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FRAUENFELD: «Schreck und Schraube»: Ausstellung zeigt, wie Industrie den Thurgau beeinflusst

Diese Woche startet die neue Ausstellung «Schreck & Schraube» des Historischen Museums Thurgau. Die Ausstellung zeigt nicht nur die Vergangenheit, sondern zeigt auf, wie die Geschichte uns auch heute noch beeinflusst.
Ines Biedenkapp
Im Zuge der Industrialisierung waren in den Fabriken immer wieder Frauen- und Kinderhände gefragt, wie hier in der Gemüserüsterei der Firma Maggi. (Bild: PD/Historisches Museum Thurgau)

Im Zuge der Industrialisierung waren in den Fabriken immer wieder Frauen- und Kinderhände gefragt, wie hier in der Gemüserüsterei der Firma Maggi. (Bild: PD/Historisches Museum Thurgau)

Ines Biedenkapp

ines.biedenkapp@thurgauerzeitung.ch

Es riecht nach vergangener Zeit: Eisen, Schmiermittel und Öl. In der ehemaligen Papierfabrikhalle in Bischofszell steht man einer gewaltigen Konstruktion gegenüber: der PM1. Die 37 Meter lange Papiermaschine ist seit 1991 nicht mehr in Benutzung, steht aber auch heute noch für eine längst vergangene Zeit: die industrielle Revolution.

Diesem Thema widmet sich auch das Historische Museum Thurgau mit seiner neuen Ausstellung «Schreck & Schraube». Das Team des Museums verknüpft in seiner Ausstellung die rund 300 Jahre der industriellen Revolution, die weltweite Ausdehnung und die Folgen auf unser heutiges Leben. Vor allem der Thurgau entwickelte sich zu einem wahren Industrie-Kanton. «Vor etwa 100 Jahren haben 50 Prozent aller Erwerbstätigen im Thurgau in der Industrie gearbeitet», weiss Dominik Schnetzer, Kurator der Ausstellung. Doch der neue Fortschritt brachte nicht immer Wohlstand und Reichtum, sondern auch Kinderarbeit und Ausbeutung mit sich.

Verschiedene Themen mit der heutigen Zeit verknüpft

Doch die neue Ausstellung möchte nicht nur die Sicht der Arbeiter oder den Unternehmer einnehmen, sondern knüpft durch verschiedene Elemente an die heutige Zeit an.

So wird die Spinnmaschine «Spinning Jenny» zusammen mit einem Computer ausgestellt. Für viele Historiker stellt sie den Beginn der industriellen Revolution dar. Durch die schnelle und billigere Produktion von Baumwollgarn brachte die neue Erfindung auch Arbeitsplätze im Thurgau in Gefahr. Der Thurgauer Johann Heinrich Mayer hat sich 1817 gar mit einer Schmähschrift gegen die englische Maschine gewehrt. Denn mit der Jenny war es erstmals möglich, mit nur einer Spinnmaschine bis zu 100 Spindeln Garn gleichzeitig zu produzieren. Das sparte Zeit und vor allem auch Arbeitsplätze. Aus Angst den Arbeitsplatz zu verlieren, zerlegten die wütenden Arbeiter die Spinnmaschine oder verwendeten sie gleich als Brennholz. Die Angst den Arbeitsplatz an Maschinen zu verlieren ist daher nichts Neues und immer noch aktuell: Auch heute gibt es immer wieder Diskussionen, dass Computer und Maschinen viele Arbeitsplätze, vor allem in der Industrie, überflüssig machen. Zu der Ausstellung gehört unter anderem ein originalgetreuer Nachbau der Spinnmaschine Jenny. «Ich kann Ihnen verraten, dass es gar nicht so einfach ist, die sechzehn Spindeln in Betrieb zu nehmen», erzählt der Kurator.

Doch die fast 300 Jahre Industrialisierung betreffen alle Aspekte unseres Lebens, damals wie heute. Mit der Industrialisierung kam etwa auch eine neue Zeiteinteilung. Die Menschen waren zuvor gewohnt, ihre Zeiteinteilung der Natur anzupassen. Bei Sonne wurde gearbeitet, war Nacht, wurde geruht. Doch mit dem Fortschritt übergab man den Firmen die Zeiteinteilung. Man war nicht mehr massgebend an die Gesetze der Natur gebunden.

Insgesamt laden zehn verschiedene Kapitel den Besucher dazu ein, das industrielle Kulturerbe der vergangenen Jahrhunderte zu entdecken. Der Thurgau entwickelte sich von einem reinen Landwirtschaftskanton, hin zu einem Textil- und Automobilkanton.

Auch heute noch können viele der Erfindungen und Maschinen aus dem Thurgau der damaligen Zeit entdeckt werden. Die PM1 ist Zeitzeuge, wie die Papiermaschinen die Textilherstellung ablösten oder man erlebt im Typorama, wie sich der Buchdruck aus der Zeit Gutenbergs zu heute verändert hat. Oder man fährt mit einem alten Postauto der Saurer AG durch die Landschaft des Thurgaus.

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