FRAUENFELD: Personalsuche wird aufwendiger

Die Spital Thurgau AG hat letztes Jahr 1,9 Prozent mehr Fälle behandelt und einen Überschuss von 4,7 Millionen Franken erzielt. Die Kundenzufriedenheit ist gut. Gutes Personal zu finden, ist schwieriger geworden.

Thomas Wunderlin
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Beim alten Parkplatz des Spitals Frauenfeld werden Bäume gerodet, um Platz für den Neubau zu schaffen. (Bild: Andrea Stalder)

Beim alten Parkplatz des Spitals Frauenfeld werden Bäume gerodet, um Platz für den Neubau zu schaffen. (Bild: Andrea Stalder)

FRAUENFELD. Gemäss dem gestern veröffentlichten Geschäftsbericht 2015 muss die Spital Thurgau AG mehr Aufwand für die Personalrekrutierung betreiben. «Echt schwieriger» geworden sei es, Spezialisten mit Führungseigenschaften zu finden, heisst es in einer Medienmitteilung. Im Vergleich mit anderen Spitälern spürt die Spital Thurgau AG die Engpässe im Personalbereich jedoch weniger. Zurückgeführt wird dies auf das gute Image, das die Spital Thurgau AG geniesse.

Die Personalfluktuation ist um 1,8 Prozentpunkte auf 13,9 Prozent gesunken. Im Branchenvergleich ist das laut dem CEO der Spital Thurgau AG, Marc Kohler, gut: «Typisch ist ein Wert von 18 bis 19 Prozent.» Bei der Kantonsverwaltung beläuft sich die Fluktuation auf 5,2 Prozent; bei einem Spital sind die Werte systembedingt höher, da die Ausbildungsstellen von Assistenz- und Oberärzten und des Pflegepersonals mitgerechnet werden.

Private drücken sich

Erschwert wird die Personalsuche durch die Nacht- und Wochenenddienste. Gemäss Geschäftsbericht sind sie bei der Spital Thurgau AG «quasi der Normalfall». Besonders das erfahrene Personal sei davon zusätzlich betroffen. Die Belastung steige dauernd, weil sich andere Gesundheitsdienstleister immer mehr aus diesen Pflichten zu verabschieden versuchten «und sie dabei von der Politik eher unterstützt werden».

Zudem fallen in den Randzeiten mehr Behandlungen an, die wenig kosten. Die Privatärzte können hingegen die teureren Leistungen tagsüber zur Normalzeit erbringen.

Der Drang deutscher Ärzte in die Schweiz hat nachgelassen. Vermehrt treten osteuropäische Ärzte an ihre Stelle. Wer bei der Spital Thurgau AG arbeitet, der muss «anständig Deutsch reden», sagt der CEO. «Das schaffen wir.» Schweizerdeutsch sprechen wird nicht verlangt. Kohler versichert aber, dass die Neuankömmlinge «relativ schnell» Schweizerdeutsch verstehen.

Die Spital Thurgau AG hat 2015 einen Überschuss von 4,778 Millionen Franken bei einem Umsatz von 496 Millionen Franken erzielt. Die vom Bundesrat verordnete Tarmed-Taxpunktreduktion bewirkte für die Spital Thurgau AG laut Geschäftsbericht «markante Ertragsminderungen». Die behandelten stationären Fälle in den beiden Spitälern Frauenfeld und Münsterlingen sind um 1,9 Prozent gestiegen. Auch die Vollzeitstellen sind um 76 auf 2340 gestiegen. Verteilt sind sie auf 3153 Personen, dazu 411 Lehrlinge. 37 Prozent sind Ausländer. Das Verhältnis Frauen zu Männer beträgt 3:1. Auch bei den Ärzten allein sind die Frauen mit 286 zu 267 leicht in der Überzahl.

Die Spital Thurgau AG schüttet eine Dividende von 600 000 Franken an die Holdinggesellschaft Thurmed AG aus. Die Thurmed AG ihrerseits liefert eine Dividende von 1,52 Millionen Franken an den Alleinaktionär, den Kanton Thurgau, ab. Als Vertreter des Kantons hat Finanzdirektor Jakob Stark gestern morgen an der halbstündigen Generalversammlung teilgenommen. Laut Kohler, der als Protokollführer amtierte, handelt es sich um einen «formellen Anlass, die Inhalte wurden in Sitzungen zuvor intensiv besprochen».

Anfang 2015 hat der Kanton die Spitalliegenschaften mit Ausnahme der Klinik St. Katharinental der Thurmed Immobilien AG übertragen. Die Spital Thurgau mietet nun die Liegenschaften von der Thurmed Immobilien; beide Firmen sind Töchter der Thurmed-Holding. Als nächstes Grossprojekt steht der Neubau des Spitals Frauenfeld an. Am Mittwoch sind dafür die Bäume auf dem alten Parkplatz gefällt worden.

Hauseigene ICT-Abteilung

Die Thurmed-Gruppe verfügt nun über eine eigene Abteilung für Immobilienbau und -unterhalt. Analog hat sie seit längerem eine Einheit für Informations- und Kommunikationstechnik (ICT), die für Spitäler immer wichtiger wird. Laut Kohler ist die hauseigene ICT schweizweit führend. «Wir haben Systeme gewählt, die sich am Markt durchgesetzt haben.» Als Beispiel nennt er das Klinikinformationssystem mit den Patientendaten: «Er ist auf die Bedürfnisse unseres Spitals zugeschnitten.»