FRAUENFELD: Musikalisch vergoldet

Sie waren mit Ambitionen ans Weltjugendmusikfestival nach Zürich gereist. Dass es aber für den Titel reichen würde, hätte niemand aus den Reihen der Jugendmusik erwartet. Die frühe Tagwache vergangenen Samstag um 5 Uhr hat sich also gelohnt.

Mathias Frei
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Am Sonntagnachmittag in Zürich: Die Frauenfelder freuen sich über den Weltmeistertitel. In der Mitte im weissen Hemd Dirigent Thomas Fischer, ganz rechts Präsident Alberto Colotti. (Bild: pd)

Am Sonntagnachmittag in Zürich: Die Frauenfelder freuen sich über den Weltmeistertitel. In der Mitte im weissen Hemd Dirigent Thomas Fischer, ganz rechts Präsident Alberto Colotti. (Bild: pd)

«Sie waren wach.» Thomas Fischer muss schmunzeln. Denn der Tag, an dem sich das Orchester der Jugendmusik Frauenfeld unter Fischers Leitung eine Art von inoffiziellem Weltmeistertitel erspielte, begann früh, sehr früh. Vergangenen Samstag um 5 Uhr war Tagwache am Weltjugendmusikfestival in Zürich. Zmorge gab es in der Kunsteisbahn Oerlikon. Vier Stunden später standen die 40 jungen Frauenfelder Musikerinnen und Musiker auf der Wettbewerbsbühne. Sie spielten auf dem Tonimolki-Areal im Saal der Zürcher Hochschule der Künste. «Mein Bauchgefühl vor dem Auftritt war gut», sagt Fischer. Sein Orchester hatte sich für das Aufgabenstück «Redwood-Overture» des Schweizer Komponisten Marco Nussbaumer entschieden. Die Kür bestritten die Frauenfelder mit «Adventures» von Markus Götz – und kamen im Schnitt schliesslich auf 92,3 von 100 möglichen Punkten. Dirigent Fischer wusste schon da, dass es für einen vorderen Platz reichen würde. Die Rangverkündigung ging aber erst am Sonntagnachmittag im Hallenstadion über die Bühne. «Die Spannung war zum Zerreissen», erinnert sich Dirigent Fischer. Dass es schliesslich für den Kategoriensieg gereicht habe, sei das Tüpfelchen auf dem «i».

Jury lobt grosse Musikalität und Spielfreude

Die Frauenfelder holten in der dritthöchsten Harmoniekategorie (von fünf Stärkeklassen) den ersten Platz unter 21 Orchestern und zugleich die Goldauszeichnung. Von insgesamt 60 Formationen am Festival erreichten nur acht Gold. Die Juroren sprachen der Jugendmusik Frauenfeld grosse Musikalität, Spielfreude und einen schönen Orchesterklang zu.

Das Weltjugendmusikfestival wird nur alle fünf bis sieben Jahre ausgetragen, immer in Zürich. Die Frauenfelder waren dieses Wochenende erstmals mit von der Partie. Am Wettbewerb nahmen zur Hauptsache Orchester aus Deutschland, Österreich und der Schweiz teil. Es reisten aber auch aus den Niederlanden, Schweden, Ungarn, Bulgarien, Litauen, Estland, Japan und China Formationen an. Für Fischer, der die Jugendmusik seit zwölf Jahren leitet, ist dies die bislang wertvollste Auszeichnung. Vor vier Jahren konnten die Frauenfelder am Schweizer Jugendmusikfest in Zug den bisher einzigen nationalen Titel erringen.

Nicht weniger stolz auf die Goldauszeichnung ist Alberto Colotti. Er ist seit drei Jahren Präsident der Jugendmusik. Stadtpräsident Anders Stokholm habe bereits gratuliert, erzählt er. Vizepräsidentin Tabita Tinner, bis vor kurzem selber noch aktive Musikantin, amtete für die Frauenfelder als «Chef de mission» in Zürich. Colotti war aber auch dabei, als einer von vier Betreuern, damit sich der Dirigent auf seine Arbeit konzentrieren kann. Vor allem die Musiker, die jünger seien als 16 Jahre, würden eng begleitet. «Eigentlich machen wir ja Jugendarbeit, die Musik ist Mittel zum Zweck», sagt Colotti. Daneben würden aber auch die älteren Orchestermitglieder auf ihre jüngeren Kollegen Acht geben. «Wir sind wie eine Familie.» Sowieso sei die Situation bei der Jugendmusik Frauenfeld momentan sehr erfreulich.

Die Jugendmusikschule, die Jugendmusik und die Stadtmusik arbeiteten hervorragend zusammen, befindet Colotti. In der Jugendmusikschule würden die Leute ausgebildet, die dann zur Jugendmusik kommen. In der Regel um die 20 erfolge für viele der Schritt in die Stadtmusik. «Jede dieser drei eigenständigen Vereine trägt dazu bei, dass es gut läuft», sagt Colotti. Lob hat der Jugendmusik-Präsident zudem für die städtische Kulturförderung übrig.

<em>www.jumuf.ch</em>