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FRAUENFELD: Nach B und A geht nun auch H

Christian Herrmann, der dritte Gründer der Ingenieurfirma BHAteam geht in Pension. Der Schwyzer kam als frischdiplomierter Kulturingenieur vor gut 40 Jahren in den Thurgau – für zwei Wochen, wie er damals meinte.
Stefan Hilzinger
Christian Herrmann ordnet Unterlagen in seinem Büro bei der Firma BHAteam in Frauenfeld. (Bild: Donato Caspari)

Christian Herrmann ordnet Unterlagen in seinem Büro bei der Firma BHAteam in Frauenfeld. (Bild: Donato Caspari)

Stefan Hilzinger

stefan.hilzinger@thurgauerzeitung.ch

Wenn die in Berlin das wüssten. In Frauenfeld gibt es jemanden, der Flugplätze baut und damit auf Termin fertig wird: Christian Herrmann vom Ingenieurbüro BHAteam. «In Qatar war es so: Der Flugplatz musste vor den Asia Games 2006 fertig sein.» Also sorgt der Ingenieur aus dem Thurgau als Oberbauleiter dafür, dass die holländische Baufirma nicht betoniert, bevor die schwedischen Spezialisten die Leitungen für die Pistenbefeuerung gelegt haben. «Das war unser wichtigster Job: Ordnung in die Abläufe zu bringen.»

Das ist nur eine der vielen Geschichten, die Herrmann aus seinem Leben als Rechner und Planer von Strassen und Gebäuden erzählt. Jetzt, im Alter von 67 Jahren, ist er nach Franz Bernhard und Max Arnold der dritte der namensgebenden Gründer des Ingenieurbüros, der nach und nach kürzer tritt. Als Präsident des Verwaltungsrates bleibt er der Firma erhalten und auch als Senior-Berater für die mittlerweile hundertköpfige Belegschaft.

Ein Innerschweizer vom Zürichsee

Herrmann ist Innerschweizer aus Pfäffikon SZ am Zürichsee. Aufgewachsen ist er als eines von acht Kindern einer Bauunternehmer-Familie. «Als Bub bin ich mit dem Vater auf seinem Willys Jeep auf die Baustellen mitgefahren.» So entdeckt er die Liebe zum Bauwesen und zum Cabriolet-Fahren. Im Kollegi in Schwyz macht er die Matur, liebäugelt mit der Priesterlaufbahn. «Es war die Zeit des Aufbruchs nach dem Zweiten Vatikanischen Konzil», sagt Herrmann. Schliesslich entscheidet er sich aber für ein Studium an der ETH Zürich. Als frischdiplomierter Kulturingenieur verschlägt es den passionierten Skifahrer in den flachen Thurgau. «Es gab Mitte der 1970er-Jahre kaum Stellen. Im Glarnerland klappte es nicht und so kam das Angebot aus Frauenfeld gerade recht.»

Zwei Wochen bei der Firma Spring und Schweizer sind geplant im Frühling 1976. Nicht mehr als ein Praktikum. Seine Aufgabe sei es gewesen, mit den Vermessungsarbeiten fertig zu sein, bevor das Laub an den Bäumen treibt. «Ich habe mich wohl nicht allzu blöd angestellt», sagt Herrmann. Also darf er bei Spring und Schweizer bleiben. Er wird zum «Berechner vom Dienst» für Strassenbau, Wasserbau oder hydraulische Systeme. Die Rolle behält er, nachdem Bernhard, Arnold und er Anfang 1983 die Firma von Patrons übernehmen und BHA gründen. «Wir drei waren ein Dreamteam im besten Sinne.» Schon unter Baudirektor Ulrich Schmidli befasst sich Herrmann mit dem ersten Renaturierungsprojekt an der Thurgau, dem Schafäuli bei Neunforn. Er ist als Vermesser auch dabei, als die Autobahn A7 von Attikon her etappenweise bis nach Kreuzlingen wächst. «Ich will gute Lösungen finden und umsetzen. Im Schafäuli haben die Linken applaudiert. Bei der Autobahn die Rechten», sagt der Ingenieur. Die Politik verlange nach Kompromissen, das sei ihm klar. «Doch lieber nichts machen, als etwas Schlechtes. Es braucht Geduld und Beharrlichkeit.» Und auch wenn es Widerstand gebe: Am Ende seien dann die Meisten zufrieden mit dem Ergebnis, siehe Murg-Auen-Park in Frauenfeld.

Betonieren in der afrikanischen Hitze

Eines seiner «Sternenprojekte», wie Herrmann sagt, war der Bau eines Flugplatzes in Nasran in Inguschetien im Kaukasus. «Ich wusste zwar wie man Strassen berechnet, über Flugzeugpisten wusste ich damals noch nicht viel». Der Auftrag war nicht nur ingenieurtechnisch herausfordernd, sondern auch von der Sicherheitslage her. Im Ort an der Grenze zu Tschetschenien war es Mitte der 1990er-Jahre brenzlig.

In guter Erinnerung bleibt ihm auch der Bau des Galma-Staudamms in Nigeria. Hier half er einer englischen Firma aus der Patsche. «Sie wollten den Damm buchstäblich auf Sand bauen. Der Frauenfelder Geologe Roland Wyss schlug dann vor, das Werk auf einen Felssporn zu stellen.» Das abgebaute Gestein diente als Material für den Beton. «Wir wählten Walzbeton mit weniger Zement und Wasser.» Bei der Hitze und Trockenheit dort genau das Richtige. «Wenn Beton trocknet, erwärmt er sich. Hätten wir mehr Zement verwendet, hätte das Werk gekühlt werden müssen, sonst gibt’s Risse. Nicht gut für einen Damm.» Ein Ingenieur ganz in seinem Element.

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