FRAUENFELD: Mehr Platz für die Toten

Die Stadt will die Urnenwand auf dem Friedhof Oberkirch erweitern. Die Kosten betragen 140000 Franken. Die Gestaltung der Nischenplatten ist so individuell, wie es die Menschen waren.

Rahel Haag
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Eine Urnenwand auf dem Friedhof Oberkirch ist im Schnitt nach rund drei Jahren voll besetzt. (Bild: Donato Caspari)

Eine Urnenwand auf dem Friedhof Oberkirch ist im Schnitt nach rund drei Jahren voll besetzt. (Bild: Donato Caspari)

Rahel Haag

rahel.haag

@thurgauerzeitung.ch

Der Kies knirscht unter den Sohlen. Ein Windstoss lässt es zartrosa Kirschblüten regnen. Still ist es hier, nur ein Kinderlachen ist von ennet der Mauer zu hören.

«Wir haben bald keinen Platz mehr», sagt Markus Marghitola, Leiter des Friedhofs und der Stadtgärtnerei. Er steht vor den Urnenwänden auf dem Friedhof Oberkirch. Fünf sind es an der Zahl. In einer Wand finden 96 Urnen Platz. Nach den Sommerferien soll die sechste erstellt werden. Das Baugesuch liegt noch bis und mit Montag öffentlich auf. Einsprachen hat es bisher keine gegeben. «Das würde mich auch wundern», sagt Mar-ghitola. Immerhin werde hier etwas für die Gesellschaft getan.

Der Preis ist nicht entscheidend

Lastwagen, Segelschiff, Efeuranke, Ähre, Handörgeli, Katze oder Hund: Die Nischenplatten sind ganz unterschiedlich gestaltet. «Es lebt», sagt Marghitola und lächelt. Bei manchen sind nur der Name und die Jahreszahlen zu lesen. Andere sind gar nicht beschriftet. «Dennoch ist dort jemand bestattet.» Eine Nischenplatte kostet 1200 Franken. Hinzu kommen die Kosten für die Gestaltung durch den Bildhauer. So gesehen sei ein Grabstein teurer. Doch nicht der Preis sei entscheidend, «entweder es gefällt oder eben nicht». Er zuckt mit den Schultern. Auf anderen Friedhöfen gebe es Vorgaben, beispielsweise, welcher Schrifttyp verwendet werden darf. In Frauenfeld ist die Gestaltung individuell. «Das wird goutiert.»

Die Nischen werden der Reihe nach vergeben, nach rund drei Jahren ist eine Wand jeweils vollständig besetzt. Manch eine Nischenplatte zieren zwei Namen. «Auf Wunsch ist es möglich, eine zweite Urne in derselben Nische beizusetzen», sagt Marghitola. Ab der ersten Beisetzung gilt auch hier 20 Jahre Grabesruhe. Im Schnitt werde eine Wand nach rund 23 Jahren geräumt. «Die nächste Räumung wird ungefähr im Jahr 2023 stattfinden.» Anschliessend werden die Urnen in einem grossen Grab auf dem Friedhof beigesetzt. «Es ist uns wichtig, dass die Urnen nicht zerstört werden.» Aktuell steht noch eine Urnenwand zur Verfügung. Sie werde in rund einem Jahr vollständig besetzt sein. Die Erweiterung scheint unumgänglich. «Anschliessend sollten wir für die nächsten 30 bis 40 Jahre versorgt sein», schätzt Marghitola.

Arbeiten werden während Bestattungen unterbrochen

Im Rahmen der Bauarbeiten werde ein Teil der bestehenden Mauer abgebrochen. «Es ist jedoch keine bestehende Urnenwand betroffen», sagt Marghitola. Es gehe schlicht darum, dass die Abstände zwischen den einzelnen Urnenwänden gleich gross sind. Die Arbeiten werden voraussichtlich zwei bis drei Monate dauern. Das sei unter anderem vom Wetter abhängig. Auch die Zahl der Bestattungen in diesem Zeitraum spielt eine Rolle. Selbstverständlich würden die Arbeiten während einer Bestattung unterbrochen. «Es geht nicht, dass wir in einem solchen Moment mit dem Bagger zugange sind.» Die Kosten von 140000 Franken werden von der Stadt übernommen.

Die Urnenwände liegen leicht erhöht an der südlichen Seite des Friedhofs, mit Blick über ganz Frauenfeld. In einer schmalen Rabatte unter der Wand stehen Blumen und brennende Kerzen. Es ist still. Hier oben könne man sich auf eine Bank setzen und ungestört mit den Verstorbenen sprechen, sagt Marghitola. Mit einem sanften Lächeln fügt er an: «Oder mit ihnen schimpfen.»