FRAUENFELD: Mit geschärftem Blick

Ferienpass-Kinder machten sich auf den Weg in die Grosse Allmend. Dort zeigte ihnen einer der Ranger, wie sie mit dem Feldstecher die Natur beobachten können.

Rita Schmidlin
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Vom Weg aus übten die Kinder, wie sie Wildtiere mit dem Feldstecher beobachten können. (Bilder: Rita Schmidlin)

Vom Weg aus übten die Kinder, wie sie Wildtiere mit dem Feldstecher beobachten können. (Bilder: Rita Schmidlin)

Rita Schmidlin

frauenfeld@thurgauerzeitung.ch

Der Murg entlang ging es Richtung Allmend, und bereits da wurden vier Gänsesäger entdeckt. «Mit dem Ranger im ­Naturschutzgebiet», heisst das Ferienpassangebot des Frauenfelder Hochbauamtes. Ranger Alfons Schmidlin nahm die zehn Ferienpass-Kinder gestern um halb zwei Uhr in Empfang und los ging’s. Einige Kinder hatten selber einen Feldstecher dabei, die anderen bekamen einen Armeefeldstecher ausgeliehen. Schmidlin erklärte, wie man den Feldstecher richtig trägt, damit man ihn blitzschnell einsetzen kann.

Es war eine Freude zu beobachten, wie aufmerksam die Jugendlichen die Umgebung betrachteten. Einige kannten schon verschiedene Vögel und Pflanzen. Ein Mädchen entdeckte ein Taubenschwänzchen, ein anderes eine Schildwanze. Ein Kleiber zeigte sich lang genug, so dass alle ihn beobachten konnten. Drei Stockenten schwammen auf der Murg, ein Eichelhäher flog vorbei, es war etwas los im Auenwald. Ranger Schmidlin hatte Bilder von Vögeln und Pflanzen an Baumstämmen befestigt, dies im «Feldstecher-Abstand».

Grünspechte und Buntspechte

So konnte die Gruppe gut üben, das Bild scharf zu stellen, um zu erkennen, was abgebildet war. Aber daneben wurden auch lebende Objekte entdeckt, ein rotes Eichhörnchen machte Freude und blieb auch so lange ruhig sitzen, bis alle es gesehen hatten. Die kleine Maus haben nur einige gesehen, da das Tier schnell in den Ästen am Boden verschwand. Auf einem Bild war ein Specht abgebildet, da er ein grünes Kleid hat, war sofort klar, dass es sich um einen Grünspecht handelt. Ein «Rotspecht» dagegen gibt es nicht. Fast alle Spechte tragen rot am Kopf, es war ein Buntspecht, und zwar ein junger Vogel mit einer roten Kappe. Wenn alle geraten hatten, was auf den Bildern zu sehen war, durfte jeweils eines das Bild holen und dann gab der Ranger noch ausführlichere Angaben zum jeweiligen Vogel oder zu Pflanzen. Eine Grille war auch bei den Bildern, aber die hatte noch niemand gesehen. Viele Fragen wurden gestellt zu allem Möglichen, was es im Wald zu entdecken gab, wie etwa Baumpilze, einem Biberloch oder zu einem Blitzschaden an einem Baumstamm, zu Krähennestern und Wildschweinspuren. Im Auenwald kann man jeweils auch gut sehen, wenn es wieder einmal ein Hochwasser gegeben hatte. Die Büsche sind unten grau und dreckig, oben aber grün. So sieht man immer ganz genau wie hoch der Wasserstand war.

Rehe zu beobachten ist spannender als der Zvieri

Die Zeit verging zu schnell. Bald war es halb vier Uhr und Zeit für die vorgesehene Zvieripause. Die grosse Bank beim Polygon eignete sich perfekt dafür. Aber da sahen einige der Mädchen zwischen den Bäumen hindurch zwei Rehe. Da blieb fast keine Zeit, um in Ruhe zu essen. Sie wollten unbedingt in die Nähe gehen, um die Rehe zu beobachten. Über die Wiese durften sie aber nicht, das ist verboten im Naturschutzgebiet. Aber auf einem Weg kamen sie den Rehen etwas näher, doch nun verschwanden diese im Wald. So schnell gaben die Mädchen aber nicht auf, und plötzlich entdeckten sie am Waldrand im Schatten einen Kopf. «Das ist ein Hase», rief eines. «Nein, das ist ein Reh», ein anderes. Rasch ein Bild machen mit dem Teleobjektiv, dann liessen sich alle davon überzeugen, dass da ein Reh hervorschaute. Eine tolle Leistung, in diesem Licht und von so weit weg das Tier überhaupt zu entdecken. Die ganze Gruppe zeigte sich beim Abschluss auch sehr zufrieden, sie hatten viel gesehen und gelernt.