FRAUENFELD: Thurgauer halten sich über Wasser

Jeder Thurgauer Schüler soll schwimmen können. Das wird als Kompetenz im neuen Lehrplan festgehalten. Dadurch soll den Kindern auch die Gefahr des Wassers bewusster werden. Baden ist etwa bei Zugewanderten teilweise fremd.

Silvan Meile
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Michael Krucker Sportamt Kanton Thurgau (Bild: Reto Martin)

Michael Krucker Sportamt Kanton Thurgau (Bild: Reto Martin)

FRAUENFELD. Wer die Abkühlung sucht, sollte sich über Wasser halten können, damit der Badeplausch nicht tragisch endet. Im Thurgau wird das im neuen Lehrplan eine Anforderung an die Schulkinder. Denn auch der heisse Sommer 2015 hatte gezeigt, dass insbesondere der Bodensee schnell zur tödlichen Falle werden kann. Auf dem Gebiet aller See-Anrainerstaaten und dem Rheinabschnitt bis Schaffhausen ereigneten sich im vergangenen Jahr 18 Badeunfälle. Das war ein massiver Anstieg gegenüber dem Jahr 2014, als auf dem gleichen Gebiet vier Menschen ertranken.

Keine Probleme mit Moslems

Im Lehrplan der Volksschule Thurgau ist nun Schwimmen als zu erlernende Kompetenz definiert. Doch die Kinder müssen auch auf unvorhergesehene Situationen rund ums Wasser vorbereitet werden, sagt Michael Krucker vom Sportamt des Kantons Thurgau. «Um Badeunfälle bei Kindern zu verhindern, ist es wichtig, dass sie eine Selbstrettungskompetenz erlernen.»

Deshalb sollen die Schüler an den Thurgauer Schulen künftig den sogenannten Wassersicherheitscheck der nationalen Beratungsstelle für Unfallverhütung (bfu) absolvieren. «Dabei lernen sie etwa, bei einem unerwartetem Sturz ins Wasser sich selber zu retten», sagt Krucker. Gleichzeitig gehe es darum, die Gefahren des Wassers noch besser zu kennen. Gerade bei Kindern, die aus fremden Ländern zuwandern, sei Baden und Schwimmen teilweise etwas Neues. Probleme mit moslemischen Eltern, die ihrem Kind den Schwimmunterricht verbieten, seien ihm im Thurgau bisher aber keine bekannt.

Hals über Kopf vom Beckenrand

Im Sportunterricht der meisten Schulen ist Schwimmen zwar bereits ein Bestandteil. Es wurde aber nicht erfasst, welche Schüler es tatsächlich können. Das soll sich nun mit dem neuen Instrument des Sicherheitschecks ändern. Denn mit ihm wird auch geprüft, ob die Schüler 50 Meter schwimmend zurücklegen können. Um zu zeigen, wie dieser Sicherheitscheck an den Thurgauer Schulen künftig abläuft, lud Krucker am Dienstag ins Frauenfelder Freibad ein.

Der Sportamt-Mitarbeiter hat dafür drei Schulkinder mitgebracht. Vom Beckenrand werfen sich die Kinder Hals über Kopf ins tiefe Wasser. «Sie müssen versuchen, nach dem unkontrollierten Eintauchen ins Wasser die Orientierung nicht zu verlieren», erklärt Krucker. Anschliessend müssen die Kinder im Wasser beweisen, dass sie sich eine Minute lang an Ort und Stelle über Wasser halten können. Stilnoten gibt es keine, es gilt nur zu beweisen, dass man nicht untergeht. Der dritte Teil der Übung ist schliesslich, die Distanz von 50 Metern schwimmend zurückzulegen.

Ausweis schützt nicht vor Unfall

Dieser Sicherheitscheck gehört zum Sportunterricht im Lehrplan 21. Damit sollen möglichst viele Schulkinder der Deutschschweiz erreicht werden. Die bfu spricht von einem «Mindeststandard an Wasserkompetenz». Kinder, die den Check erfolgreich abschliessen, erhalten einen Ausweis. «Allerdings», betont Krucker, «heisst das Erlangen des Ausweises nicht, dass die Kinder vor Unfällen im Wasser gefeit sind. Eltern sollten ihr Kind im, am und auf dem Wasser stets im Auge behalten. Denn der Spass im Nass ist nur dann möglich, wenn die Sicherheit berücksichtigt wird.»

Auch nach einem Überschlag ins Wasser sollen die Kinder die Orientierung im Becken nicht verlieren. Hier unter Beobachtung von Sportamt-Mitarbeiter Michael Krucker. (Bild: Reto Martin)

Auch nach einem Überschlag ins Wasser sollen die Kinder die Orientierung im Becken nicht verlieren. Hier unter Beobachtung von Sportamt-Mitarbeiter Michael Krucker. (Bild: Reto Martin)