FRAUENFELD: «Radikale fallen sofort auf»

Die Islamische Gemeinschaft baut neben der Zuckeri eine Moschee. Öffentlicher Skepsis und Angst vor Radikalisierungen begegnet sie mit Transparenz.

Samuel Koch
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Xhelil Ramadani im Gebetsraum der heutigen Moschee. (Bild: Donato Caspari)

Xhelil Ramadani im Gebetsraum der heutigen Moschee. (Bild: Donato Caspari)

Der 50-jährige Baupolier und zweifache Familienvater Xhelil Ramadani aus Elgg präsidiert seit zwei Jahren die Islamische Gemeinschaft Frauenfeld.

Bald beginnt der Bau der neuen Moschee. Ihre Vorfreude muss enorm sein.

Die Sehnsucht ist gross. Ich kann es kaum erwarten, am 10. Dezember mit allen den Spatenstich zu feiern.

Wie wird die Moschee heissen?

Mesxhidi-Nur – Moschee des Lichts. Das haben unsere Mitglieder so bestimmt und so heisst schon die jetzige Moschee, in welcher wir seit 15 Jahren beten.

Es ist ihr dritter Anlauf, klappt es diesmal?

Wir sind guten Mutes. Diese Woche wird der Aushub gemacht. Je nach Strenge des Winters können wir im Januar oder im Februar mit dem Bau beginnen.

1,6 Millionen Franken sind aber ein grosser Lupf.

Ja. Deshalb haben uns viele Mitglieder ihre Mithilfe angeboten. Wir bezahlen nur das Material, die Arbeiten machen wir selbst. Dann wird jeder stolz sein, seinen Teil dazu beigetragen zu haben. Einzig für die Betonierung des Rohbaus suchen wir noch Spender, weshalb wir am Spatenstich einen Spendentopf aufstellen.

Wie sind die Pläne für die Moschee entstanden?

Das haben schon unsere Vorgänger aufgegleist. Seither sparen wir darauf. Schritt für Schritt haben wir darauf hingearbeitet.

Worauf freuen Sie sich am meisten?

Die Moschee wird moderner und bietet mehr Platz. Im jetzigen Gebetsraum haben nur 50 Personen Platz und alles ist spärlich und improvisiert eingerichtet. Zudem sind die Frauen heute noch benachteiligt, sie sollen aber im Neubau eigene Räumlichkeiten bekommen.

Lohnen sich die Investitionen?

Momentan bezahlen wir monatlich 5000 Franken Miete, hochgerechnet auf 15 Jahre machen sich die Investitionen für den Neubau langfristig bezahlt.

Wie finanziert sich die Islamische Gemeinschaft?

Unsere Mitglieder bezahlen monatlich 30 Franken. Es ist ein symbolischer Beitrag, quasi einen Franken pro Tag.

Haben denn nur Mitglieder Zutritt zur Moschee?

Nein. Moscheen sind Gotteshäuser wie Kirchen und so jederzeit offen für alle. In unserer Gemeinschaft mit vielen Mitgliedern aus Albanien waren auch schon Asylsuchende zu Gast oder Moslems aus Pakistan oder Malaysia. Die Gebete der Imame sind sowieso überall gleich, auf Arabisch.

Immer wieder wird medial verbreitet, dass sich Saudi-Arabien auch in der Schweiz mit Geld Einfluss kauft.

Das ist mir neu. Klar könnten wir für den Bau noch Geld brauchen. Kaufen lassen wir uns aber nicht, denn wir haben jetzt so lange für unsere Moschee gekämpft.

Wer bestimmt den Imam, der in Frauenfeld predigt?

Unsere Mitglieder wählen ihn demokratisch, wie auch mich. Er kam in den 80ern in die Schweiz, und er ist für den Bau von mittlerweile drei Moscheen mitverantwortlich. Nach Winterthur und Wil nun auch in Frauenfeld.

Die Winterthurer An-Nur-Moschee stand zuletzt unrühmlich in den Schlagzeilen.

Bei uns predigen nur Imame, die von den Behörden die Arbeitsbewilligung erhalten haben. Das Verhältnis zwischen Imam und der Gemeinschaft muss harmonieren. Sonst funktioniert es nicht, und es gibt nur Probleme.

Hat in Frauenfeld noch nie ein Imam als Gast gepredigt?

Nein. Hier sprechen nur Imame, die wir kennen. Dafür gibt es ein Bewerbungsgespräch. Wenn er dabei durchfällt, predigt er nicht.

Haben Sie keine Angst, dass sich Mitglieder Ihrer Gemeinschaft radikalisieren?

Nein, aber ausschliessen und kontrollieren lässt es sich nie. Unsere Gemeinschaft ist wie eine grosse Familie. Da würde es sofort auffallen, wenn sich jemand radikalisieren würde.

Sind Sie dann nicht machtlos?

Schwierig zu sagen. Ich habe glücklicherweise noch keine Erfahrungen damit gemacht. Ich glaube aber, dass man einen Radikalen nicht ausstossen, sondern ihn wieder auf den richtigen Weg führen muss. Sonst besteht die Gefahr, dass er noch andere mitzieht. Wir wollen hier nichts Illegales, noch viel weniger als der Staat.

Es gibt viel Skepsis und Gegner der Moschee in Frauenfeld. Wie reagieren Sie darauf?

Es gibt überall und gegen alles Gegner, das ist in unserer Gesellschaft normal.

Zuletzt sind einige islamfeindliche Flugblätter im Umlauf gewesen.

Wenn jemand den Islam kennt und sich kritisch äussert, ist das sein gutes Recht. Viele verurteilen uns aber haltlos, das können wir nicht ernst nehmen.

Wie geben Sie Gegensteuer?

Wir möchten allen den richtigen Islam zeigen. Kritiker sind bei uns jederzeit willkommen. Wichtig scheint mir auch, dass sich bereits Kinder mit dem Islam auseinandersetzen. Ein albanisches Sprichwort besagt: Solange der Hund klein ist, kannst du ihm die Ohren schneiden. Wenn er dann gross ist, beisst er dich.

Fühlt sich Ihre Gemeinschaft in Frauenfeld akzeptiert?

Sicher. Wir sind dankbar für einen Ort, an dem wir uns treffen können. Wir sehen uns auch als Bereicherung für die Stadt und spüren die moralische Unterstützung der Behörden.

Wie schaffen Sie noch mehr Akzeptanz?

Mit offener Kommunikation und Transparenz. Das Ziel muss es sein, Gebete in Zukunft auch auf Deutsch zu sprechen, damit sie alle verstehen und einordnen können. Mit unserer neuen Moschee öffnen wir uns noch mehr. Dort wollen wir dann auch Tage der offenen Moschee durchführen.

Die Visualisierung zeigt die geplante Moschee an der Gewerbestrasse. (Bild: PD)

Die Visualisierung zeigt die geplante Moschee an der Gewerbestrasse. (Bild: PD)