FRAUENFELD: Thurgauer Firmen am Internet-Pranger

Mit schlechten Bewertungen schwärzen Mitarbeiter ihre Arbeitgeber an. Auch zahlreiche Thurgauer Firmen sind betroffen. Die IHK warnt, die Tragweite solcher Internet-Einträge zu unterschätzen.

Silvan Meile
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Vermehrt finden Firmen anonyme Bewertungen über sich im Internet. (Bild: Martin Ruetschi/Keystone)

Vermehrt finden Firmen anonyme Bewertungen über sich im Internet. (Bild: Martin Ruetschi/Keystone)

Daumen hoch – Daumen runter. Im Internet ist die Meinung aller gefragt. Jeder bewertet jeden: der Gast den Wirt, der Leser das Buch und der Arbeitnehmer den Arbeitgeber. Letzterer steht im Fokus der Internetseite www.kununu.ch. Im Zeichen der Transparenz werden dort von aktuellen und ehemaligen Mitarbeitern auch zahlreiche Thurgauer Firmen in eine Sternenskala eingeteilt. Und die Ergebnisse sind teilweise vernichtend, wie auch die Kommentare dazu. «Man mischt sich überall ein, schreit alle an, ist beleidigend und wird – wenn jemand nicht mehr weiter weiss – sehr persönlich», schreibt etwa ein Benutzer über den Umgang mit Mitarbeitern am Thurgauer Standort eines internationalen Maschinenherstellers. Und dieser Kritiker ist nicht der einzige, der mit dieser Firma hart ins Gericht geht. Zahlreiche Benutzer schlagen in die gleiche Kerbe.

Auch viele weitere Thurgauer Firmen schneiden schlecht ab. Die Lästermäuler bleiben anonym, die Firmen angeschwärzt. Für Stellensuchende gewinnt die Internetplattform zunehmend an Bedeutung. Sie werden sich zweimal überlegen, wo sie sich tatsächlich als Arbeitskraft bewerben.

Die Tragweite solcher Seiten nicht unterschätzen

«Es ist unser Zeitgeist, alles zu bewerten», sagt Brigitte Kaufmann, Bereichsleiterin Politik beim Thurgauer Gewerbeverband. Das entspreche der Entwicklung, alles transparent zu machen. Auch umgekehrt ist das der Fall. Heute wird wohl kaum noch jemand eingestellt, bevor nicht die Personalabteilung zumindest den Namen des künftigen Arbeitnehmers bei Google eingab. Eine Plattform zur Bewertung von Arbeitgebern birgt für Kaufmann aber die Gefahr, dass persönliche Konflikte öffentlich ausgetragen werden.

Bei der Thurgauer Industrie- und Handelskammer (IHK) verfolgt man die Entwicklung solcher Plattformen mit einem wachsamen Auge – und empfiehlt auch den Mitgliedern, dies zu tun. «Dieses Thema ist bei uns schon von verschiedenen Referenten an Anlässen über soziale Medien behandelt worden», sagt IHK-Direktor Peter Maag. Dabei sei klar geworden: Firmen sollten die Tragweite solcher Bewertungen nicht unterschätzen.

Die TKB kümmert sich um die Kommentare

Bei der Thurgauer Kantonalbank stuft man die Wichtigkeit solcher Plattformen hoch ein. Und die Bank fällt mit durchaus positiven Bewertungen auf. Das decke sich in etwa mit internen Mitarbeiterbefragungen, insbesondere die Verbundenheit der Mitarbeiter mit der Arbeitgeberin sei hoch. «Die Bewertung auf <Kununu> schätzen wir als einen objektiven Blick auf unsere Bank», sagt Mediensprecherin Melanie Frei. Seit zwei Jahren verzeichne die TKB auf der Bewertungsplattform «einen signifikanten Anstieg an Klicks», wie Frei weiter erklärt. Dies lasse vermuten, dass solche Bewertungsplattformen – wie generell die sozialen Medien – auch für Arbeitgeber an Wichtigkeit gewinnen.

Und die Bank nimmt die Einträge offensichtlich auch ernst. Regelmässig beantworte die Personalabteilung die Kommentare, die Benutzer zur TKB verfassten. «Etwa um für eine besonders gute Bewertung zu danken oder um eine Aussage richtig beziehungsweise in einen Zusammenhang zu stellen.»

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