FRAUENFELD: Minus ein blinder Fleck

Primarschüler aus dem Spanner dürfen ab dem neuen Schuljahr die Tagesschule im Langdorf besuchen. Die bessere Auslastung hilft der Wirtschaftlichkeit. Zudem kann so eine Lücke im Netz der familienergänzenden Massnahmen geschlossen werden.

Mathias Frei
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Zahnbürsteli im Tagesschulangebot Huben. (Bild: Nana do Carmo)

Zahnbürsteli im Tagesschulangebot Huben. (Bild: Nana do Carmo)

Mathias Frei

mathias.frei@thurgauerzeitung.ch

Etwas mehr als ein Katzensprung. Zu Fuss sind es knapp über 500 Meter vom Spannerschulhaus zur Schulanlage Langdorf. Ab dem neuen Schuljahr machen sieben Kinder aus dem Spanner diesen Weg mehrmals pro Woche. Ihre Eltern haben sie fürs Tagesschulangebot Frauenfeld (TAF) im Langdorf angemeldet. Je nach gebuchten Modulen verbringen sie im Langdorf die Zeit vor dem Unterricht am Morgen, über Mittag oder nachmittags, wenn die Schule aus ist. Für sie gilt: Es gibt keinen von der Schule organisierten Transport. Eltern steht es jedoch offen, sich mit Autos zu organisieren.

Das sind für die Schulbehörde zwei Fliegen auf einen Streich. Denn im Langdorf hat die Auslastung der Tagesschule noch Spielraum nach oben. Und eine bessere Auslastung ist stets auch den Finanzen dienlich. Zudem gab es für die Spannerschüler bislang weder ein eigenes TAF, noch im näheren Umkreis eine Kita.

Eine Ausnahme beim Quartierschulhaus-Prinzip

Bisher galt in Frauenfeld die Idee des Quartierschulhauses. Das heisst: Man geht grundsätzlich dort in den Kindergarten oder in die Primarschule, wo man wohnt. Dieses Prinzip galt auch für die bestehenden drei Tagesschulangebote. Diesem Prinzip stand aber gegenüber, dass das Einzugsgebiet des Spannerschulhauses bislang ein blinder Fleck war im Netz der familienergänzenden Massnahmen für Kinder im Schulalter. Die von der Schulbehörde beschlossene Ausnahmeregelung für Spannerschüler bleibt in Kraft, solange es Platz hat im TAF Langdorf. Zudem gilt, dass ein einmal aufgenommenes Kind aus dem Spanner seinen Platz im Langdorf bis zur 6. Klasse behält, wenn das TAF ununterbrochen genutzt wird.

Schulpräsident Andreas Wirth stellt sich ein bedarfsgerechtes Netz von familienergänzenden Angeboten auf dem ganzen Stadtgebiet vor. Dieses Netz ist heute schon recht dicht. Und es wird noch ausgebaut. Mit der Sanierung im Schollenholz gibt es dort das vierte TAF. Oberwiesen und Huben haben auch eine Tagesschule. Das TAF Langdorf umfasst auch die Schüler von Herten. Bis zur 2. Klasse werden sie mit dem Schulbus ins Langdorf gefahren. Für die Schüler vom Kurzdorf und vom Ergaten gibt es zwar kein TAF, aber in nächster Nähe jeweils eine oder mehrere Kindertagesstätten, die von der öffentlichen Hand gefördert werden und so auch ein qualitativ gutes Angebot haben. Erzenholz wiederum ist schlicht zu klein mit zwei Schul- und einer Kindergartenklasse. Der Bedarf ist also jetzt schon oder – im Falle Schollenholz – mittelfristig gedeckt.

Eine Ausnahme stellt das Schulhaus Spanner dar. Dort fehlt eine privatbetriebene Kita. «Das Spanner hat sechs Klassen mit rund 120 Schülern. Aber wir könnten auch mit 20 Anmeldungen noch keine eigenständige Tagesschule führen, weil sie sich auf verschiedene Module verteilen», sagt Wirth. Zudem würden dafür auch die Räumlichkeiten fehlen. Mit der Öffnung im Langdorf könne man diese Problematik unkompliziert lösen.

Am meisten Kinder kommen zum Mittagstisch

Die TAF-Erfolgsgeschichte geht so oder so weiter. Mittlerweile werden gemäss Wirth über 200 Kinder jede Woche betreut. Im Huben sind über 100 Kinder angemeldet, über Mittag sind es zu Bestzeiten um die 50. Im Oberwiesen sind knapp 60 an- gemeldet, der Peak liegt bei 30, ebenfalls am Mittagstisch. Im Langdorf seien die Zahlen steigend. 42 sind aktuell gemeldet. Am Mittag essen bis zu 40 Kinder. Um Eltern, die Schicht arbeiten, möglichst viel Spielraum bei der Planung der Betreuung zu geben, sind kurzfristige Anmeldungen bis zum 20. des Vormonats möglich. «Das erfordert aber auch von unserem Betreuungspersonal sehr viel Flexibilität.»

Die Tagesschulen im Langdorf und Oberwiesen haben die ersten zwei Sommerferienwochen sowie die letzte Sommerferienwoche offen. Im Huben besteht der Bedarf dafür nur an einzelnen Tagen. Neu können Kinder in den Ferien ein TAF besuchen, obwohl sie während der Schulzeit nicht angemeldet sind.