FRAUENFELD: Maya La Belle kommt an die Macht

Der Stadtrat ist entmachtet, die Fasnacht eröffnet. Gestern um 19.13 Uhr hat Maya I. das Zepter übernommen. Die neue Obernärrin Maya Schöni ist Mitglied der Fasnachts-Girl-Group Gilde-Peppers.

Mathias Frei
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Ein dreifaches «Ho Narro» zur Fasnachtseröffnung: Obernärrin Maya I. mit ihren Begleitern Thomas Hengartner und René Metzger. (Bild: Andrea Stalder)

Ein dreifaches «Ho Narro» zur Fasnachtseröffnung: Obernärrin Maya I. mit ihren Begleitern Thomas Hengartner und René Metzger. (Bild: Andrea Stalder)

Mathias Frei

mathias.frei@thurgauerzeitung.ch

Das kann ja heiter werden – sicher bis nächsten Dienstag. Die Frauen haben das Sagen. Auf dem Narrenschiff ist es nicht anders als im Bürgersaal. Maya Schöni folgt als Obernärrin auf Petra Gimmi. Lang lebe Maya I.! In einer weissen Stretchlimousine ist gestern die zehnte Obernärrin in der Geschichte der Frauenfelder Fasnacht vors Rathaus chauffiert worden. Viel Volk, darunter mit Gallus Hug der höchste Thurgauer, erwarten das neue närrische Oberhaupt. Sie dürfe nun fünf Tage lang unterschreiben, was sie wolle, sagt Stadtpräsident Anders Stokholm. Dann übergibt er ihr die städtischen Insignien.

Maya La Belle – Schönis Künstlername – ist zwar Teil der Gilde-Peppers. Das Singen lässt sie aber heuer bleiben. Sie braucht die Stimme als Obernärrin. «Da lasse ich dann gezielt Schüsse los», sagt sie. Aber keine Angst, lieber Stadtrat, unter die Gürtellinie zu gehen, das sei nicht ihr Stil.

Als Hexe, Kartoffelsack oder Glascontainer

Fasnacht begleitet die Kurzdorferin schon seit Kindesbeinen. Schöni ist im Kemmental aufgewachsen. «In der Primarschule durften wir uns am Schmutzigen Donnerstag jeweils verkleiden», erzählt sie. Und mit ihrer Mutter gingen die Schöni-Kinder auch immer an den Emmishofer Umzug. «Oft war ich als Hexe verkleidet.» Man habe damals einfach den Kleiderschrank der Grossmutter durchstöbert. «Und einmal bin ich als Kartoffelsack gegangen.» Später war Schönis Clique oft an Maskenbällen anzutreffen – und holte reihenweise Preise bei den Maskenprämierungen. «Wir verkleideten uns immer zu aktuellen Themen. Als in Frauenfeld die Glassammlung eingeführt wurde, gingen wir als Glascontainer.» Und Maya I. schmunzelt, wie sie es oft tut.

Sie sei eine offene, fröhliche Person, sagt Schöni von sich. «Wenn andere gerne reden, lasse ich sie reden und höre zu. Und ich bin auch ein kleines Alphatier.» Das und die Qualität, vor Leuten reden zu können, habe der Job mit sich gebracht, sagt Maya I., die sich vergangenen Herbst frühpensionieren liess.

Ihr Bruder lebt in Australien. Per Skype steht Schöni mit ihm in Kontakt. «Als er von mir als Obernärrin erfuhr, sagte er, ich sei schon immer der Clown gewesen.» Murganesenpräsident Ivan Gubler fragte Schöni Anfang Januar für das Amt an. Sie ist die logische Wahl, nachdem ihre drei Pepper-Girls schon Obernärrinnen waren. Schöni wirkte derweil ab Ende der 1980er-Jahre längere Zeit im Murganesen-13er-Rat, organisierte den Plakettenverkauf. 1993 war sie Mitbegründerin der Ehemaligengilde, seit vier Jahren ist sie deren Präsidentin.

Begleiter müssen nicht auf sie aufpassen

Maya La Belle wird in den nächsten Tagen von ihren Begleitern René Metzger und Thomas Hengartner eskortiert. Die beiden Frauenfelder Schulhauswarte werden für ihr Amt speziell bunte Anzüge tragen. Und Metzger, den Schöni aus dem Turnverein kennt, bestreitet den Umzug am Sonntag sicher als «Wilde Maa». Am nächsten Dienstag werden die beiden Begleiter zudem Papiernastücher vor dem Rathaus verteilen, um die Tränen zu trocknen beim Abschied von Maya La Belle. «Aber auf mich aufpassen müssen die zwei definitiv nicht», meint Schöni.