FRAUENFELD: Nur der Garten hat gelitten

In ihrem Amtsjahr hat die scheidende Gemeinderatspräsidentin Ursula Duewell viele engagierte Menschen kennen gelernt. Den Freitagabend will sich die FDP-Politikerin bald wieder für die Familie freihalten.

Mathias Frei
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Ursula Duewell in ihrem Garten, den sie zuletzt vernachlässigen musste. (Bild: Andrea Stalder)

Ursula Duewell in ihrem Garten, den sie zuletzt vernachlässigen musste. (Bild: Andrea Stalder)

Mathias Frei

mathias.frei@thurgauerzeitung.ch

Neun Gemeinderatssitzungen, zwölf Rücktritte. «Eine meiner Aufgaben bestand darin, Gemeinderatskolleginnen und -kollegen zu verabschieden», stellt Ursula Duewell trocken fest. So viele Wechsel innert eines Präsidiums gab es zumindest in jüngerer Vergangenheit noch nie. Diesem Umstand ist Verschiedenes geschuldet. Die seriöse, unaufdringliche Amtsführung der FDP-Politikerin war sicherlich kein Grund dafür. Vor einem Jahr wurde die Betriebsökonomin und Familienfrau zur höchsten Frauenfelderin gewählt, in der morgigen Ratssitzung gibt sie das Amt turnusgemäss wieder ab.

«Es war ein spannendes Jahr. Ich habe eine Vielzahl von Vereinsanlässen besucht und so erfahren, wie viele Menschen sich für unsere Stadt und das Gemeinwohl einsetzen», sagt Duewell. Diese Begegnungen würden ihr positiv in Erinnerung bleiben.

Mutter und Tochter an Jungbürgerfeier

Die 55-Jährige, die schon seit jeher mit ihrem Ehemann regelmässige Frauenfelder Kulturbesucherin ist, lernte im Amtsjahr aber auch neue Seiten der Kantonshauptstadt kennen. Eindrücklich seien die militärischen Veranstaltungen gewesen, zu denen sie eingeladen war. Am Open Air war sie zuletzt 1998, als The Rolling Stones spielten. Als höchste Frauenfelderin war sie vergangenen Sommer wieder auf der Grossen Allmend. «Die Musik war nicht meins. Aber ich habe viele junge Menschen gesehen, die friedlich gefeiert haben.» Speziell sei die Jungbürgerfeier gewesen, weil sich ihre Tochter unter den Jungbürgern befand. Und auch die beiden Frauenfelder Bundesfeiern hat Duewell neu erlebt, weil sie sowohl in der Festhalle als auch im AZP-Park als Rednerin aufgetreten ist.

Sie sei zwar viel unterwegs gewesen. «Aber meine Familie hat nicht unter dem Amt gelitten», sagt die scheidende Präsidentin. Nur den Freitagabend, der bislang dem Ehemann, der Tochter und den zwei Söhnen vorbehalten war, musste sie des Öfteren opfern. Das soll ich aber nun wieder ändern. Richtig gelitten habe wohl nur der Garten, mutmasst Ursula Duewell. Für das Jäten und Zurückschneiden blieb in den vergangenen zwölf Monaten zu wenig Zeit übrig.

Sie habe erlebt, dass es die Leute schätzten, wenn sie als höchste Frauenfelderin an einer Veranstaltung präsent war. Nur zwei- oder dreimal habe sie Einladungen ablehnen müssen, weil sie sich nicht zweiteilen konnte.

Hitzige Diskussionen gemeistert

Duewell meisterte die neun Ratssitzungen mit Bravour. Hitzigere Diskussionen waren den Themen geschuldet, zum einen an den zwei Sitzungen zur Wärme Frauenfeld AG, zum anderen an der Budgetsitzung. Den präsidialen Stichentscheid musste sie aber nie beanspruchen. Beim Wärmering habe man die Vergangenheit aufarbeiten müssen. «Nun können wir hoffentlich in die Zukunft blicken.» In der Budgetsitzung habe sie irritiert, dass bisweilen um wenige tausend Franken debattiert worden sei. Das enge die Kreativität der Stadtverwaltung ein, findet sie. «Es ist schade, dass der Stadtrat ein wenig den Mut verloren hat, um Entscheide zu treffen.» Sie wünsche sich, dass das Stadtparlament von den Fronten wegkomme und wieder vermehrt zukunftsorientierte Entscheide fälle.

Morgen Abend steigt Ursula Duewell vom präsidialen Bock wieder in den normalen Ratsbetrieb hinunter. «Ich werde dem Amt nicht nachtrauern», sagt sie. Denn nun darf sie auch wieder öffentlich politisieren. Und die Politarbeit wird ihr definitiv nicht ausgehen. Duewell wurde während ihrem Amtsjahr zur Präsidentin der Geschäftsprüfungskommission Gesellschaft und Gesundheit gewählt. Zudem hat sie seit kurzem auch Einsitz in der Spezialkommission «Teilrevision Gemeindeordnung und Geschäftsreglement des Gemeinderats».