FRAUENFELD: Old Schmetterhand

Roland Prisi ist Weltmeister im Tischfussball. Er hat blitzschnelle Hände, Feingefühl und behält immer einen kühlen Kopf. Dafür hat Panini ihn sogar mal in einem Album verewigt.

Donat Beerli
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An der WM in Hamburg abgeräumt: Roland Prisi mit den gewonnenen Medaillen und Pokalen im Keller seines Hauses. (Bild: Donato Caspari)

An der WM in Hamburg abgeräumt: Roland Prisi mit den gewonnenen Medaillen und Pokalen im Keller seines Hauses. (Bild: Donato Caspari)

Donat Beerli

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@thurgauerzeitung.ch

Wenn Roland Prisi so weiter spielt, muss er sich bald eine neue Glasvitrine zulegen. Oder für sein Tischfussballmuseum einen zweiten Keller bauen. Im Untergeschoss seines Hauses hat der 52-jährige Frauenfelder über 300 Pokale, zwei Tschüttelikästen und drei Fitnessgeräte stehen. Fitnessgeräte? «Tischfussballer brauchen eine gute Physis», sagt der stämmige Zwei-Meter-Hüne mit einem Lächeln. «Ich müsste aber mehr an mir arbeiten.» Nötig scheint er es nicht zu haben. Vor einem Monat hat er an der Tischfussball-­Weltmeisterschaft in Hamburg vor 500 Zuschauern gross ­abgeräumt. Weltmeister im Senioreneinzel, Zweiter im Teamwett­bewerb mit der National­mannschaft, Dritter im Seniorendoppel. Er ist ausserdem amtierender Schweizer Meister im Einzel und Doppel, amtierender deutscher Meister sowie Europameister im Doppel in der Kategorie der über 50-Jährigen. «So gut war ich noch nie in meinem Leben», sagt Prisi.

In Mutters Beiz gegen deren Gäste gewonnen

Angefangen hat alles in der Beiz der Mutter. Wenn er gegen deren Gäste gewann, spendierten sie ihm ein Rivella. «Besiegte mich der Gegner, bezahlte die Mutter ihnen ein Bier», erzählt Prisi. Jahre später, Prisi war mittlerweile 27, gewann er ein Ticket für die Tischfussball-EM. «Als Zuschauer hatte ich gemeint», doch sein Name stand auf der Startliste. Gerade mal ein Spiel gewann er. Viel wichtiger aber; er gewann ­einen Mentor. Bernhard Kropf, Frauenfelder und Schweizer Meister, nahm ihn unter seine Fittiche. «Ich habe ihm viel zu verdanken», sagt Prisi. Ein Jahr später feierten die beiden im Teamwettbewerb bereits den ­ersten Schweizer-Meister-Titel. «Ausgelacht hat mich spätestens da niemand mehr», sagt Prisi stolz.

Seither gehört er zur Tischfussball-Elite der Welt. Und wer gut ist, wird begehrt. In Italien, wo es über 10000 lizenzierte Spieler gibt, hat ihn, den Schweizer mit den flinken Händen, mal ein Team gekauft. Gezahlt hat man ihm dafür jeweils Reise- und Hotelkosten. Und er wurde in einem Panini-Album für Tischfussballer abgebildet. Geld hat er trotzdem nie verdient. Es gebe auf der ganzen Welt nur jemanden, der auch dank Show-Matches sein Geld mit Tschüttele mache. «Mein Lohn sind spezielle Augenblicke», sagt Prisi. «So wie in Hamburg, als die Schweizer Hymne gespielt wurde.»

Wer Prisi nach seinem Erfolgsrezept fragt, bekommt folgende Antwort: «Koordination, Reaktion, taktische und technische Raffinesse – und vor allem eins: 50 Prozent ist Kopfsache.» Prisi weiss, dass er gut ist, das hilft. «Ich kann in jedem Spiel ­zurückkommen.» Was ihn noch ausmacht, ist seine Flexibilität. Die WM in Hamburg wurde im Multi-Table-Modus gespielt. Heisst, die Duelle werden an fünf verschiedenen Tischen ausge­tragen. Jeder Spieler habe seinen bevorzugten Tisch, sagt Prisi. Er selbst könne nicht mal sagen, wo er am besten spiele.

Nur einen kann er nicht schlagen

Seine Titel gewinnt er zwar mittlerweile in der Ü50-Kategorie, der Weltverband wolle das so. Er schlage aber nach wie vor jeden. So erzählt er zu jedem Top-10-Spieler der aktuellen Weltrangliste eine kleine Siegesgeschichte. Nur an einem Amerikaner habe er sich bis jetzt noch immer die Zähne ausgebissen. Der spielt ­sogar für den Thurgauer mit den flinken Händen zu gut.