FRAUENFELD: Reduktion weit unter Erwartungen

Mit umweltschonenderem Güllen hätten die Ammoniakemissionen in der Landwirtschaft um 20 Prozent gesenkt werden sollen. Die Messlatte lag aber zu hoch. Ein sechsjähriges Pilotprojekt erzielte eine Reduktion um 8 Prozent.

Silvan Meile
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Mit dem Schleppschlauch tragen die Bauern die Gülle direkt auf den Boden auf. Das gibt weniger Ammoniak und Geruch in die Luft ab. (Bild: Nana do Carmo)

Mit dem Schleppschlauch tragen die Bauern die Gülle direkt auf den Boden auf. Das gibt weniger Ammoniak und Geruch in die Luft ab. (Bild: Nana do Carmo)

FRAUENFELD. Ein grosser Anteil des Ausstosses von Ammoniak verursacht die Landwirtschaft, vor allem beim Güllen. Das belastet die Umwelt. Um die Emissionen dort zu senken, lancierten Bund und Kanton im Jahr 2008 das Ressourcenprojekt Ammoniak. Die Gülle soll nicht mehr durch die Luft spritzen, sondern über sogenannte Schleppschläuche direkt in den Boden ausgetragen werden. Das ist einerseits umweltschonender, anderseits stinkt diese Variante deutlich weniger. «Die Massnahmen zielten auf die für die Landwirtschaft relevanten Bereiche wie Boden, Wasser, Luft, Biodiversität oder Energie», schreibt der Regierungsrat in einer gestern veröffentlichten Stellungnahme zum Schlussbericht des Projekts.

Thurgauer Erfahrung für Bund

In einem sechsjährigen Pilotprojekt flossen knapp zehn Millionen Franken an Fördergeldern zur Thurgauer Landwirtschaft, die sich für umweltschonenderes Güllen entschied. Das Ziel des Projektes war, den Ammoniakausstoss in der Landwirtschaft um 20 Prozent zu senken. «Das Ziel wurde nur teilweise erreicht», sagt Ueli Bleiker, Chef des Thurgauer Landwirtschaftsamtes. Nur auf acht Prozent wird die erzielte Reduktion errechnet. «Das sind 240 Tonnen Ammoniak pro Jahr und bedeutet trotzdem ein enormer Beitrag der Landwirtschaft an den Umweltschutz», hebt der kantonale Landwirtschaftschef hervor. Wie es im Bericht des Regierungsrates heisst, seien die Annahmen und Zielsetzungen im Nachhinein betrachtet nicht realistisch gewesen. «Es gab keine Erfahrungswerte», sagt Bleiker. Solche flossen nun für angepasste Berechnungsmodelle aus dem Pilotkanton Thurgau in das Bundesprojekt.

Auch wenn die gesteckten Ziele des Pilotprojekts nur teilweise erfüllt wurden, beim Kanton sieht man das Erreichte generell positiv. 40 Prozent der Thurgauer Landwirte würden heute ihre Gülle mit den umweltschonenderen Schleppschläuchen austragen, sagt Bleiker. Auch die Reduktion der Geruchsemissionen sei als Erfolg zu werten. Im schweizweiten Vergleich des schonenden Güllens weise der Thurgau einen absoluten Spitzenwert auf, an den kein Kanton nur annähernd herankomme. Das gründet aber vor allem darin, dass der Thurgau als Pilotkanton des Bundes fungierte und dadurch das Thema umweltschonendes Güllen hier schon seit Jahren forciert wird.

Zahlen eingebrochen

Das Ressourcenprojekt Ammoniak führte im Thurgau aber auch schon zu verärgerten Bauern. Als das sechsjährige Projekt 2013 auslief, fühlten sich viele Landwirte, die aufs umweltschonendere Güllen setzten, betrogen. Denn als das Pilotprojekt in das für alle Kantone gültige Bundesprojekt überging, verschlechterten sich die Bedingungen, die Fördergelder wurden weniger. Das führte im Jahr 2014 dazu, dass sich zahlreiche Thurgauer Bauern wieder vom Güllen mit Schleppschläuchen verabschiedeten.

Nur ein kurzfristiger Einbruch sei das gewesen, sagt Bleiker. Heute sei man wieder auf dem Stand von 2013, als das Pilotprojekt auslief. Das beutetet: 800 von 2200 Direktzahlungsberechtigten machen im Thurgau am Bundesprojekt mit. Die Fördergelder sind jedoch zusammenschrumpft. Statt 1,5 Millionen Franken werde nach den Spielregeln des Bundesprojekts noch rund 1 Million pro Jahr im Thurgau ausbezahlt, wie Landwirtschaftschef Bleiker erklärt. Dieses für alle Kantone gültige Projekt zur Minderung der Ammoniakemissionen läuft bis 2021. Wie es danach weitergeht, ist derzeit noch ungewiss.