Frauenfelder Firma nun auch an der Expo 2017 den «räumlichen Rahmen» für Kunden verwirklicht.

Unter dem Motto «Energie der Zukunft: Massnahmen für weltweite Nachhaltigkeit» werden zur Weltausstellung in Kasachstans Hauptstadt bis zum 10. September fünf Millionen Besucher erwartet.

Windtunnel und Modell der Sonne

Wie Adunic-Gründer und CEO Andreas Böckli sagt, hat sein Unternehmen im «Sphere» den grössten Teil des «Museum of Future Energy» realisiert. Schwerpunkte dieser Hauptattraktion sind unter anderem ein Windtunnel mit drei simulierten Windzonen, ein Sonnenmodell mit einer Innen- und Aussenseitenprojektion sowie eine überdimensionale kinetische Skulptur mit integriertem Artistenrad.

Der Bau dieser rund 8000 Quadratmeter Ausstellungsfläche hatte es in sich. 150 Mitarbeiter waren von Januar bis Juni bei Temperaturen von minus 35 bis zu plus 30 Grad im Einsatz. «Weil die Arbeiten erst mit einer viermonatigen Verzögerung in Angriff genommen werden konnten, haben am Schluss durchschnittlich 250 Personen unter unserer Regie Schichtbetrieb geleistet.» Böckli ist stolz auf sein Team. Die übertragenen Bauten wurden rechtzeitig und unfallfrei fertiggestellt.

Freundliche Menschen, schwierige Kommunikation

Kasachstan gilt als armes Land, ist aber eines der rohstoffreichsten der Welt. Böckli hat die Menschen als freundlich und zuvorkommend erlebt. Er erzählt, wie er sein Handy einmal hat liegen lassen und ein Passant es ihm lächelnd zurückbrachte. Dabei war die Kommunikation in einem Land mit Kasachisch und Russisch als offiziellen Amtssprachen und Menschen aus 15 Nationen auf der Baustelle nicht einfach.

Am Abend des 9. Juni eröff­nete Nursultan Nasarbajew, das Staatsoberhaupt des Gastgeberlandes, die Expo. Morgens um 4.30 Uhr war Böckli noch auf dem Gelände. Rund hundert Leute erledigten noch letzte Arbeiten. Zum Zeitpunkt der Eröffnungsfeier war der Frauenfelder aber bereits wieder im Flugzeug nach Hause.

Gemäss Böckli kommen 60 Prozent der Wertschöpfung aus Deutschland und der Schweiz, 10 aus Asien und der Rest aus Kasachstan. Für Adunic transportierten 60 Sattelschlepper gut 390 Tonnen Exponate und Vitrinen nach Astana. Teilsendungen aus zehn Ländern wurden in einem Zwischenlager in Frankfurt zusammengeführt. 170 Tonnen Material bezog man direkt vor Ort. Aufgrund des grossen bürokratischen Aufwandes hat Adunic bereits ein Jahr vor Beginn der Ausführung eine lokale Administration aufgebaut, die zu Spitzenzeiten 20 Mitarbeiter umfasste. Auch die Anforderungen beim Zoll waren streng. Bereits vor Ende der Produktion mussten die korrekten Zollpapiere erstellt und eine lange Genehmigungsphase des Kunden einberechnet werden. Abweichungen von 50 Kilogramm oder Warenwertdifferenzen von zwei Eurocent führten zu Standzeiten am kasachischen Zoll. Lieferungen für die Länderpavillons wurden zwar als «Green Channel» bevorzugt behandelt, waren aber dennoch sehr zeitaufwendig. Schwierig und teuer gestaltete sich das Prozedere für die temporäre Ein­fuhr der Werkzeuge. Daneben gab es Einfuhrverbote für gewisse Marken, und der Transport von Flüssigkeiten wie Farben war fast unmöglich.

Kilometerweise LED-Schläuche

Yvonne-Karen Eimer ist bei Adunic federführend für die internationale Projektentwicklung. Sie koordiniert die Umsetzung der Vorstellungen von Designern und Architekten. Nebst den Länderpavillons von Österreich und Aserbaidschan entwickelte und installierte Adunic auch «Energy Best Practice», eine Schau, an der Innovationen aus unterschiedlichen Bereichen der Energieversorgung und -gewinnung vorgestellt werden. Höhepunkt ist der «Energy Stream». Das ist ein an der Decke schwebendes Lichtband aus mehreren Kilometern LED-Schläuchen, das die einzelnen thematischen Bereiche auf zwei Etagen verbindet.

Aber für Adunic ist Astana mittlerweile abgehakt. Weitere Grossprojekte wie die Pferdeshow «Appassionata» in München und die grosse Weltausstellung in Dubai 2020 warten.