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FRAUENFELD: "Obstgarten"-Einsturz: "Tragisch, was passiert ist"

Gabriel Müller ist Architekt und Experte für alte Bausubstanz. Er kann sich nicht erklären, warum ein Teil des ehemaligen Restaurants Obstgarten beim Umbau eingestürzt ist. Aus seiner Sicht würde sich aber lohnen, das Gebäude wieder aufzubauen.
Ida Sandl
Ein Teil des Fundaments ist eingestürzt, dabei kam ein Arbeiter ums Leben. (Bild: Thi My Lien Nguyen (10. Oktober 2017))

Ein Teil des Fundaments ist eingestürzt, dabei kam ein Arbeiter ums Leben. (Bild: Thi My Lien Nguyen (10. Oktober 2017))

Ida Sandl

ida.sandl@thurgauerzeitung.ch

Ein Monat nach dem tödlichen Unfall kursieren Gerüchte: Schuld am Einsturz des «Obstgarten» sei, dass nur ein Teil des Gebäudes unterkellert war.

Herr Müller, Sie haben rund 120 alte Gebäude saniert. Ist dabei jemals ein Hausteil eingestürzt?

Bisher zum Glück noch nicht. Alte Häuser sind in der Regel sehr stabil. Manchmal habe ich den Eindruck, so ein Haus hält allein schon aus Gewohnheit.

Wie meinen Sie das genau?

Was einige hundert Jahre Bestand hat, fällt nicht so einfach in sich zusammen. Manchmal staune ich, wie gut die Konstruktionen halten, obwohl damals wenig statisch berechnet wurde.

Die Statik bei alten Häusern ist also nicht problematischer als bei neuen Gebäuden?

Den Eindruck habe ich. Unser Büro macht nicht nur Sanierungen, sondern auch Zustandsanalysen für historische Gebäude. Meine Erfahrung ist: Alte Häuser sind gutmütig, was den Umbau betrifft.

Beim «Obstgarten» ist ein Teil eingestürzt. Ein Arbeiter starb. War die teilweise Unterkellerung schuld?

Das Objekt kenne ich nur von aussen und finde es tragisch, was passiert ist. Dass aber bei alten Gebäuden nur Teile unterkellert sind, ist nicht aussergewöhnlich. Das kommt häufig vor. Ein Gebäude sieht im Laufe der Jahrhunderte einige Handwerker. Da wird angebaut, es werden Wände herausgenommen. Da zieht sich der Keller oft nicht ganz durch.

Die teilweise Unterkellerung ist also nichts speziell Heikles bei einem Umbau?

Eigentlich nicht. Das ist mehr oder weniger Routine. Jeder Ingenieur mit Erfahrung im Alt- bau kann das beurteilen und berechnen. Viel öfter kommt vor, dass ein Zwischenboden oder das Dach morsch ist und durchbricht.

Welche Rolle spielt die Epoche, in der gebaut wurde, welche Materialien eingesetzt wurden?

Wichtig ist, wofür und von wem gebaut wurde; einfache landwirtschaftliche Bauten haben eine andere Bauqualität als die Villa eines Unternehmers. Der «Obstgarten» war Quartierbeiz und darin war das Hubemer Gemeindesäli. Die Wirtschaft wurde 1858 eröffnet – das war ein wichtiges Haus und vermutlich solide.

Haben Sie eine Vermutung, warum ein Teil vom «Obstgarten» eingestürzt ist?

Nein. Ich kann es mir nicht erklären, was da passiert ist.

Was sind kritische Punkte bei einer Altbausanierung?

Mein erster Kontrollblick gilt immer dem Dach: Ist es dicht? Wenn das Dach kompakt und geschlossen ist, kann einem alten Gebäude eigentlich nichts passieren.

Warum ist das Dach wichtig?

Durch ein undichtes Dach dringt Regen ein. Wasser ist der grösste Feind des Mauerwerks und der Holzkonstruktion. Deshalb ist der zweite kritische Punkt ein feuchter Keller, besonders wenn dort Gerümpel gelagert ist. Das ist der ideale Nährboden für den Hausschwamm. Ein Pilz, der das Holz angreift und zerstört.

Im Gemeinderat wurde schon vor dem Einsturz kritisiert, der «Obstgarten» zerfalle.

Grundsätzlich darf man sich vom äusseren Eindruck nicht täuschen lassen. Eingeschlagene Fenster sagen noch nichts über die Bausubstanz aus.

Was denken Sie, ist der «Obstgarten» noch zu retten?

Ich bin klar der Meinung: Ja. Dieses geschichtsträchtige Haus ist die letzte Baute des Ortes Vorder- huben und damit ein letzter Zeuge der Baugeschichte im Quartier. Der «Obstgarten» hat den Erhalt klar verdient.

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