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FRAUENFELD: So werden aus Wörtern Bilder

Wie sehen die Geschichten von Petra Ivanov, Federica de Cesco, Emil Steinberger und Franz Hohler aus? Wie Bilder, Skulpturen, Grafiken und Kalligraphien, sagten sich die Schüler der Time-out-Klasse. Voller Stolz stellen sie ihre Werke aus.
Dieter Langhart
Aus Literatur mach Kunst: Fünf aus der Time-out-Klasse mit ihren Kunstwerken, die sie kommendes Wochenende im Schloss Frauenfeld ausstellen. (Bild: Dieter Langhart)

Aus Literatur mach Kunst: Fünf aus der Time-out-Klasse mit ihren Kunstwerken, die sie kommendes Wochenende im Schloss Frauenfeld ausstellen. (Bild: Dieter Langhart)

FRAUENFELD. Sie heissen Justhyn und Tomás, Era und Mihail, Larissa und Dominik, Robin und Nils, Soena und Aylin, Silvan und Valerio. Sie sind ein rundes Dutzend mit Ecken und Kanten. Und wenn es in der Regelklasse nicht mehr geht, können sie sich in der Time-out-Klasse auffangen und wieder zu sich finden. Da werden sie ernst genommen. Da lernen sie dies: was in ihnen steckt, ernst zu nehmen und zu entwickeln. Da können sie sich austoben – nicht auf der Gasse, sondern im bildnerischen Gestalten.

De Cesco eröffnet Ausstellung

Da machen sie Kunst, werden dreckig beim Behauen des Sandsteins, damit daraus Skulpturen entstehen. Skulpturen, die das zeigen, was sie in einem Jugendbuch gesehen haben. Sie haben «Shana, das Wolfsmädchen» von Federica de Cesco gelesen und besprochen, dann haben sie sich von Gabriel Mazenauer anleiten lassen und sind selber Bildhauer geworden. Ihre Skulpturen zeigen jetzt jene Bilder, die sie im Buch gefunden haben.

Und am Freitag wird Federica de Cesco nach Frauenfeld kommen und für die Jugendlichen eine Rede halten – die Rede zur Eröffnung der Ausstellung des kreativen Dutzends. Und sogar Franz Hohler wird da sein.

Franz Hohler in Schönschrift

Denn die zwölf Schülerinnen und Schüler haben sich in diesem Schuljahr auch mit Franz Hohlers Kinderversen «Es war einmal ein Igel» bildnerisch auseinandergesetzt. Nur sind aus den Wörtern keine Sandsteinskulpturen entstanden, sondern Kalligraphien, Bilder aus Schrift. Angeleitet hat die Schüler die St. Galler Kalligraphin Judith Bodenmann. Und als willkommene Abwechslung empfanden die Schüler die Fahrten ins Atelier der Künstlerin; da seien ihnen gute Ideen gekommen, die Konzentration sei gewachsen.

«Die Kalligraphie war gar nicht so abgehoben», sagt Nils im nachhinein, und seine Schrift sei seither lesbarer geworden. Soena hat das Schreiben mit der Feder als herausfordernd empfunden – sie ist Linkshänderin und musste achten, dass sie die Tinte nicht verwischte. Und einer aus der Runde wirft ein, dass die Pipette zu seinem Lieblingsgerät geworden sei: «Zuerst war es schwierig, die Farbe zu dosieren, aber am letzten Tag hatte ich es geschafft.» Und seine Augen lächeln.

Lesung vor der Klasse

Begonnen hat die Time-out-Klasse ihr Projekt «Kunst und Literatur» mit vier Werken der Jugendbuchautorin Petra Ivanov – die gar für eine Lesung von Zürich nach Frauenfeld kam. Für die Eindrücke übte sich das kreative Dutzend in einer anderen Kunsttechnik und malte Bilder mit Acrylfarbe im Keller des Schulhauses.

Nach Petra Ivanov und Federica da Cesco war der erste Herr an der Reihe, auch er mit einem bekannten, berühmten Namen: Emil Steinberger. Die Klasse las seine «Wahren Lügengeschichten», und weil Emil wusste, dass es der Klassenlehrerin Franziska Stöckli um mehr als nur eine nette Lesestunde ging, hat er jedem einzelnen Jugendlichen das Buch geschickt – mit einer persönlichen Widmung.

Die Schüler wählten je eine der dreissig Geschichten aus und setzten sie in vier Druckgrafiken um. Bei dieser Technik habe ihm das Einkerben mit der Nadel am besten gefallen, sagt Nils. Auf die Frage, was das Faszinierendste am Projekt gewesen sei, nennen manche in der Runde Kreativität und neue Ideen, Geduld, Sorgfalt, Genauigkeit.

Miteinander mehr erreichen

Und dann erwähnen Soena und Aylin etwas, das die andern bestätigen: «Alle haben einander geholfen, wir haben uns wie eine Familie gefühlt.» Die Klassenlehrerin nennt es so: «Die Schüler unterstützen und inspirieren einander, jeder kann dem andern Vorbild sein.» Sie ist streng, aber sie hat ein grosses Herz. Oft kommen ehemalige Time-out-Schüler auf Besuch und erzählen stolz, wie sie weitergekommen sind. Franziska Stöckli geht es um nichts weniger als «Bildung Mensch». Sie hat zwölf Zeugen.

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