Open Air Frauenfeld verbannt Bargeld vom Festival

Auf das kommende Jahr stellt das Open Air Frauenfeld als letztes grosses Schweizer Festival auf ein sogenanntes Cashless-System um. Das bringt nicht nur Vorteile für den Veranstalter, sondern auch für die Besucher.

Samuel Koch
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2018 rappt der US-Amerikaner Wiz Khalifa bereits zum dritten Mal auf der Bühne der Grossen Allmend. (Bild: Urs Jaudas (11. Juli 2014))

2018 rappt der US-Amerikaner Wiz Khalifa bereits zum dritten Mal auf der Bühne der Grossen Allmend. (Bild: Urs Jaudas (11. Juli 2014))

Bisher zählte auf der Grossen Allmend: «Nur Bares ist Wahres». Für das Open Air Frauenfeld (OAF) im kommenden Juni stellt der Veranstalter nun aber auf das bargeldlose System Cashless um. So müssen alle Besucher ihre Einkäufe innerhalb des Festivalgeländes – ob Verpflegung oder Non-Food – ohne Bargeld abwickeln. Mittlerweile betreiben fast alle grossen Schweizer Festivals Cashless-Systeme – etwa das Open Air St.Gallen, das Zürich Open Air oder das Bündner Open Air Lumnezia. Einzig das Berner Gurten-Festival stellte nach Problemen im Einführungsjahr wieder auf Bargeld um, nachdem sämtlicher Zahlungsverkehr auf dem Festival-Gelände ins Stocken kam.

Bei anderen Festivals bewährt

Dass nun auch auf der Grossen Allmend bargeldlos geschäftet wird, hat verschiedene Gründe. «Erfahrungen anderer Festivals haben gezeigt, dass sich das Zahlungssystem bewährt hat und auch bei den Besuchern positiv ankommt», sagt René Götz, Geschäftsführer des Open Air Frauenfeld. Erst kürzlich beim Treffen des Branchenverbands der professionellen Schweizer Konzert-, Show- und Festivalveranstalter, bei dem das OAF Mitglied ist, hat Götz und sein OK-Team «nur Gutes gehört». Bereits vor einem Jahr fand auf der Grossen Allmend ein Cashless-Testlauf bei der Helferverpflegung statt. «Zudem waren schon alle Verkaufsstellen mit dem System ausgerüstet», sagt Götz. Insgesamt blickt er zuversichtlich auf die Umsetzung.

Um auf dem Festival-Gelände an einem der Stände ohne Bargeld zu bezahlen, bekommt jeder Besucher beim Eingang eine Karte, die drei Franken Depot kostet. Wer sich aber vorgängig online registriert, kann bereits Guthaben darauf speichern und erhält beim Eingang die Karte ohne Depot. «Auf dem Gelände lässt sich die Bezahlkarte an einem der Geldautomaten oder einfach über das Smartphone aufladen», meint Götz. Einziger Haken: Der Maximalbetrag auf der Karte beträgt insgesamt 250 Franken. «Diesen Betrag verdoppeln wir in den nächsten Tagen, nach Rücksprache mit dem Veranstalter des Open Airs St.Gallen sowie auf Empfehlung der Eidgenössischen Finanzmarktaufsicht.»

Open Air zahlt verbleibendes Guthaben zurück

Insgesamt lässt sich der Veranstalter das neue Zahlungssystem einen tiefen sechsstelligen Frankenbetrag kosten, wie Götz verrät. Das OAF darf damit in Zukunft dafür mit mehr Umsatz rechnen. Gleichzeitig würden aber auch die Kosten steigen, meint Götz. Und dass der Veranstalter mit liegen gebliebenen Guthaben vergesslicher Besucher Kasse macht, verneint er. «Sämtliches auf den Karten verbleibendes Geld wird nach dem Open Air automatisch zurückbezahlt», sagt er. Wer sich nämlich registriert, kann dabei online auch seine persönlichen Bankangaben hinterlegen. «Wir profitieren höchstens vom Depot von verloren gegangenen Karten oder von solchen, welche die Karte als Andenken behalten wollen», sagt Götz. Sich für die Folgejahre Guthaben anzusparen, ist nicht möglich.

Summa summarum überwiegen für den Veranstalter, aber auch für die Besucher die Vorteile. «Für uns verbessert sich einerseits das Geldmanagement, andererseits das Reporting», sagt Götz. Es sei in Zukunft nicht mehr nötig, ständig Unmengen Bargeld auf die Bank zu bringen, «und wir erhalten detailliertere Zahlen, was, wo, wann gekauft wird». An den Ständen könne speditiver gearbeitet werden, was wiederum die Wartezeiten für die Besucher verkürze. Zudem schützte das System die Besucher besser vor Diebstahl, wie Götz meint. «Wer nämlich seine Karte verliert, kann sie sofort sperren lassen und das Guthaben auf eine neue Karte übertragen.» Sofern er sich vorgängig beim Veranstalter registriert.

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