FRAUENFELD: Schmucke Momente der Entschleunigung

Daheim unter dem Christbaum, aber auch im Rathaus, am Glühweinstand oder in den Stadtkirchen: Krippen sind in dieser Zeit allgegenwärtig. Eine Auswahl.

Mathias Frei
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Die Kufsteiner Krippe im Rathaus und Stadtpräsident Anders Stokholm. (Bild: Andrea Stalder)

Die Kufsteiner Krippe im Rathaus und Stadtpräsident Anders Stokholm. (Bild: Andrea Stalder)

Mathias Frei

mathias.frei@thurgauerzeitung.ch

Ein Stück Kufstein in Frauenfeld. Das Kaisergebirge im Hintergrund. Der Stall, wo Maria und Josef Unterschlupf gefunden haben, steht neben einem traditionellen Tiroler Blockhaus. Die Krippe im Rathauseingang ist ein Geschenk der Stadt Kufstein zu Weihnachten 1991, gefertigt vom Verein der Krippenfreunde Kufstein. Die Szenerie vor dem Bergpanorama «holt die Krippe zu uns», sagt Stadtpräsident Anders Stokholm. Er ist Theologe, war früher evangelischer Pfarrer. «Krippen vergegenwärtigen, dass Gott auch für uns Mensch geworden ist.» Die Krippe an sich, so warm und vertraut sie scheine, zeige zugleich die Not der werdenden Eltern Maria und Josef. «Dass Gott von der höchsten Höhe in die tiefsten Tiefen steigt und damit die ganze Welt und alles Leben mit seinen Höhen und Tiefen, seinem Dunkel und seinem Licht umarmt, ist die eigentliche Aussage von Weihnachten», sagt Stokholm.

Krippen sind für viele Menschen auch Schmuck zur Weihnachtszeit. Schön anzuschauen. Um kurz innezuhalten. Wer dieser Tage spazieren geht im Mühletöbeli, kommt auf der Mühletobelstrasse an einer Krippe vorbei. Man bleibt kurz stehen. Dasselbe mit der Krippe bei der Alpini-Hütte im Buebewäldli. Sogar hinter dem Glühweinstand am Schlossberg gibt’s eine Krippe.

Den genretypischen Bild­typus der Krippe gibt es seit etwa 1400. Im Historischen Museum Thurgau im Schloss steht mit der Liebenfelser Weihnachtsgruppe von 1330 ein Krippen-Vorläufer, wie Museums-Vizedirektor ­Dominik Schnetzer erklärt. Die Skulptur aus Eiche stammt aus der Werkstatt von Meister Heinrich aus Konstanz. Er gilt für die Zeit der deutschen Mystik um das Jahr 1300 als prägendster Bildhauer über die Bodenseeregion hinaus. Die Weihnachtsgruppe, die Maria, Josef, das Jesuskind, den Esel und den Ochsen zeigt, gehört zu den für die Mystik typischen Andachtsbildern. Maria wirkt glückselig, während Josef einen besorgten Eindruck macht und wohl dem Motiv der Flucht nach Ägypten zuzuordnen ist. Das Werk stammt aus dem Dominikanerinnenkloster St. Katharinental. Die Ordensfrauen beteten sich vor der Skulptur in ein meditatives Moment.

In den beiden Stadtkirchen sind Krippen mit Schwarzenberger Figuren aufgebaut. Sowohl bei den Katholiken, als auch bei den Reformierten werden die Anlagen wöchentlich umgebaut respektive ergänzt. Speziell an dieser Art von Bibelfiguren ist, dass sie kein Gesicht haben – um sie von ihrem Ausdruck her nicht festzulegen. Sie tragen Kleider aus Stoff und Fell. Die Schwarzenberger Tradition gründet auf einen Kurs in einem katholischen Ausbildungszentrum auf dem luzernischen Schwarzenberg, wo Laien 1964 erstmals solche Figuren fertigten. Auch die Frauenfelder Figuren wurden von hiesigen Kirchbürgern hergestellt.

Die Liebenfelser Weihnachtsgruppe im Schloss. (Bild: Andrea Stalder)

Die Liebenfelser Weihnachtsgruppe im Schloss. (Bild: Andrea Stalder)

In der katholischen Stadtkirche. (Bild: Mathias Frei)

In der katholischen Stadtkirche. (Bild: Mathias Frei)

In der evangelischen Stadtkirche. (Bild: Mathias Frei)

In der evangelischen Stadtkirche. (Bild: Mathias Frei)